Human Resources
Wegen KI den Job verlieren? Wann und wie Kündigungen wegen KI möglich sind

Wegen KI den Job verlieren? Wann und wie Kündigungen wegen KI möglich sind

Selina Beck | 29.10.26

Stellenabbau wegen KI ist nicht mehr nur in der Tech-Branche ein Thema, wie die Kündigungen bei Lufthansa zeigen. Doch wie sieht die rechtliche Lage bei Kündigungen aufgrund von KI aus?

KI ist nicht mehr wegzudenken aus der Arbeitswelt und mit ihr die Freude über mehr Produktivität und Vereinfachungen ebenso wie die Befürchtung um den Arbeitsplatz und die Arbeitswelt der Zukunft. Vor allem Stellenabbau aufgrund von KI ist eine große Sorge, die sich viele Arbeitnehmer:innen teilen.

Jobverlust in Tech- und IT-Branche sowie bei Einstiegsstellen

Bereits jetzt sind viele Angestellte betroffen. Vor allem die Tech- und IT-Branche erleidet personelle Konsequenzen. So kam im April die Meldung, dass Meta KI Arbeit erlernen ließ und daraufhin tausende Stellen abgebaut hat. Damals war fast jeder zehnte Job von den Entlassungsmaßnahmen betroffen. Meta nutzte die Arbeit der Mitarbeiter:innen für das Training mit KI-Agents. Die Software erlernte beim Tracking der Beschäftigten, wie sie Programme nutzt, Entscheidungen trifft und Aufgaben erledigt. Die Daten bildeten damit die Grundlage für KI-Tools, welche diese Aufgaben später selbst absolvieren sollten.

Laut diversen Studien trifft generative KI zudem vor allem Jobs, in denen besonders viele Frauen arbeiten. In Berufen aus den Bereichen Sachbearbeitung, Kund:innen-Service, Callcenter, Backoffice und Support, deren Aufgaben zukünftig zum Teil durch KI übernommen werden könnten, bestehen zum Teil Frauenanteile von bis zu 70 Prozent. Auch Berufseinsteiger:innen leider unter dem neuen KI-Einsatz, denn viele Junior- und Einstiegsstellen wurden mit Verweis auf KI abgebaut. Damit wird es für Berufsanfänger:innen und Absolvent:innen noch schwieriger, Fuß auf dem Arbeitsmarkt zu fassen.

Im KI-Entlassungs-Tracker wird zudem offenkundig, dass in der IT- und Tech-Branche von mehr als 130.000 weltweit angekündigten Entlassungen 70 Prozent mit KI-Anwendungen begründet wurden. Darunter werden Firmen wie Meta, LinkedIn und Coinbase gelistet.

Die Entlassungen aufgrund von AI sind in diesem Jahr rasant gestiegen, © Roger Lee, Screenshot, Grafik, starker Anstieg 2026
Die Entlassungen aufgrund von AI sind in diesem Jahr rasant gestiegen, © Roger Lee

Doch auch in anderen Branchen sind Massenentlassungen aufgrund von KI keine Seltenheit mehr. Lufthansa will 4.000 Stellen bis 2030 streichen, um Kosten einzusparen und Arbeitsvorgänge durch KI und Digitalisierung zu automatisieren.

Welche Kündigungen wegen KI sind rechtlich erlaubt?

Die Frage stellt sich, ab wann Jobs aufgrund von KI-Prozessen rechtlich legitimiert gestrichen werden können. Infos dazu geben die Anwält:innen der Plattform Cleverklagen, die arbeitsrechtliche Beratung anbieten. Sie betonen, dass viele dieser Kündigungen einer rechtlichen Prüfung nicht standhalten, da Unternehmen beim Stellenabbau im Zuge von KI-Transformationen diverse arbeitsrechtliche Vorgaben beachten müssen. Bei der Nichtbeachtung dieser ist eine Kündigung trotz nachvollziehbarer wirtschaftlicher Gründe rechtlich angreifbar.

Unternehmen müssen den konkreten Wegfall nachweisen: Zunächst weisen die Anwält:innen von Cleverklagen darauf hin, dass die bloße Annahme eines Unternehmens, dass KI künftig Aufgaben übernehmen wird, für eine betriebsbedingte Kündigung nicht ausreicht. Arbeitgeber:innen müssen konkret und für den Zeitpunkt der Kündigung nachweisen, welche Aufgabengebiete bereits faktisch durch welche KI-Systeme entfallen.

Teilweise Übernahme durch KI reicht nicht aus: Auch wenn KI den Arbeitsaufwand reduziert, wird nicht automatisch der gesamte Arbeitsplatz überflüssig. Zunächst müsse geprüft werden, ob sich das Tätigkeitsprofil nur verändert. Hier käme eher eine Änderungskündigung statt einer Beendigungskündigung infrage.

Weiterbildung vor Kündigung (Umschulung statt Entlassung): Bevor Stellen gestrichen werden, müssen Firmen prüfen, ob Betroffene für neue oder andere Aufgaben qualifiziert werden können. Falls eine Fortbildung zur Erhaltung des Arbeitsplatzes möglich ist, ist die Kündigung rechtswidrig.

Verfahrensfehler bei Massenentlassungen nutzen: Wenn der KI-Einsatz für größere Entlassungswellen sorgt, müssen formale Vorgaben wie eine Massenentlassungsanzeige befolgt werden. Beim Fehlen dieser kann die Kündigung unwirksam werden – unabhängig vom Kündigungsgrund.

Schnelles Handeln nach der Kündigung entscheidend: Die Anwält:innen betonen, dass vor allem ein rasches Vorgehen nach der Kündigungsnachricht wichtig ist. Ab dem Erhalt des Kündigungsschreibens bleiben nur drei Wochen Zeit für eine Kündigungsschutzklage. Bei Rechtsverstößen würden gute Chancen auf Weiterbeschäftigung oder eine Abfindung bestehen, so die Expert:innen.

Zwei Zusatzfälle beachten

Im Kündigungsschutzgesetz sind die rechtlichen Grundlagen verankert, an die sich Unternehmen bei einer rechtmäßigen Kündigung zu halten haben. Sollte es wegen KI-Entwicklungen zu Massenentlassungen kommen, müssen die Vorgaben aus § 17 (KSchG) berücksichtigt werden, darunter die Einbeziehung des Betriebsrates (so vorhanden), eine Meldung bei der Bundesagentur für Arbeit und die Einhaltung von rechtlichen Schwellenwerten.

Eine wichtige Ausnahme stellt letztlich noch die Probezeit dar. Da Unternehmen bei einer Kündigung darin mit Zweiwochenfrist keine konkreten Gründe angeben müssen, kann eine durch KI-Entwicklungen bedingte Kündigung in diesem Kontext Bestand haben.


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