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Sechs, setzen! Sexism Report verteilt schlechte Noten an Instagram, TikTok und Co.
© TikTok, Instagram via Canva

Sechs, setzen! Sexism Report verteilt schlechte Noten an Instagram, TikTok und Co.

Niklas Lewanczik | 12.11.21

Die Frauenrechtsorganisation UltraViolet hat eine Studie samt Report Cards zum Thema Misogynie auf Social Media veröffentlicht. Das erschreckende Ergebnis: Die Plattformen bieten für diverse Gruppen wie Women of Color oder Mitglieder der LGBTQ+ Community keine sichere Umgebung.

Revenge Porn, Frauenhass, Hate Speech gegenüber Transmenschen, Body Shaming und sexuelle Belästigung sind nur einige der schwerwiegenden Probleme, die alle sozialen Medien aufweisen. Gerade die immens großen Social-Media-Plattformen wie Facebook, YouTube, Instagram und TikTok können als Spiegelbild der Gesellschaft gelten. Daher treten einige der dunkelsten Aspekte des Miteinanders sowie ein Mangel an Anstand, Schamlosigkeit und ebenso kriminelle Energie im digitalen Umgang mit Mitmenschen auch dort zahlreich auf.

Die Organisation UltraViolet, die sich für Feminismus und kulturellen Wandel und gegen Sexismus in jeglicher Form einsetzt, untermauert nun in einer Studie, wie feindselig die Umgebung der sozialen Medien insbesondere für Frauen, aber auch andere Menschen verschiedener Hautfarben und unterschiedlicher sexueller Orientierungen ist. Bei der Studie bewertete die Organisation in Zusammenarbeit mit dem Institute for Strategic Dialogue (ISD) verschiedene Social-Plattformen nach dem US-amerikanischen Notensystem – der Harvard University in diesem Fall – für die Report Cards. Von Facebook bis YouTube wird den Plattformen durchweg ein schlechtes Zeugnis ausgestellt.

Instagram mit der schlechtesten Note, auch TikTok überzeugt nicht

Gemeinsam haben UltraViolet und das ISD die Social-Zeugnisse über mehrere Wochen entwickelt. Dabei wurden die Richtlinien der Plattformen sowie die Berichterstattung über diese und ihre Policies miteinbezogen. Nach einer Prüfung der Richtlinien durch UltraViolet hat das ISD diesen basierend auf den Vorschlägen der feministischen Organisation für Policies zum Schutz diverser User-Gruppen eine Punktzahl zwischen null und vier zugeschrieben. Erhält das Unternehmen eine Null, geht die Richtlinie in keiner Weise auf die Vorschläge von UltraViolet ein. Bei einer Vier wäre die Richtlinie mit der Vorstellung von UltraViolet konform. Die durchschnittliche numerische Bewertung hat UltraViolet dann basierend auf dem Bewertungssystem der Harvard University Graduate School of Education mit einer entsprechenden Note versehen.

Das Ergebnis ist erschreckend: Nur Reddit und Twitter erhalten immerhin ein C und C- und damit in etwa die Bewertung „befriedigend“. Düster wird es für Instagram: Die Plattform mit über einer Milliarde Usern erhält in den Report Cards gar ein F – die schlechteste Note. Mit D+ steht auch Trend-App TikTok nicht gut da.

Ausschnitt und Abschlussnoten aus den UltraViolet Report Cards.
Ausschnitt und Abschlussnoten aus den UltraViolet Report Cards, © UltraViolet

Bridget Todd, Kommunikationschefin bei UltraViolet, erklärt in der Meldung zur Studie:

We released this report card and policy demands after ample time spent analyzing social media platforms’ hate speech policies and enforcement, or lack thereof.It’s apparent now more than ever that social media companies like Facebook are intentionally harming users by manipulating algorithms to spark addictive tendencies, preying on vulnerable young women and girls, and tolerating harassment against Black, Indigenous, and women of color, LGBTQ+ people, immigrants, religious minorities, and other systemically oppressed communities. These companies have had long enough to fix their act. They must move to adopt these policies immediately, and Congress must step in and create regulations in order to further reduce the harms they cause to the public.

