Digitalpolitik
Als erstes EU-Land: Frankreich verbietet Social Media für unter 15-Jährige

Als erstes EU-Land: Frankreich verbietet Social Media für unter 15-Jährige

Larissa Ceccio | 22.07.26

Frankreich führt als erstes EU-Land ein Social-Media-Verbot für unter 15-Jährige ein. Neue Konten werden ab September blockiert, bestehende Konten folgen Anfang 2027. Doch der Vorstoß ist umstritten. Alle Details zu Regeln, Ausnahmen und Folgen sowie ein Überblick über Social-Media-Verbote weltweit.

Während die Europäische Union noch an einer gemeinsamen Lösung arbeitet, hat Frankreich als erstes EU-Land bereits ein Social-Media-Verbot für unter 15-Jährige beschlossen. Das Verbot betrifft grundsätzlich soziale Netzwerke, sieht jedoch Ausnahmen für bestimmte Funktionen vor. Damit prescht das Land beim Jugendschutz vor. Doch der Vorstoß stößt nicht nur auf Zustimmung.

Kritiker:innen warnen, dass nationale Alleingänge mit unterschiedlichen Altersgrenzen und Kontrollsystemen den Druck auf Plattformen verringern könnten, europaweit einheitliche Jugendschutzmaßnahmen umzusetzen. Social-Media-Plattformen wie Instagram, TikTok oder Snapchat müssten dann je nach Mitgliedstaat unterschiedliche Vorgaben technisch umsetzen. Die EU-Kommission hatte Frankreich deshalb bereits aufgefordert, den Gesetzentwurf an das europäische Regelwerk anzupassen.

Frankreich führt Social-Media-Verbot ab September ein

Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren sollen in Frankreich ab dem neuen Schuljahr keinen Zugang mehr zu sozialen Netzwerken erhalten. Wie die Tagesschau berichtet, stimmte nach dem Senat auch die Nationalversammlung dem Entwurf zu. Präsident Emmanuel Macron begrüßte den Parlamentsbeschluss auf X und erklärte, Frankreich „ebne den Weg in Europa“, um Kinder und Jugendliche besser zu schützen. Das Social-Media-Verbot soll bereits zum neuen Schuljahr gelten. Zuvor muss allerdings noch der französische Verfassungsrat über das Gesetz entscheiden.

Für neue Social-Media-Konten tritt das Gesetz am 1. September 2026 in Kraft. Bestehende Konten von unter 15-Jährigen sollen nach einer Übergangsfrist bis zum 1. Januar 2027 ebenfalls gesperrt werden. Die Betreiber:innen von Plattformen wie Instagram, TikTok oder Snapchat werden verpflichtet, wirksame Verfahren zur Altersverifikation einzuführen.

Zudem wird das bereits bestehende Smartphone-Verbot an Schulen in Frankreich mit dem neuen Gesetz ab dem kommenden Schuljahr auf die Oberstufe ausgeweitet. Ausnahmen, etwa für den Unterricht oder aus medizinischen Gründen, bleiben möglich.

Mit dem Vorstoß kommt Frankreich der Europäischen Union zuvor. Die Europäische Union arbeitet bereits an weiteren Maßnahmen zum Schutz Minderjähriger im Netz. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte vor Kurzem angekündigt, die Empfehlungen eines Expert:innengremiums für ein EU-weites Social-Media-Mindestalter und gestaffelte Altersgrenzen nach der Sommerpause in einen Gesetzesvorschlag der EU-Kommission zu überführen. Diskutiert werden unter anderem Altersgrenzen ab 13 Jahren. Bevor entsprechende EU-Regeln in Kraft treten können, müssen jedoch zunächst die EU-Kommission, das Europäische Parlament und die 27 Mitgliedstaaten zustimmen.

Die EU-Kommission prüft deshalb, ob das französische Gesetz mit dem europäischen Rechtsrahmen vereinbar ist. Hintergrund ist der Digital Services Act, der zentrale Pflichten für große Online-Plattformen EU-weit einheitlich regelt. Nationale Regelungen müssen mit dem europäischen Rechtsrahmen vereinbar sein und dürfen nicht in Bereiche eingreifen, die bereits EU-weit geregelt sind. Frankreich musste den Entwurf daher bereits überarbeiten und stärker mit dem europäischen Regelwerk in Einklang bringen.



