Human Resources
Gleiche Bewerbung, unterschiedliche KI-Entscheidung: Die Risiken automatisierter Bewerbungsbewertungen

Gleiche Bewerbung, unterschiedliche KI-Entscheidung: Die Risiken automatisierter Bewerbungsbewertungen

Selina Beck | 30.06.26

Bewerber:innen können bis zu 42 Prozentpunkte Hire Rate verlieren – abhängig vom KI-Tool, das ihren Lebenslauf geschrieben hat. Eine neue Studie zeigt die Risiken der KI-Bewerbungsbewertungen.

Eine neue Studie der KI-Plattform i10x.ai warnt: KI-gestützte Bewerbungs-Screenings können identische Kandidat:innen unterschiedlich bewerten – und zwar nur wegen des Schreibstils des Lebenslaufs. Bei der Studie wurden 100 realistische Bewerber:innenprofile aus zwölf Branchen generiert. Dabei wurde jedes Profil mit einer passenden Stellenausschreibung verbunden und in vier unterschiedliche Lebenslaufversionen umgewandelt: geschrieben mit den KI-Tools ChatGPT, Claude, Gemini und Grok im Hintergrund. Die Fakten waren die gleichen, nur die Sprache und der Schreibstil unterschieden sich. Im nächsten Schritt wurden die Lebensläufe von diversen KI-Modellen bewertet.

Das Ergebnis zeigt die Risiken der KI-Entscheidungen: Der größte Unterschied bei der gleichen Person mit denselben Qualifikationen lag bei 42 Prozentpunkten bei der Einstellungsrate. Zudem sollten die HR-Abteilungen darauf achten, dass in automatisierten Recruiting-Prozessen ein „vielleicht“ häufig wie eine Absage wirkt. Wenn ein:e Kandidat:in nicht eindeutig als „einzustellen“ gekennzeichnet wird, schafft es die Bewerbung oft nicht mehr zu einem Recruiter.

KI-Recruiting benötigt menschliche Kontrolle

Die Analyse führt damit zu der Frage, ob sich die KI-Tools für die Recruiting-Prozesse nur auf die Qualifikationen der Kandidat:innen beziehen oder ob sie auch auf die unterschiedlichen Stile der unterschiedlichen KI-Tools und -Modelle im Hintergrund eingehen. Die Ergebnisse zeigen, dass einzelne KI-Tools bestimmte Lebenslaufstile systematisch bevorzugen oder benachteiligen. So erzielten Lebensläufe, die von Gemini geschrieben wurden, durchschnittlich die besten Einstellungsraten. Claude hingegen fiel als besonders strenger Bewertender auf.

Anhand der Studie wird deutlich, was in vielen HR-Abteilungen bereits Standard ist: KI-Screening sollte nicht ohne menschliche Kontrolle und transparente Prozesse genutzt werden.


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© Alex Knight – Pexels


Das Research Team von i10x.ai sieht eine Inkonsistenz bei KI-Recruiting-Prozessen:

Wir haben nicht getestet, ob KI fair bewertet. Wir haben getestet, ob KI konsistent bewertet. Die Antwort lautet: nein. Dieselbe Person, dieselben Qualifikationen, dieselbe Rolle – und dennoch ein Unterschied von 42 Prozentpunkten in der Hire Rate. Das ist kein technisches Detail. Das ist eine Frage der Fairness.

Damit zeigt sich erneut, dass der Einsatz von KI im Bewerbungsprozess sowohl aufseiten der Bewerbenden als auch bei HR Teams in klaren Strukturen erfolgen sollte, die den Besonderheiten unterschiedlicher KI-Modelle und -Tools Rechnung tragen. HR Teams sollten konsequent auf eine einheitliche KI-Lösung zur Analyse setzen, unter menschlicher Supervision. Bewerber:innen tun gut daran, sich nicht zu sehr auf KI-Optimierungen zu verlassen, die sie nicht minutiös selbst überprüfen; sonst drohen Lebenslauf und Bewerbung nicht zu den Recruitern durchzukommen. Individuelle und innovative Bewerbungen können als Experiment aber Erfolg haben. Auch dabei kann KI unterstützen. Erfahre bei unserem Digital Bash noch mehr zum Thema.

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