Brauchen wir ein Recht auf Homeoffice?

Die SPD möchte das Homeoffice sowie auch mobiles Arbeiten gesetzlich regeln. Ist das überfällig oder überflüssig? Wir haben uns umgehört.

© Nathan Riley - Unsplash

Die SPD fordert in ihrem am Sonntag beschlossenen Strategiepapier einen Rechtsanspruch auf Homeoffice. Allerdings scheiden sich bei dem Thema die Geister. Brauchen wir wirklich ein Recht auf Heimarbeit? Wir haben uns mit Experten aus der Digitalbranche unterhalten.

Studien belegen: Homeoffice steigert Produktivität und freiwillige Mehrarbeit

Man spart schon eine Menge Zeit ein, wenn man im Homeoffice arbeitet und den Arbeitsweg nicht auf sich nehmen muss. Mal eben zum Einkaufen, mit dem Hund eine längere Runde gehen, Essen kochen, Kinder aus dem Kindergarten abholen – die Flexibilität, die Heimarbeit uns zusätzlich bietet, passt perfekt in unseren heutigen Lebensalltag, in dem alles schneller zu gehen scheint als noch vor wenigen Jahrzehnten. Obwohl viele von uns, um arbeiten zu können, lediglich einen PC sowie einen Internetanschluss benötigen, wird das Homeoffice in Deutschland weit weniger genutzt als im EU-Schnitt. In den meisten Fällen liegt das an den Arbeitgebern, die sich hier noch rückständig zeigen. Ist Heimarbeit vertraglich nicht geregelt, liegt die Entscheidungsmacht bei ebenjenen. Doch diese fürchten häufig den Kontrollverlust und dass die Mitarbeiter Zuhause weniger arbeiten würden als im Büro. Doch das ist nicht der Fall: So zeigt eine über zwei Jahre angelegte Studie aus Stanford, dass die Produktivität im Homeoffice deutlich gesteigert und Fehlzeiten gesenkt werden konnten. Eine Studie der Universität Basel hingegen hat herausgefunden, dass Heimarbeiter sogar mehr arbeiten als ihre im Büro anwesenden Kollegen: 2,5 Überstunden haben die Mitarbeiter im Homeoffice pro Woche im Schnitt gemacht.

Nichtsdestotrotz sind die Themen Homeoffice und Mobiles Arbeiten von Fall zu Fall unterschiedlich zu bewerten, da nicht jeder Mitarbeiter dafür geeignet ist. Denn während die einen im Homeoffice mehr schaffen als im Büro, nutzen die anderen die Zeit zum Prokrastinieren. Zum anderen gibt es ganze Berufsgruppen, denen ein potentielles Recht auf Homeoffice nicht zuteil werden wird. Davon betroffen wären unter anderem Lieferanten, Produktionsmitarbeiter oder Handwerker. Hier müssten dann andere Ausgleichsregelungen getroffen werden.

Brauchen wir also ein Recht auf Homeoffice oder sollte es jedem Unternehmen freistehen, diese Belange selbst zu regeln? Wir haben uns umgehört und mit Arbeitnehmern sowie Arbeitgebern aus der Digitalbranche gesprochen, die sich mit dem Thema auch in der Praxis auseinandersetzen, und sie zum Für und Wider befragt.

Brauchen wir ein Recht auf Homeoffice?

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Nicola Funk - Marketingleitung Deutschland, Stadium Deutschland GmbH


"Ich arbeite gern im Büro und bin auch gern physisch anwesend, um mich einfacher mit meinen Kollegen abzusprechen und den Office Vibe mitzubekommen. Ich kann mir daher persönlich nicht vorstellen 100% im Homeoffice zu arbeiten. Allerdings finde ich großartig, dass Stadium als typisch skandinavischer Arbeitgeber Homeoffice anbietet und unterstützt. Ich nutze daher auch ab und zu Homeoffice, wenn ich wichtige Außer-Haus-Termine am Nachmittag habe, Handwerkertermine anstehen oder ich merke, dass eine Erkältung im Anflug ist, ich mich aber noch als arbeitsfähig und -willig einschätze. Für mich bedeutet Homeoffice dadurch mehr Flexibilität zu haben und stressfreier durchs Leben zu gehen. Ob ich es jedoch als Gesetz implementieren würde, finde ich schwierig zu beantworten, denn nicht jeder Job ist Homeoffice-fähig und eine Gleichberechtigung innerhalb des Unternehmens und der einzelnen Teams sowie auch der reibungslose Ablauf des Tagesgeschäfts müssen sichergestellt sein."
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Über Tina Bauer

Tina Bauer

Studierte Sozialwissenschaftlerin mit Hang zu Online und Marketing. Seit 2014 als Redakteurin & Content Managerin bei OnlineMarketing.de.

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