Human Resources
KI im Recruiting-Prozess? HR-Branche bleibt skeptisch

KI im Recruiting-Prozess? HR-Branche bleibt skeptisch

Selina Beck | 29.07.26

Jede zweite Bewerbung entsteht mit KI. Trotzdem wollen HR-Fachkräfte die Einstellungsentscheidung nicht an KI abgeben. Das zeigt eine neue Studie von Tellent.

Der Arbeitsmarkt verändert sich durch KI-Tools wie ChatGPT, Claude und Gemini rasant. Mit ihrem zunehmenden Einsatz werden jedoch auch die Herausforderungen der Technologie immer deutlicher, etwa mögliche Verzerrungen bei der automatisierten Bewertung von Bewerbungen oder der Wegfall von Arbeitsplätzen.

So zeigt eine aktuelle Studie der KI-Plattform i10x.ai, dass KI-gestützte Bewerbungs-Screenings identische Kandidat:innen allein aufgrund des Schreibstils ihres Lebenslaufs unterschiedlich bewerten können. Der größte Unterschied bei der gleichen Person mit identischen Qualifikationen lag im Test bei 42 Prozentpunkten bei der Einstellungsrate. Lebensläufe, die mit Gemini erstellt wurden, erzielten dabei durchschnittlich die höchsten Einstellungsraten, während Claude die Bewerbungen am strengsten bewertete.


Gleiche Bewerbung, unterschiedliche KI-Entscheidung:

Die Risiken automatisierter Bewerbungsbewertungen

Ein Mann sitzt zweifelnd in einem Bewerbungsgespräch
© RDNE Stock project – Pexels


Recruiting mit KI? Viele Unternehmen zögern noch

Jede zweite Bewerbung entsteht inzwischen mit Unterstützung von KI. Aufseiten der HR-Branche überwiegt jedoch weiterhin die Skepsis, wie eine aktuelle Studie der HR-Plattform Tellent zeigt. Viele Unternehmen stehen beim Einsatz von KI im Recruiting noch am Anfang. Zwar sehen Personaler:innen die Technologie als Chance, administrative Aufgaben zu erleichtern, datenbasierte Personalentscheidungen werden jedoch nach wie vor kritisch betrachtet – und das auch von Bewerber:innen.

Für die YouGov-Studie im Auftrag von Tellent wurden Ende April 390 Personen befragt, die sich innerhalb der vergangenen zwölf Monate aktiv beworben hatten. Zusätzlich nahmen rund 270 HR-Mitarbeitende teil, darunter 224 Recruiter. Tellent CEO Moritz Kothe ordnet die Ergebnisse so ein:

Die Zukunft liegt nicht im Ersatz menschlicher Einschätzung, sondern in besseren, konsistenten Entscheidungsgrundlagen.

Viele Unternehmen stehen beim KI-Einsatz noch am Anfang

Den größten Zeitaufwand sehen HR-Fachkräfte mit 38 Prozent in der Vorauswahl passender Kandidat:innen. Dahinter folgen die Kommunikation mit Bewerber:innen (33 Prozent) sowie die Erstellung und Veröffentlichung von Stellenanzeigen (29 Prozent). Entsprechend wünschen sich 52 Prozent der Personaler:innen Unterstützung durch KI bei administrativen Aufgaben. 45 Prozent erhoffen sich zudem eine Zeitersparnis bei der Vorauswahl von Bewerbungen.

Dass KI dabei bereits entlasten kann, zeigt der Blick auf Unternehmen, die die Technologie regelmäßig nutzen: 68 Prozent berichten von einer signifikanten Entlastung im Arbeitsalltag. Trotzdem steckt der Einsatz von KI im Recruiting vielerorts noch in den Anfängen. Nur sieben Prozent der Unternehmen haben KI bereits fest in ihre Recruiting-Prozesse integriert. 35 Prozent suchen noch nach passenden Lösungen, während 29 Prozent bislang vollständig auf KI-Tools im Recruiting verzichten.

So nutzen Bewerber:innen KI

Für viele Bewerber:innen gehören KI-Tools inzwischen selbstverständlich zum Bewerbungsprozess. Jede:r Zweite nutzt sie für die Erstellung oder Optimierung des Anschreibens, 41 Prozent für den Lebenslauf und 34 Prozent zur Vorbereitung auf Vorstellungsgespräche. Zudem sagen 73 Prozent der Personaler:innen, dass der zunehmende KI-Einsatz die Vergleichbarkeit von Bewerbungen erschwert.



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© Vitaly Gariev – Unsplash


KI unterstützt – entscheiden sollen Menschen

Ob ein:e Bewerber:in eingestellt wird, entscheiden weiterhin Menschen. 88 Prozent der HR-Fachkräfte wollen die finale Einstellungsentscheidung auch künftig nicht an KI abgeben. Nur drei Prozent der Befragten geben an, dass das Recruiting in ihrem Unternehmen derzeit überwiegend auf KI-gestützten Datenanalysen basiert.

Auch Bewerber:innen wünschen sich, dass am Ende ein Mensch über ihre Einstellung entscheidet. Viele sorgen sich vor allem um mangelnde Transparenz, algorithmische Vorurteile und fehlende Empathie bei KI-gestützten Bewertungen. Für Moritz Kothe sollte KI das Recruiting deshalb nicht ersetzen, sondern Personalverantwortliche dabei unterstützen, Entscheidungen strukturierter, nachvollziehbarer und fairer zu treffen.


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