Human Resources
Wachstumsproblem Fachkräftemangel: 3 von 4 Unternehmen verfehlen ihre Ziele

Wachstumsproblem Fachkräftemangel: 3 von 4 Unternehmen verfehlen ihre Ziele

Marié Detlefsen | 11.09.26

Fehlende Fachkräfte bremsen Deutschlands Unternehmen beim Erreichen ihrer Geschäftsziele aus. Immer mehr Firmen suchen deshalb international nach Personal – doch genau dort warten neue rechtliche und organisatorische Herausforderungen.

Es geht längst nicht mehr nur um unbesetzte Stellen, lange Bewerbungsverfahren oder Recruiter, die wochenlang nach passenden Kandidat:innen suchen. Der Fachkräftemangel wirkt sich inzwischen direkt auf die Geschäftsentwicklung aus. Das zeigt eine neue Untersuchung von Remote unter 500 HR- und Unternehmensverantwortlichen in Deutschland. Demnach geben drei von vier Befragten (konkret 75 Prozent) an, in den vergangenen zwölf Monaten mindestens ein wichtiges Unternehmensziel nicht erreicht zu haben, weil die benötigten Fachkräfte fehlten.

Dabei kann es um ganz unterschiedliche Vorhaben gehen. Eine Produkteinführung verzögert sich, eine Expansion wird verschoben oder ein geplantes Umsatzziel bleibt außer Reichweite. Der Engpass sitzt damit nicht mehr ausschließlich in der Personalabteilung. Er erreicht die Führungsetage, die Produktentwicklung und letztlich die Bilanz.

Der Fachkräftemangel wird zum Wachstumshemmnis

Wie schwierig die Lage aus Sicht der Unternehmen geworden ist, zeigt die Studie: 81 Prozent der Befragten sagen, dass es heute schwieriger sei, vor Ort qualifizierte Fachkräfte zu finden als noch vor einem Jahr. Das erklärt, weshalb Unternehmen ihren Suchradius vergrößern. Wer bestimmte Kompetenzen auf dem heimischen Arbeitsmarkt nicht mehr findet, schaut zunehmend ins Ausland.

38 Prozent der Befragten haben deshalb ihre Suche nach Fachkräften in anderen Ländern bereits verstärkt. Weitere 36 Prozent geben an, ihre Rekrutierung auf zusätzliche internationale Märkte ausgeweitet zu haben. Das Ausland wird damit für viele Unternehmen als wichtiger Strang der Personalstrategie betrachtet.

Und offenbar ist das Potenzial noch deutlich größer, denn 82 Prozent der Befragten würden international noch stärker einstellen, wenn eine Beschäftigung im Ausland ähnlich unkompliziert und risikoarm möglich wäre wie eine Einstellung im eigenen Land.

Auslands-Recruiting als nächster Schritt der Fachkräftesuche

Sobald ein Unternehmen eine Person in einem anderen Land beschäftigt, können neue Fragen entstehen. Welches Arbeitsrecht gilt? Wie wird das Gehalt korrekt abgerechnet? Welche Melde- und Steuerpflichten müssen beachtet werden? Und wer stellt sicher, dass das Beschäftigungsmodell tatsächlich den Vorschriften des jeweiligen Landes entspricht?

Gerade bei internationalen Teams kann aus einer Personalentscheidung deshalb schnell eine administrative Aufgabe werden. Besonders deutlich wird das bei Unternehmen, die mit Auftragnehmer:innen oder Freelancern arbeiten. Von diesen Firmen berichten 99 Prozent, dass sie in den vergangenen 24 Monaten mit entsprechenden rechtlichen, administrativen oder Compliance-Herausforderungen konfrontiert waren. Aber was müssen Unternehmen tun, um für internationale Talente attraktiv zu sein? Das erfährst du im folgenden Artikel:


Mit diesen Recruiting-Strategien erreichen Unternehmen Talente aus dem Ausland

Verweis auf weiteren Artikel: Mit diesen Recruiting-Strategien erreichen Unternehmen Talente aus dem Ausland
© Workeer


Der Fachkräftemangel ist längst eine Management-Frage

Zudem setzen Firmen laut der Studie auf alternative Beschäftigungsformen: 86 Prozent der Unternehmen, die Auftragnehmer:innen oder Freelancer einsetzen, haben deren Nutzung innerhalb der vergangenen zwei Jahre ausgeweitet. Der Trend geht also klar in Richtung größerer Flexibilität.

Dabei scheint es nicht allein um die Hoffnung auf geringere Personalkosten zu gehen. Laut Studie nennen 30 Prozent der Unternehmen, die den Einsatz von Auftragnehmer:innen ausgeweitet haben, den Umgang mit sich verändernden arbeitsrechtlichen Vorgaben als wichtigsten Grund dafür. Flexible Beschäftigungsmodelle werden damit zunehmend als strategisches Instrument verstanden. Sie können Unternehmen dabei helfen, auf einen Arbeitsmarkt zu reagieren, auf dem klassische Wege der Personalgewinnung an Grenzen stoßen.

Dies ist auch der Grund, warum remote arbeitende Fachkräfte aus dem Ausland immer beliebter werden. Dadurch muss sich ein Unternehmen nicht zwangsläufig auf den Pool an Bewerber:innen beschränken, die bereit sind, ihren Wohnort zu wechseln oder täglich ins Büro zu kommen. Remote-Arbeit und internationale Beschäftigungsmodelle können den Kreis potenzieller Mitarbeiter:innen erheblich vergrößern. Im Durchschnitt erwarten Unternehmen daher, dass bis Ende 2026 bereits 57 Prozent ihrer Neueinstellungen außerhalb des Landes erfolgen werden, in dem ihr Unternehmen hauptsächlich tätig ist. Job van der Voort, Mitgründer und CEO von Remote, sagt zu dieser Entwicklung:

Immer mehr deutsche Unternehmen stellen im Ausland ein, weil sie die benötigten Kompetenzen im eigenen Land nicht finden. Doch die richtige Person zu finden, ist nur der erste Schritt. Unternehmen müssen sie schnell einstellen, korrekt bezahlen und die jeweils geltenden arbeitsrechtlichen Vorgaben an ihrem Wohnort einhalten. 82 Prozent der Befragten sagen, dass sie international stärker einstellen würden, wenn dies genauso einfach und risikoarm wäre wie eine lokale Einstellung. Das zeigt eine deutliche Lücke zwischen dem, was Unternehmen erreichen wollen, und den Strukturen, die ihnen heute dafür zur Verfügung stehen. Wer diese Lücke zuerst schließt, kann sich einen erheblichen Vorteil verschaffen.

Die Bereitschaft ist vorhanden. Was vielfach noch fehlt, sind Strukturen, mit denen diese Modelle genauso unkompliziert funktionieren wie eine klassische Einstellung im Inland. Genau darin dürfte eine der entscheidenden Aufgaben der kommenden Jahre liegen: Unternehmen müssen ihren Talentpool vergrößern, ohne dabei die rechtliche und organisatorische Kontrolle zu verlieren. Und wer seine Geschäftsziele erreichen will, kann es sich zunehmend weniger leisten, die Personalfrage erst dann zu lösen, wenn das nächste Projekt bereits vor der Tür steht.


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