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Unternehmenskultur
Wertschätzung bedeutet Erfolg: Unternehmen sollten endlich auf gute Arbeitsbedingungen setzen – auch in der Pflege
© Dakota Corbin - Unsplash

Wertschätzung bedeutet Erfolg: Unternehmen sollten endlich auf gute Arbeitsbedingungen setzen – auch in der Pflege

Michelle Winner | 01.04.21

Während Angestellte in der IT-Branche besonders zufrieden sind und ihre Unternehmen Erfolge verzeichnen, steht wie so oft der Pflegesektor hinten an. Mitarbeiter:innen müssen endlich wertgeschätzt werden.

Immer wieder wird darüber berichtet, dass eine gute Unternehmenskultur voller Wertschätzung für die Mitarbeiter:innen sich positiv auf den wirtschaftlichen Erfolg von Unternehmen auswirkt. Grundlage dieser Annahme ist, dass eine hohe Zufriedenheit der Angestellten die Produktivität ankurbelt und es weniger Krankmeldungen und Fehler gibt. Die Gleichung Wertschätzung = Wertschöpfung wird nun auch durch eine umfassende Datenanalyse der Bewertungsplattform kununu bestätigt. Zusätzlich hat diese auch noch einen Blick in die einzelnen Branchen geworfen.

Welche Branchen punkten und welche floppen?

Im Rahmen der Untersuchung wurden über 230.000 Assessments des kununu-Kulturkompasses sowie 2,4 Millionen Arbeitgeberbewertungen untersucht. Der Zusammenhang zwischen Wertschätzung und wirtschaftlichem Erfolg wird vor allem in drei Branchen deutlich: Internet, IT und Consulting. Key Words wie Vertrauen, Freiräume und Wertschätzung wurden hier besonders oft genannt. Gleichzeitig werden Unternehmen aus diesen Branchen häufig Merkmale zugeschrieben, die wirtschaftlichen Erfolg ausmachen. Kununu sieht als möglichen Grund für dieses Ergebnis, dass in den genannten drei Branchen besonders oft interdisziplinär gearbeitet wird. Dadurch nehmen Mitarbeiter:innen sich selbst vermutlich als handlungsfähiger wahr. Heißt, sie nehmen nicht nur den Wert und Sinn der eigenen Arbeit aktiv wahr, sondern bemerken auch das Vertrauen, das ihnen von Vorgesetzten entgegengebracht wird.

Besonders negativ schneidet die Branche „Gesundheit, Pflege, Soziales“ ab. „Wirtschaftliches handeln“ wird hier als Kategorie besonders häufig genannt, was den wirtschaftlichen Druck verdeutlicht, dem die Mitarbeiter:innen in dieser Branche ausgesetzt sind. Das große Problem dabei ist, dass Angestellten im Gegensatz dazu zu wenig Wertschätzung entgegengebracht wird. Beim Wertbegriff „Arbeitsqualität von Mitarbeitern sicherstellen“, nimmt die Branche sogar den negativen Spitzenplatz ein. Dass Pflegekräfte schlecht bezahlt werden und unter schlechten Bedingungen arbeiten müssen, ist kein Geheimnis. Die Ergebnisse der Datenanalyse von kununu bestätigen dieses Bild nur noch einmal. Gerade seit Beginn der Coronakrise wird darauf immer wieder aufmerksam gemacht, jüngst auch durch die Aktion von Joko und Klaas, die zur ProSieben Prime Time die Schicht einer Intensivkrankenpflegerin in Echtzeit ausstrahlten. Hier eine Echtzeitreaktion auf diesen ungewöhnlichen TV-Abend, der symbolisch für die Probleme in der Pflegebranche steht:

Der Zusammenhang von Wertschätzung und Wertschöpfung

Im Rahmen der Untersuchung wurden 160 Wertbegriffe kategorisiert und so Cluster erstellt. Der größte Zusammenhang lässt sich zwischen den Clustern „Erfolgsindikatoren“ und „Mitarbeiterorientierung“ sowie den Clustern „Erfolgsindikatoren“ und „Vertrauen“ feststellen. Daraus lässt sich schlussfolgern, dass Vertrauen und Wertschätzung dazu führen, dass Mitarbeiter:innen eine bessere Arbeitsleistung an den Tag legen. Als Gegenbeispiel dazu ergibt sich ein negativer Zusammenhang zwischen den Clustern „Kontrolle“ und „Erfolgsindikatoren“.

Angestellte wollen frei handeln dürfen. Mikro-Management und übermäßige Kontrolle stoßen daher auf Unmut, was sich auch in den Diskussionen rund um flexible Arbeitsbedingungen und Remote Work bemerkbar macht. Oft scheitern neue Konzepte daran, dass Vorgesetzte ihren Angestellten nicht genug vertrauen und fälschlicherweise annehmen, mehr Freiheit würde sinkende Leistung bedeuten. Yenia Zaba, Director und Teil des Führungsteams von kununu, erklärt:

Wir lesen aus den Daten, dass Unternehmen, in denen Vertrauen und Wertschätzung großgeschrieben werden, tendenziell auch wirtschaftlich erfolgreicher sind. Arbeitgeber sollten der Unternehmenskultur schon aus rationalen Gründen die Bedeutung zumessen, die sie verdient. Dabei müssen sie auch den immer transparenteren Arbeitsmarkt im Blick haben: Schon heute recherchiert über die Hälfte der Jobsuchenden auf Arbeitgeber-Bewertungsplattformen wie kununu. Am Ende werden sie nur bei den Jobsuchenden punkten, wenn ihre Unternehmenskultur nicht nur auf der Website ansprechend ist, sondern auch in der Realität.

„Dienst nach Vorschrift“ wird von den Clustern besonders negativ bewertet und mit Attributen wie „langsam arbeiten“ und „stumpf seinen Job machen“ bezeichnet. Es muss also dringend ein Umdenken seitens der Arbeitgeber:innen stattfinden, um auch in Zukunft die besten Talente für sich gewinnen zu können und diesen die Art von Wertschätzung entgegenzubringen, die schlussendlich zum wirtschaftlichen Erfolg führt. Umso positiver ist es dafür jedoch, dass durch die Coronakrise immer mehr Unternehmen die Vorteile von Remote Work anerkennen und auch nach der Pandemie auf hybride Arbeitsmodelle setzen wollen.

Es bleibt also zu hoffen, dass der Wertschätzung der Mitarbeiter:innen auch in Zukunft eine große Rolle zugesprochen wird – vor allem dort, wo sie bisher zu selten vorkommt.

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