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Büroalltag
Rückblick aufs Arbeitsjahr 2020: Über fehlende Erholung, bessere Führungsstile und hybrides Arbeiten
© Kelly Sikkema - Unsplash

Rückblick aufs Arbeitsjahr 2020: Über fehlende Erholung, bessere Führungsstile und hybrides Arbeiten

Michelle Winner | 04.12.20

Das Xing-Coronabarometer zeigt, wie sich die Arbeitswelt in diesem verrückten Jahr verändert hat - sowohl zum Positiven als auch zum Negativen.

Bereits seit Mai 2020 führt die Karriereplattform Xing regelmäßig eine Befragung zur aktuellen Stimmung und Arbeitssituation während der Coronapandemie durch. Die Auswertung wird als Coronabarometer geteilt und die aktuellen Ergebnisse lassen inzwischen einen Rückblick auf die vergangenen, herausfordernden Monate zu. Neben weniger Urlaub und hybriden Arbeitsmodellen hat sich vor allem auch der Führungsstil in vielen Unternehmen geändert.

Weniger Urlaub und Coronablues lassen die Stimmung sinken

Befragt wurden im Rahmen des Coronabarometers knapp 1.300 Xing-User aus der DACH-Region. Wenig überraschend empfinden 71 Prozent der Befragten aus Deutschland das vergangene Jahr als herausfordernder als die Jahre zuvor. Als Grund hierfür sieht Xing unter anderem, dass 74 Prozent der User weniger Urlaub genommen haben. Da viele Reisen abgesagt werden musste, wurde teilweise direkt der ganze Urlaub abgeblasen und stattdessen weitergearbeitet. Dadurch fühlen sich die Befragten weniger erholt, was wiederum dazu führt, dass die Gesamtstimmung sinkt. Nur 44 Prozent der Arbeitnehmer geben an, dass es ihnen gut oder sehr gut geht. Im Mai 2020 waren es noch 52 Prozent.

Doch trotz aller Probleme und der fehlenden Erholung, bleibt der Blick in die Zukunft positiv. 55 Prozent bleiben was die nächsten Monate angeht optimistisch, was unter anderem mit der Gewöhnung an die neue Arbeitssituation sowie der Aussicht auf einen Impfstoff zusammenhängen kann. Insgesamt bewerten 57 Prozent das Jahr 2020 sogar als zufriedenstellend – trotz aller Schwierigkeiten.

Home Office oder Büro? Hybrid scheint die Antwort zu sein

Während im Mai noch 47 Prozent der Befragten ausschließlich im Home Office tätig waren, sind es im November nur noch 32 Prozent – trotz Lockdown Light. Viele Unternehmen lassen inzwischen auch wieder in Präsenz arbeiten, vor allem in Hybridform. Und so geben knapp 40 Prozent an, dass sie derzeit teilweise im Büro und teilweise in den eigenen vier Wänden arbeiten. Im Mai arbeiten lediglich 24 Prozent hybrid. Daraus lässt sich schlussfolgern, dass hybrides Arbeiten nicht nur funktioniert, sondern sich auch in Zukunft durchsetzen könnte. Doch auch wenn viele sich auch nach Corona die Möglichkeit aufs Home Office wünschen, fehlt ihnen etwas bei der Arbeit in den eigenen vier Wänden. Am meisten vermisst werden:

  • die sozialen Kontakte (73 Prozent)
  • die räumliche Trennung von Arbeit und Freizeit (44 Prozent)
  • ein ergonomischer Arbeitsplatz (37 Prozent)

Neuer Führungsstil durch Corona

Von den Befragten ohne Führungsverantwortung geben über 25 Prozent an, dass sich der Führungsstil ihrer Vorgesetzten geändert hat. Dies war, angesichts der herausfordernden Situation, auch unbedingt nötig. Zu diesen Veränderungen im Führungsstil gehören mehr Entscheidungsfreiheit und Verantwortung für die Mitarbeiter (32 Prozent), weniger Kommunikation mit der Führungsetage (30 Prozent), dafür jedoch bessere Erreichbarkeit (25 Prozent) und mehr Empathie seitens der Vorgesetzten (26 Prozent). Und auch die Führungskräfte selbst sehen Veränderungen in ihrem Führungsstil, wie 40 Prozent der Befragten sagen. So versuchen sie:

  • die Mitarbeiter zu motivieren (86 Prozent)
  • Verantwortungen abzugeben und Entscheidungsfreiraum zu lassen (73 Prozent)
  • klare Ziele zu setzen (69 Prozent)
  • Visionen und Strategien zu entwickeln (59 Prozent)

Übrigens: Während jeder dritte Vorgesetzte sagt, er würde seine Mitarbeiter im Home Office weniger kontrollieren, teilten lediglich 20 Prozent der Arbeitnehmer diesen Eindruck. Zehn Prozent der Führungskräfte geben sogar an, dass sie ihre Mitarbeiter mehr kontrollieren. Ein No-Go für Sabrina Zeplin, Geschäftsführerin bei Xing:

Wir erleben derzeit einen echten Struktur- und Paradigmenwechsel, der auch ein neues Führungsverständnis voraussetzt. Es braucht Inspiration statt Kontrolle. Aufgabe der Führungskräfte ist es, Nähe trotz Distanz im Homeoffice, sowie gute Mitarbeitererfahrungen zu schaffen, um die besten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu bekommen, zu halten und zu inspirieren.

Coronafazit positiver als gedacht

Insgesamt scheinen die meisten Arbeitgeber und -nehmer die Herausforderungen der Coronazeit gemeinsam gemeistert zu haben. Die Offenheit für hybride Arbeitsmodelle ist gestiegen und auch der Führungsstil hat sich in vielen Unternehmen zum Positiveren gewendet. Doch Probleme und Herausforderungen gibt es trotzdem noch: Gerade das Miteinander am Arbeitsplatz fehlt vielen Arbeitnehmern. Informelle, digitale Zusammenkünfte über Zoom und Co. können hier helfen, den Kontakt zu den Kollegen trotzdem aufrechtzuerhalten. Selbst eine Weihnachtsfeier als Teambuilding-Maßnahme kann coronakonform stattfinden.

Noch wichtiger ist es jedoch, dass die Mitarbeiter sich erholen. Arbeitgeber könnten beispielsweise darauf bestehen oder ihre Angestellten dazu anhalten, ihren Urlaub zu nehmen – auch wenn es derzeit kaum Reisemöglichkeiten gibt. Die Ressourcen müssen aufgefüllt werden, denn nur so klappt auch ein guter Start ins neue Jahr, das zunächst auch weiterhin durch Corona geprägt sein wird. Doch wenn Arbeitnehmer und -geber weiterhin am gleichen Strang ziehen, kann auch diese Zeit gemeistert werden.