Der Schaden, den die Social-Plattformen Facebook, Instagram, Reddit, Twitter, TikTok und YouTube potentiell anrichten können, ist dabei kaum abzuschätzen. Zuletzt gab es beispielsweise Berichte, dass Instagram gerade für junge Menschen und insbesondere Mädchen eine toxische Wirkung etwa hinsichtlich des eigenen Körperbildes entfalten kann. Diese Vorwürfe weist die Plattform jedoch entschieden von sich.

Misogynie und Cyberstalking nicht genügend eingedämmt, gefährliche Inhalte werden nicht rigoros entfernt

Insgesamt bewertet UltraViolet elf Kategorien bei den sechs Plattformen. Dabei geht es unter anderem darum, ob diese einen von Menschen betriebenen Helpdesk anbieten, wenn es zu Stalking, sexueller Belästigung und anderen Übergriffen gekommen ist. Hier erhalten alle Plattformen außer Reddit (C) die schlechteste Note. Unterschiedlicher fallen die Noten beispielsweise aus, wenn es darum geht, ob in den Transparenzberichten und den Regeln zu Hate Speech Themen wie Misogynie, Transmisogynie, Cyberstalking, Revenge Porn, sexuelle Belästigung und Desinformationen zu Gender und Ethnie abgedeckt sind. Twitter und Reddit erhalten hier immerhin ein B, ebenso in der Kategorie, die sich damit beschäftigt, ob ein sinnvoller Prozess zur Content-Entfernung bei wiederholten Verstößen implementiert ist. Für die anderen Plattformen fließen hier zumeist die Noten D und C in die Bewertung mit ein.

Ausschnitt aus den UltraViolet Report Cards
Ausschnitt aus den UltraViolet Report Cards, © UltraViolet

Alle Versäumnisse und Verfehlungen zu den Policies und insbesondere in der Durchsetzung dieser kannst du im Dokument zur Studie nachlesen. Nach der gesamten Analyse kommen für die Plattformen folgende Noten zustande:

  • Facebook: D-
  • Instagram: F
  • Reddit: C
  • TikTok: D+
  • Twitter: C-
  • YouTube: D

Das Fazit der Report Cards lautet:

Across the board, social media platforms fail the test when it comes to creating an internet experience that is safe and inclusive for Black women, women of color, and LGBTQ people.

Brief an Zuckerberg und Co. fordert Änderungen der Richtlinien auf Social Media

Gerade weil die sozialen Medien so alltagsrelevant geworden sind, fordert UltraViolet mehr Kontrolle und die Eindämmung von Hate Speech, aber auch verschwörungsideologischer Inhalte:

Social media has become an almost ubiquitous part of modern life. Despite the advantages of keeping in touch on social media platforms, we can’t allow the companies behind them to peddle lies and conspiracy theories, or tacitly condone racist, misogynistic, homophobic and transphobic attacks.

Gemeinsam mit 75 weiteren Organisationen hat die Interessengruppe daher einen Brief an die betroffenen Plattform-Chef:innen wie Mark Zuckerberg oder Susan Wojcicki geschrieben. Darin wird ein scharfer Ton angeschlagen:

Black, Indigenous, and women of color and LGBTQ people are being harmed on the internet by an onslaught of racist and misogynist attacks. The actions of your companies – Alphabet, Facebook, Twitter, ByteDance, TikTok, and Reddit – have demonstrated that you care more about your profit margins than keeping people safe.

Ob die Konzerne hinter den Plattformen basierend auf der Auswertung und der Kritik von UltraViolet tatsächlich ihre Richtlinien anpassen, ist fraglich. Immerhin handelt es sich dabei um nur eine unabhängige Bewertung. Allerdings kommt die Organisation zu ähnlichen Schlüssen wie die Whistleblowerin Frances Haugen, die für die Facebook Files beim Wall Street Journal verantwortlich zeichnet. Meta, Alpabet und Co. müssen also einmal aus PR-Sicht, vor allem aber aus Gründen des Schutzes ihrer Nutzer:innen mehr in die Durchsetzung strenger Community-Regeln investieren. Andernfalls dürfte das schlechte Zeugnis, das für ihre Plattformen ausgestellt wird, auf Dauer auch wirtschaftliche Folgen haben, vielleicht sogar die Behörden alarmieren.

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