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Digitalpolitik
Nach Fake-News-Vorwurf: Google stellt Werbung in Russland ein

Nach Fake-News-Vorwurf: Google stellt Werbung in Russland ein

Larissa Ceccio | 04.03.22

Russland forderte von Google, Anzeigen mit potentiellen Falschinformationen bezüglich der Invasion in der Ukraine zu blockieren.

Google ist derzeit immer noch das wichtigste und umsatzstärkste Werbenetzwerk im digitalen Raum. Eine russische Behörde verlangte nun, dass der Suchmaschinenkonzern keine Anzeigen mehr mit laut eigener Einschätzung falschen Informationen bezüglich der Invasion in der Ukraine ausspielen darf. Darauf reagiert Google nun mit einer kompletten Abschaltung der Werbung in Russland. Dies ist ein Beispiel dafür, welchen Einfluss große Medienplattformen wie Google und Facebook auf das weltpolitische Geschehen haben. Es ist nicht verwunderlich, dass autoritär geführte Staaten die Distributionsmöglichkeiten als Gefahr empfinden können.

Nach ersten Einschränkungen stoppt Google Ads in Russland komplett

Unternehmen wie Goolge und Meta blockierten bereits Plattformen und den Zugang zu den staatlichen russischen Medienunternehmen RT und Sputnik in Europa als Teil einer Sanktionsanordnung der Europäischen Union und schränkten zusätzlich die Ads und Monetarisierung der staatlich gesteuerten Medien ein. Nach Aufforderungen Russlands, bestimmte Anzeigen zu stoppen, unternimmt Google nun drastischere Maßnahmen.

Wie das Wall Street Journal berichtet, wandte sich der russische Kommunikationswächter Roskomnadzor direkt an das Unternehmen und erklärte, dass der zu Google gehörende YouTube-Videodienst Werbekampagnen durchführen würde, „um das russische Publikum falsch zu informieren“. Der Vorwurf lautet, dass diese Maßnahmen „darauf abzielen, eine verzerrte Wahrnehmung aktueller Ereignisse zu erzeugen“. Die Forderung beinhaltet, Anzeigen dieser Art zu blockieren und die Richtlinien zur Anzeigenmoderation zu ändern. Dabei erklärte Roskomnadzor jedoch nicht, dass YouTube andernfalls in Russland blockiert werden würde. Zuvor gab es bereits die Anordnungen von russischer Seite aus, der Konzern solle kontextbezogene Anzeigen mit „falschen Informationen“, die über Google Ads verkauft werden und auf Websites von Drittanbieter:innen ausgespielt werden, stoppen.

Auch die New York Times informierte über Googles Aktion, die Werbemaßnahmen in Russland einzustellen.

Die US-amerikanischen Nachrichtenseite veröffentlicht zudem Googles Statement zum Werbeaus:

Angesichts der außergewöhnlichen Umstände pausieren wir Google-Anzeigen in Russland. Die Situation entwickelt sich schnell und wir werden gegebenenfalls weiterhin Updates veröffentlichen.

Seltene Google-Maßnahme in außergewöhnlicher Situation

Die Erklärung seitens Googles bezüglich Werbeanzeigen in Russland erfolgte am Donnerstagabend. Es ist eine drastische Reaktion des Konzerns, das eigene Werbegeschäft – einschließlich Suche, YouTube und Display Marketing – in einem Land zu pausieren; die laut eigener Aussagen selten vorkommt. Das Tech-Unternehmen hatte sich zuletzt gegenüber Russland eher zurückgehalten, da hier über 100 Mitarbeiter:innen vor Ort tätig sind und die russische Regierung bereits in der Vergangenheit damit gedroht hatte, einzelne Beschäftigte verschiedener Firmen strafrechtlich zu verfolgen, wenn sie gegen Regierungsbeschlüsse verstoßen würden.

Aber nicht nur Google ist betroffen: Seit Beginn der Invasion Russlands in die Ukraine geraten russische Behörden zunehmend in Konflikte mit großen Technologiekonzernen wie Meta, Google und Co., die darum bemüht sind, die derzeitigen Geschehnisse objektiv darzustellen.

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