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Unternehmenskultur
Der Wunsch nach einem Jobwechsel steigt: Angestellte kündigen auch ohne neue Anstellung

Der Wunsch nach einem Jobwechsel steigt: Angestellte kündigen auch ohne neue Anstellung

Michelle Winner | 20.01.22

Die Pandemie hat vielen Arbeitnehmer:innen gezeigt, was in ihrem Job falsch läuft. Viele sehnen sich daher eine neue Anstellung herbei. Dabei legen sie besonderen Wert auf die Unternehmenskultur anstatt aufs Gehalt.

Im Laufe der Pandemie ist die Wechselbereitschaft von Arbeitnehmer:innen in Deutschland gestiegen. Das zeigt eine Studie von XING E-Recruiting in Zusammenarbeit mit forsa. Diese Befragung wird bereits seit 2012 durchgeführt, wobei die Zufriedenheit der Angestellten sowie Gründe für einen Jobwechsel im Fokus stehen. In diesem Jahr zeigen die Ergebnisse, wie wichtig Arbeitnehmer:innen die Unternehmenskultur ist.

Kündigung ohne neue Stelle

Laut der Studie sind 37 Prozent der Befragten offen für eine neue Arbeitsstelle oder haben sogar schon Maßnahmen diesbezüglich ergriffen. Im Jahr 2021 waren es noch 33 Prozent. Besonders in der Altersgruppe 30 bis 39 Jahre ist der Wechselwunsch groß: Hier sehnen sich 48 Prozent nach einem neuen Job. Seit Beginn der Pandemie haben zehn Prozent ihren Job bereits gewechselt, wovon ein Viertel bestätigt, dass die Entscheidung durch die Coronasituation beeinflusst wurde. Besonders interessant ist zudem, dass eine Kündigung bei 25 Prozent bereits erfolgte, ohne eine neue Anstellung in Aussicht zu haben.

Grund hierfür ist vermutlich, dass die Pandemie den Betroffenen vor Augen geführt hat, was an ihrem aktuellen Arbeitsplatz falsch läuft und sie sich dem nicht mehr aussetzen wollten – selbst wenn noch kein neuer Arbeitsvertrag unterschrieben ist. Hinzu kommt dass es vor allem Frauen sind, die einen Wechselwunsch hegen. 38 Prozent von ihnen suchen 2022 nach einer neuen Stelle.

© XING

Unternehmenskultur ist wichtiger als das Gehalt

Bei der Betrachtung der Ergebnisse gilt es zu beachten, dass es einen Unterschied gibt zwischen Gründen, aus denen die Befragten über einen Jobwechsel nachdenken, und Gründen, die tatsächlich zum Wechsel führen. In der ersten Kategorie regt das Geld die Arbeitnehmer:innen zum Nachdenken an: 42 Prozent erhoffen sich von einer neuen Arbeitsstelle ein höheres Gehalt, bei den unter 29-Jährigen sind es sogar 72 Prozent. Außerdem sind 38 Prozent unzufrieden mit der derzeitigen Geschäftsführung und ihren direkten Vorgesetzten (30 Prozent). Weitere Gedankenspiele werden ausgelöst durch den Wunsch nach einem neuen Tätigkeitsbereich (31 Prozent) und der Suche nach Sinnhaftigkeit der eigenen Arbeit (26 Prozent).

Die Auslöser für einen tatsächlichen Jobwechsel sehen etwas anders aus. Wer tatsächlich den Job gewechselt hat, tut das vor allem aus Problemen mit der Unternehmensführung (28 Prozent), einer unausgewogenen Work-Life-Balance (27 Prozent) und Unzufriedenheit mit der aktuellen Tätigkeit (24 Prozent). Finanzielle Anreize sind lediglich bei 19 Prozent ein tatsächlicher Auslöser für den Wechsel. Das zeigt, wie wichtig Arbeitnehmer:innen die Unternehmenskultur sowie das Miteinander sind – ganz besonders zwischen Angestellten und Führungsetage.

© XING

Seit Pandemiebeginn lässt sich außerdem ein Wandel hinsichtlich der Frage beobachten, was Arbeitgeber:innen heute attraktiv macht. 59 Prozent der Befragten ist ein gutes Führungsverhalten wichtig, 57 Prozent sehen flexible Arbeitszeiten als Pluspunkt an und 54 Prozent erwarten ein gerechtes Gehalt. Darüber hinaus erachten jeweils 52 Prozent Sinnerfüllung bei der Arbeit und Remote Work als wichtig.

Das Gehalt ist immer noch ein wichtiger Faktor bei der Entscheidung für einen neuen Job – aber längst nicht mehr der wichtigste. Arbeitnehmer:innen sehnen sich zunehmend nach einem guten Arbeitsumfeld, indem die Führung empathisch und flexibel ist und sich auch um die Work-Life-Balance der Angestellten kümmert. Unternehmen sollten sich diese Studienergebnisse zu Herzen nehmen und ihren Führungsstil kritisch reflektieren, um weiterhin im War for Talents bestehen zu können.

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