Human Resources
Wenn KI Arbeit übernimmt, trifft es Frauen besonders oft

Wenn KI Arbeit übernimmt, trifft es Frauen besonders oft

Selina Beck | 24.09.26

Frauen arbeiten überdurchschnittlich oft in Berufen, die stark von generativer KI betroffen sind. Auch für Berufseinsteiger:innen wird der Start ins Berufsleben schwieriger. Was Studien über Risiken und Jobchancen zeigen.

KI sorgt für einen Umschwung auf dem Arbeitsmarkt, aber offenkundig nicht automatisch für mehr Gleichheit. Das hat bereits eine Analyse von LinkedIn gezeigt. Laut der im August 2026 veröffentlichten Untersuchung des LinkedIn Economic Graph Research Institute sind Frauen bei KI-Jobs gleich auf mehreren Ebenen benachteiligt beziehungsweise unterrepräsentiert. In KI-Unternehmen sind Frauen von der Führungsebene bis zu anderen Positionen deutlich seltener vertreten. Vor allem bei KI-Jobs mit Top-Gehältern zeigen sich dabei große Unterschiede zwischen den Geschlechtern.

Doch KI könnte noch zu einer weiteren Ungleichheit auf dem Arbeitsmarkt führen: Denn laut verschiedenen Studien trifft generative KI vor allem Jobs, in denen besonders viele Frauen arbeiten. In Berufen aus den Bereichen Sachbearbeitung, Kund:innen-Service, Callcenter, Backoffice und Support, deren Aufgaben zukünftig zum Teil durch KI übernommen werden könnten, bestehen teilweise Frauenanteile von bis zu 70 Prozent.


KI-Jobs boomen
– Frauen mehrfach benachteiligt

Eine Frau hängt frustriert über ihrem Laptop
© Karola G – Pexels


Fast dreimal so viele Frauen arbeiten in besonders stark KI-exponierten Berufen

Dass Frauen in verschiedenen Branchen ein deutlich höheres Risiko haben, dass sich ihre beruflichen Tätigkeiten durch KI verändern, zeigt auch eine Analyse der Internationalen Arbeitsorganisation der UN (ILO). Die gemeinsam mit dem Forschungsinstitut NASK erstellte Studie Generative AI and Jobs: A Refined Global Index of Occupational Exposure wurde im Mai 2025 veröffentlicht.

In Ländern mit hohem Einkommen arbeiten demnach 9,6 Prozent der Frauen in Berufen mit der höchsten Exposition gegenüber generativer KI und damit fast dreimal so viele wie Männer. Bei Männern liegt der Anteil bei 3,5 Prozent.

Das bedeutet allerdings nicht, dass 9,6 Prozent der Frauen ihren Arbeitsplatz verlieren werden. Die Zahlen zeigen vielmehr, wie stark die jeweiligen Tätigkeiten grundsätzlich durch generative KI verändert oder teilweise automatisiert werden könnten. Die ILO rechnet deshalb auch nicht mit einem generellen starken Anstieg der Arbeitslosigkeit, sondern vor allem mit veränderten Berufsbildern, teilweise sogar mit der Chance auf bessere Jobprofile.

Aber: Ob neue Berufsbilder für die betroffenen Beschäftigten infrage kommen und auch mit Care-Arbeit sowie Teilzeitmodellen vereinbar sind, bleibt abzuwarten. Gleichzeitig ist die Wirtschaft dringend auf weibliche Fachkräfte angewiesen. Eine 2023 veröffentlichte McKinsey-Analyse zeigte beispielsweise eine große Talentlücke bei Frauen in europäischen Technologieberufen.

Weiterbildungen werden immer relevanter

Die Expert:innen der ILO und von NASK raten Unternehmen deshalb dazu, ihr Personal im Umgang mit KI-Anwendungen weiterzubilden. Zudem appellieren sie an die Politik, Weiterbildungsmöglichkeiten zu schaffen und die digitalen Veränderungen aktiv zu gestalten. Dadurch könne verhindert werden, dass bestehende Ungleichheiten durch den technologischen Wandel weiter verstärkt werden.

Allgemein sind global rund 25 Prozent aller Jobs potenziell von Veränderungen durch generative KI betroffen. In wohlhabenderen Ländern liegt der Anteil sogar bei 34 Prozent. Laut der im Mai 2025 veröffentlichten ILO-NASK-Studie weisen Büroberufe weiterhin die höchste Exposition gegenüber generativer KI auf.

Für die Untersuchung wurden aus mehr als 29.700 Tätigkeiten des polnischen Berufsklassifikationssystems und einer Befragung von 1.640 Beschäftigten mehr als 52.000 Bewertungen einzelner Aufgaben ausgewertet. Ergänzt wurden die Ergebnisse durch Expert:innen und ein KI-basiertes System, um die Risiken verschiedener Berufe international vergleichen zu können.

Diese Gruppen sind ebenfalls gefährdet

Doch nicht nur Frauen könnten stärker unter den Veränderungen durch KI leiden. Auch Berufseinsteiger:innen geraten zunehmend unter Druck.

Der Einstieg ins Berufsleben wird schwieriger

Laut einer im August 2026 aktualisierten Studie des Stanford Digital Economy Lab hat sich die Beschäftigung von 22- bis 25-Jährigen in besonders KI-exponierten Berufen zuletzt deutlich schwächer entwickelt als bei Gleichaltrigen in weniger stark betroffenen Jobs. Besonders zeigt sich der Unterschied bei Neueinstellungen. Für Berufsanfänger:innen könnte es damit schwieriger werden, überhaupt die Berufserfahrung zu sammeln, die Unternehmen später von ihnen erwarten.

Dabei ist der Berufseinstieg ohnehin schon schwieriger geworden. Viele Unternehmen halten sich wegen der wirtschaftlich angespannten Lage mit Neueinstellungen zurück und setzen lieber auf Bewerber:innen mit mehreren Jahren Berufserfahrung. Auch der gestiegene Anteil von Remote Work hat in den USA dazu beigetragen, dass Unternehmen häufiger erfahrene Beschäftigte bevorzugen.

KI stellt klassische Juniorstellen infrage

KI könnte diesen Trend zusätzlich verstärken. Denn viele Aufgaben, die bisher typischerweise bei Junior-Mitarbeiter:innen lagen, lassen sich inzwischen zumindest teilweise automatisieren. Gleichzeitig bauen viele Unternehmen hierzulande Stellen ab, um Kosten zu sparen. Damit stellt sich für einige Unternehmen zunehmend die Frage, ob sie bestimmte Einstiegsstellen überhaupt noch besetzen müssen.

Damit wird es für viele Absolvent:innen schwieriger, Fuß auf dem Arbeitsmarkt zu fassen. Im Jahr 2025 lag die Arbeitslosenquote unter Akademiker:innen in Deutschland nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit bei 3,3 Prozent. Die allgemeine Arbeitslosenquote lag im selben Jahr bei 6,3 Prozent. Die 3,3 Prozent beziehen sich allerdings auf Akademiker:innen insgesamt und nicht ausschließlich auf Absolvent:innen oder Berufseinsteiger:innen.

Generell bleibt abzuwarten, für wen sich die Veränderungen durch KI wie auswirken werden. Es bleibt zu hoffen, dass der Wandel durch geeignete Maßnahmen für mehr Fairness auf dem Arbeitsmarkt sorgt und bestehende Ungleichheiten nicht weiter verfestigt.

Lass uns deine Meinung zu KI und den Folgen für Beschäftigte gerne in den Kommentaren wissen!


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