EU bereitet Social-Media-Verbot für unter 13-Jährige vor

Smartphone mit Warnhinweis zu den Auswirkungen von Social Media auf die psychische Gesundheit – Symbolbild zur geplanten EU-Altersgrenze für soziale Netzwerke.
© Christopher Ott – Unsplash


Das gilt für Instagram, YouTube und WhatsApp

Das Social-Media-Verbot für unter 15-Jährige betrifft grundsätzlich alle sozialen Netzwerke, darunter Instagram, TikTok, Snapchat, Facebook und X. Ausnahmen gelten für Angebote ohne sozialen Netzwerkcharakter. Reine Bildungsangebote sowie nicht-kommerzielle Bildungs- und Wissenschaftsplattformen bleiben weiterhin zugänglich.

Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren sollen auf den betroffenen Social-Media-Plattformen künftig keine Konten mehr erstellen oder nutzen dürfen. Die Unternehmen, die diese Dienste betreiben, werden verpflichtet, das Alter ihrer Nutzer:innen zu überprüfen und den Zugang für unter 15-Jährige zu verhindern. Bestehende Konten betroffener Nutzer:innen müssen gesperrt oder entfernt werden.

Für YouTube und WhatsApp gelten jedoch Ausnahmen. Unter 15-Jährige dürfen beide Dienste weiterhin nutzen. Das Ansehen von Videos auf YouTube und private Nachrichten über WhatsApp bleiben erlaubt. Für soziale Funktionen wie Kommentare, öffentliche Kanäle oder das Veröffentlichen eigener Beiträge gelten dagegen ebenfalls die neuen Altersbeschränkungen. Deshalb müssen diese beiden Dienste bei den entsprechenden Funktionen prüfen, ob Nutzer:innen die Altersvorgaben erfüllen.

Social-Media-Verbote weltweit im Überblick

Frankreich ist zwar das erste EU-Land, das ein Social-Media-Verbot für unter 15-Jährige verabschiedet hat, steht mit diesem Schritt jedoch nicht allein. Weltweit verschärfen zahlreiche Staaten die Regeln für junge Nutzer:innen. Mashable hat zusammengestellt, welche Länder bereits Social-Media-Verbote eingeführt haben oder entsprechende Gesetze planen. Auf Basis dieser Übersicht haben wir die wichtigsten Entwicklungen zusammengefasst.

Land/RegionAltersgrenzeStatus laut Mashable
Australienunter 16In Kraft seit Ende 2025
Österreichunter 14Gesetzentwurf angekündigt
Brasilienunter 16In Kraft seit März 2026
Kanadaunter 16Gesetzentwurf angekündigt
Dänemarkunter 15Geplant
Europäische Unionunter 13EU-weite Regelung wird diskutiert
Frankreichunter 15Gesetz verabschiedet; neue Konten ab 1. September 2026, bestehende Konten ab Januar 2027 erfasst
DeutschlandVerbot wird geprüft
Griechenlandunter 15Geplant; Inkrafttreten ab 1. Januar 2027 vorgesehen
Indonesienunter 16In Kraft
Malaysiaunter 16In Kraft
Polenunter 15In Planung
Slowenienunter 15Gesetzentwurf angekündigt
Spanienunter 16Gesetzentwurf angekündigt
ThailandDiskussion; bislang keine konkrete Gesetzesinitiative
Türkeiunter 15Gesetz beschlossen
Vereinigtes Königreichunter 16Angekündigt und in Planung

Australien hat Ende 2025 den Anfang gemacht und als erstes Land weltweit ein Social-Media-Mindestalter von 16 Jahren beschlossen. Das Gesetz trat Ende 2025 in Kraft. Inzwischen haben mehrere Länder entsprechende Altersgrenzen eingeführt, darunter Brasilien, Indonesien und Malaysia. Zahlreiche weitere Staaten arbeiten an ähnlichen Regelungen – darunter auch das Vereinigte Königreich, das ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige plant. Auch Deutschland beschäftigt sich mit einem möglichen Verbot, steht bislang jedoch noch am Anfang der politischen Debatte. Frankreich gehört innerhalb Europas damit zu den Ländern, die bei der Regulierung sozialer Netzwerke bereits am weitesten sind.

Unabhängig von der Bewertung des französischen Vorstoßes dürfte die Entscheidung die Debatte über Altersgrenzen für soziale Netzwerke weiter beschleunigen. Mit dem verabschiedeten Gesetz wächst der Druck auf andere EU-Mitgliedstaaten und die Europäische Kommission, gemeinsame Regeln für den Jugendschutz im Netz zu entwickeln.



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