Dein wichtigster Touchpoint zur Digitalbranche.
Dein wichtigster Touchpoint zur Digitalbranche.
Unternehmenskultur
Von Mikromanagement bis Erniedrigung: Toxisches Verhalten ist bei Führungskräften weit verbreitet
© Dan Meyers - Unsplash

Von Mikromanagement bis Erniedrigung: Toxisches Verhalten ist bei Führungskräften weit verbreitet

Michelle Winner | 30.09.20

Egal ob Anschreien oder Überwachung – Führungskräfte zeigen sich oft von ihrer schlechten Seite und schädigen dabei nicht nur das Arbeitsklima, sondern auch die Performance des Unternehmens.

Nicht jede Führungskraft ist eine gute Führungskraft. Von Mikromanagement und totaler Überwachung bis hin zu Beleidigungen und Anschreien seitens des Vorgesetzten gibt es in Unternehmen alles zu sehen. Auch wir haben schon darüber geschrieben, wie Führungsstile zum besseren gewandelt werden können. Denn: Schlechte Führung führt zu einem schlechten Arbeitsklima und sorgt für eine sinkende Mitarbeiterzufriedenheit und -bindung. Schlussendlich resultiert daraus dann sinkende Produktivität. Dass dieser Zustand keine Seltenheit ist, zeigt eine aktuelle Studie: Toxische Führungsstile sind in Unternehmen weit verbreitet.

„Abusive Supervision“ schadet der Performance

Im Rahmen der Studie analysierte ein Forschungsteam der Universität Bielefeld, der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin sowie der Universität Trier über 37.000 kununu-Bewertungen und mehr als 3.700 Textkommentare aus den Jahren 2016 und 2017. Dabei wurde ein Zusammenhang zwischen „Abusive Supervision“, also toxischer Führung, und sinkender Produktivität festgestellt. Kununu selbst schreibt, dass Kommentare wie „Der direkte Vorgesetzte versucht dem Mitarbeiter das Gefühl zu geben, dass er nichts kann“, häufig vorkamen. Insgesamt wurde in 85 Prozent aller Unternehmen toxisches Führungsverhalten festgestellt, bei 21 Prozent verhalten sich die Führungskräfte sogar äußerst toxisch. Übrigens ist die Größe des Unternehmens dabei nicht ausschlaggebend.

Gemessen am ROA (Return of Assets) weisen die Unternehmen mit toxischen Führungsstrukturen auch eine schlechtere Performance auf. Und während Unternehmen, bei denen Abusive Supervision seltener ist, eine durchschnittliche Bewertung von 3,5 erhielten, lag diese bei den sehr toxischen Führungskräften bei nur 3,3. Interessant dabei ist, dass das toxische Verhalten nicht zwingend von der obersten Hierarchieebene ausgeht, sondern oft von Zwischenebenen. Doch schon eine schlechte Führungskraft kann die Situation für das gesamte Unternehmen verschlechtern, wie Professor Dr. Christina Hoon von der Uni Bielefeld gegenüber kununu erklärt:

Es ist nicht egal, ob es eine schlechte Führungskraft in einem Unternehmen gibt. Schlechte Führung führt dazu, dass das Führungsklima insgesamt toxisch wird. Es überträgt sich auf andere Führungsebenen und kostet die Unternehmen Geld.

Kann gegen toxisches Verhalten vorgegangen werden?

In erster Linie müssen die Führungskräfte selbst erkennen, dass ihr Verhalten schädlich für das Unternehmen ist. Gerade diese Selbsterkenntnis ist nicht immer einfach zu akzeptieren und manche wehren sich regelrecht dagegen. Die Autoren der Studie erklären zudem, dass einige Unternehmen zwar Leitlinien zum Führungsstil aufgestellt haben, diese aber eben nicht immer eingehalten werden. Daher bedarf es einer Ahndung von Fehlverhalten seitens der Führungsebene, um aktiv toxischem Führungsstilen entgegenzulenken. Ebenso hilfreich könne ein „Anreizsystem“ bei guter Führung sein, sprich, entsprechende Belohnungen bei guter Performance des Unternehmens und hoher Mitarbeiterzufriedenheit. Wird Abusive Supervision jedoch nicht entsprechend geahndet, müssen die Mitarbeiter selbst aktiv werden und toxisches Verhalten erkennen und sich dagegen wehren. Schlussendlich bleibt an dieser Stelle lediglich der Appell an alle Führungskräfte, regelmäßig den eigenen Führungsstil zu hinterfragen, Stimmungsbilder der Angestellten einzuholen und vor allem etwas zu verändern, wenn Produktivität und Arbeitsklima sich verschlechtern.