Human Resources
Arbeitgeber:innen können die Belastung von Eltern nicht länger ignorieren

Arbeitgeber:innen können die Belastung von Eltern nicht länger ignorieren

Selina Beck | 02.06.26

Eine aktuelle Studie zeigt: Betreuungsengpässe, Mental Load und Dauerstress prägen den Alltag vieler Familien. Besonders Mütter sind betroffen. Wie Unternehmen jetzt mit flexiblen Arbeitsmodellen punkten können.

Vier von fünf Familien in Deutschland fühlen sich im Alltag mental belastet – auch aufgrund ihrer Arbeitssituation. Das zeigt eine aktuelle repräsentative Studie der R+V Versicherung.

Alltagsstress, Mental Load, wirtschaftliche Unsicherheit und fehlende Betreuungsangebote setzen Familien in Deutschland zunehmend unter Druck. 80 Prozent der befragten Eltern gaben an, im Alltag unter einer spürbaren mentalen Belastung zu leiden.



Mütter zahlen einen hohen Preis:
30.000 Euro Einkommen weniger nach der Geburt

Eine Frau sitzt vor ihrem Laptop mit einem Kind auf dem Schoß
© Yan Krukau – Pexels


Frauen besonders betroffen

Die Belastung trifft insbesondere Mütter. Eine Analyse des Statistischen Bundesamts zur Verteilung von Erwerbs- und Care-Arbeit bei Eltern mit Kindern unter drei Jahren zeigt, dass Frauen weiterhin den deutlich größeren Anteil an Sorgearbeit übernehmen. Diese ungleiche Verteilung wirkt sich nicht nur auf die aktuelle Belastungssituation aus, sondern häufig auch langfristig auf Karrierechancen und die spätere Altersvorsorge.

Familienfreundlichkeit wird zum Wettbewerbsfaktor

Während 91,4 Prozent der Väter mit minderjährigen Kindern erwerbstätig sind, liegt die Erwerbsquote von Müttern mit Kindern unter 18 Jahren bei 71,2 Prozent. Ein wesentlicher Grund dafür sind weiterhin fehlende Betreuungsmöglichkeiten. Allein im vergangenen Jahr fehlten bundesweit rund 300.000 Kitaplätze für Kinder unter drei Jahren.

Für Unternehmen wird die besondere Lebenssituation von Familien zunehmend zu einem wichtigen Faktor bei der Gewinnung und Bindung von Fachkräften. Flexible Arbeitszeiten, Homeoffice-Möglichkeiten und familienfreundliche Unternehmenskulturen können dabei entscheidende Vorteile im Wettbewerb um qualifizierte Mitarbeitende schaffen.

Hohe mentale Belastung im Alltag

Die Ergebnisse der Studie verdeutlichen das Ausmaß der Belastung: 27 Prozent der befragten Eltern geben an, sich sehr stark mental belastet zu fühlen. Insgesamt berichten 80 Prozent von einer spürbaren psychischen Belastung im Alltag.

Die Video-Dokumentation lässt Betroffene sprechen, © R + V Versicherung

Besonders verbreitet ist das Gefühl, ständig an alles denken zu müssen. Dies geben 78 Prozent der Befragten an. Bei den Frauen liegt dieser Wert sogar bei 89 Prozent. Darüber hinaus berichten mehr als 60 Prozent von Dauerstress, fehlender Zeit für sich selbst und Erschöpfung.

Für die repräsentative Studie wurden im April 1.000 Familien mit Kindern unter 18 Jahren befragt.

Was Eltern hilft

Die betroffenen Eltern gaben in der Studie an, dass sie als Entspannungsmaßnahme einen Spaziergang machen, Musik hören oder Essen gehen. Über 80 Prozent finden Gespräche in der Familie und im Freundeskreis als hilfreich.

Gleichzeitig sehen viele Eltern politischen Handlungsbedarf. Drei von vier Befragten wünschen sich stärkere Unterstützung durch staatliche Institutionen, insbesondere durch das Bildungs- und Gesundheitssystem. 72 Prozent geben zudem an, dass passende Hilfsangebote für ihre individuelle Situation fehlen.

Die R+V Versicherung stellt auf ihrer Informationsplattform verschiedene Unterstützungsangebote für Familien bereit. Dazu gehören praktische Alltagstipps, Achtsamkeitsübungen sowie Hinweise auf regionale Hilfsangebote.


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