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Unternehmenskultur
Detektive im Home-Office-Einsatz: Keine Chance für Blaumacher
© Craig Whitehead - Unsplash

Detektive im Home-Office-Einsatz: Keine Chance für Blaumacher

Caroline Immer | 30.10.20

Viele Menschen arbeiten aufgrund der Coronpandemie aktuell im Home Office. Um sicherzugehen, dass dort auch tatsächlich gearbeitet wird, heuern manche Arbeitgeber bei Verdachtsfällen einen Detektiv an. Ist das wirklich eine gute Idee?

Über ein halbes Jahr sind Mitarbeitende nun schon den Belastungen der Coronapandemie sowie oftmals auch der Umstellung aufs Home Office ausgesetzt. Für einen Großteil war diese plötzliche Veränderung des Arbeitsalltags alles andere als einfach: Kein geeigneter Platz zum Arbeiten, die oft schwierige Vereinbarkeit von Arbeit und Familie, und, für viele, Motivationsprobleme. Denn ohne den sozialen Druck, den uns die Arbeit im Büro wohl oder übel bietet, kann die Konzentration und der Antrieb leiden. Auf der anderen Seite fällt es vielen Arbeitnehmenden schwer, auch wirklich Feierabend zu machen. Oftmals wird im Home Office noch bis spät in den Abend oder sogar am Wochenende gearbeitet. Trotz möglicherweise mangelnder Motivation ist es also unangebracht, den Stereotyp vom faulen Arbeitenden im Home Office unbedacht zu verbreiten.

Coronapandemie erhöht die Nachfrage nach Detektiven

Dennoch greifen einige Arbeitgebende nun zu drastischen Maßnahmen, um Faulenzern im Home Office auf die Spur zu kommen: Sie heuern einen Detektiv an. Wie ein solcher genau vorgeht, erklärt der Detektiv Norbert Idel gegenüber karriere.de.

Angeordnet wird die Detektivarbeit meistens vom Chef, wenn dieser den Verdacht schöpft, ein Mitarbeitender könnte sich statt zu arbeiten möglicherweise ganz anders beschäftigen – oder sich vielleicht sogar im Urlaub befinden. Mögliche Anzeichen können zum Beispiel stark verspätete Rückmeldungen auf Anrufe und Mails sein. Zwar wurden Detektive wie Idel auch schon lange vor der Coronpandemie angeheuert, um Arbeitsverweigerern auf die Schliche zu kommen. Doch die aktuelle Verlegung der Arbeit in die eigenen vier Wände macht Betrügern ein leichtes Spiel – und hat die Nachfrage nach Detektiven erhöht. Für Idel hat aktuell jede dritte seiner Anfragen mit Angestellten bei der Heimarbeit zu tun.

Die Nachforschung muss begründet sein

Detektiv Idel erklärt gegenüber karriere.de, wie sein Arbeitsalltag momentan aussieht. Nicht jede der Home-Office-Anfragen, die den Detektiv erreichen, nimmt er auch an. Etwa ein Drittel lehnt er ab. Für eine Nachprüfung muss nämlich auch ein konkreter Verdacht vorliegen. Erst dann kann Idel mit seiner Arbeit beginnen. Dazu gehören zum Beispiel Nachfragen bei Nachbarn, die Beobachtung des Hauses und so weiter. Doch die Detektivarbeit hat auch ihre Grenzen: sich unbemerkt Zutritt zum Haus zu verschaffen, ist keine Option und wäre illegal. Von außen zu beurteilen, ob der Mensch drinnen auch tatsächlich arbeitet, ist natürlich nicht immer einfach. Doch in 80 Prozent der Fälle gelingt Idel das Ertappen der Blaumacher. Das kann für den Mitarbeitenden dann zu einer Abmahnung, einer Kündigung oder auch einem Gerichtsverfahren führen.

Offene Kommunikation statt misstrauendes Arbeitsklima

Auch wenn sich die Verdächtigungen von Idels Kunden oftmals bewahrheiten: Repräsentativ für die breite Masse sind diese Fälle sicherlich nicht. Und je mehr Detektive eingesetzt werden, desto wahrscheinlicher ist es auch, dass das Verfahren an größerer sozialer Akzeptanz gewinnt – und dann vielleicht auch Fällen, deren Beweislage eher dünn ist, nachgegangen wird.

Selbst in Situationen, in welchen der Verdacht der Arbeitsverweigerung tatsächlich gerechtfertigt ist, bleibt es fragwürdig, ob Spionage wirklich die beste Option ist. Denn eine übermäßige Überwachung der Mitarbeitenden kann das Arbeitsklima nachhaltig schädigen. Darüber hinaus können die Gründe für eine mangelnde Motivation am Arbeitsplatz vielfältig sein: Unter- oder Überforderung aber zum Beispiel auch schwerwiegende psychische und/oder private Probleme. Einem Mitarbeitenden ohne den Versuch einer klärenden Kommunikation nachzuspionieren, scheint moralisch grenzwertig. Die Anheuerung eines Detektivs sollte daher, wenn überhaupt, als letzter Ausweg in Frage kommen.