Technologie
Le Chonk: Mistral Large 4 ist Europas neues Mega-KI-Modell

Le Chonk: Mistral Large 4 ist Europas neues Mega-KI-Modell

Niklas Lewanczik | 07.10.26

Mistral Large 4 ist ein Open-Weight-Modell mit einer Billion Parametern, hohem Tempo und dem Anspruch, KI-Souveränität in Europa zu stützen. Einige Konkurrenzmodelle werden vom französischen Neuling übertroffen.

Die KI-Souveränität Europas nimmt Formen an. Während in den USA mit Gemini 4 Argon, Claude Sonnet 5.5 und GPT-6.1 Sol brandneue Modelle gelauncht werden und zum Beispiel Z.ai aus China mit GLM-5.3 ein hochleistungsfähiges Open-Weight-Modell aus China liefert, bieten europäische Unternehmen Alternativlösungen. Gerade erst hat Aleph Alpha aus Deutschland – künftig aufgrund einer Fusion mit Cohere als Cohere international tätig – ein eigenes leistungsfähiges Open-Source-Modell bereitgestellt, das sich an EU-Verordnungen orientiert und Reasoning auf Deutsch betreiben kann. Mit Frontier-Modellen kann es aber nicht mithalten.

Anders sieht es beim ebenfalls europäischen Modell Mistral Large 4 (ML4) von Mistral aus, das allerdings als Open-Weight-Modell daherkommt und eher mit GLM-5.3, Muse Glimmer und Gemma 4 konkurriert. Das neue State-of-the-Art-Modell von Mistral ist der nächste Meilenstein des Unternehmens, der auf Basis einer 3-Milliarden-Euro-Finanzspritze entstand. Dieses Series D Funding stellte die größte Eigenkapitalfinanzierungsrunde eines europäischen Tech-Unternehmens bisher dar.

[…]. That capital is already being put to work: we are significantly scaling up our compute capacity in our own European datacenters, and much more is coming online in the months ahead,

verspricht Mistral und stellt Usern zunächst das neue ML4 vor, auch Le Chonk genannt.



Kolibri von Aleph Alpha:

Open Source AI made in Germany

grüner Hintergrund, davor ein Vogel-Icon und der Schriftzug Kolibri
© Aleph Alpha


Le Chonk leistet viel und kann KI-Souveränität fördern

Vor einigen Monaten benannte Mistral den eigenen AI Chatbot, den viele als Le Chat kennengelernt hatten, in Vibe um. Für das neue Open-Weight-Modell aus dem Hause Mistral gibt es ebenfalls einen Spitznamen: Le Chonk. Das ist ein englischer und umgangssprachlicher Begriff, der laut Cambridge Dictionary so viel bedeutet wie ein Wesen (Tier, Baby etc.), das „auf eine angenehme und attraktive Weise fett ist“. Das trifft wohl auf den orangefarbenen Kater zu, den das Unternehmen im Video zur Vorstellung des Modells integriert hat. Aber der Name könnte ebenso darauf hindeuten, dass das Modell selbst reichlich gefüllt ist, mit Parametern, Fähigkeiten und Potential.

Mistral Large 4 setzt auf eine Billion Parameter, von denen 49 Milliarden stets aktiv sind. Mistral trainierte das Modell von Grund auf auf rund 3.800 NVIDIA Grace Blackwell GPUs und in den eigenen europäischen Datenzentren. Dabei nutzte das Unternehmen nach eigenen Angaben weniger GPU-Ressourcen als andere Modelle und kann andere Open-Weight-Modelle aus Europa und den USA in Sachen Performance doch schlagen.

In zentralen Einsatzbereichen wie Cybersicherheit, Unternehmensarbeitsprozessen – die automatisiert werden sollen – sowie Finanzen und Gesetzeskontexten hält Mistral Large 4 mit anderen großen Open-Weight-Modellen mit. Beim Visual Grounding und einigen weiteren Nutzungskontexten kann es sogar geschlossene Modelle aus den USA toppen. Insbesondere bei der Cybersicherheit liegt ML4 im Artificial Analysis Cyber Index mit 50 Prozent gleichauf mit Muse Spark 1.3 und vor Modellen wie GPT-6 Astra oder Gemini 3.8 Flash.

Wenn es um Speedruns oder beispielsweise Reverse Engineering von Code als konkrete Aufgabe geht, zeigt sich das Modell ebenfalls effizient.

Kosten und Zugriff für das Modell

Im Blog Post zum Modellstart liefert Mistral eine Reihe von Leistungsillustrationen, um die Fähigkeiten von Le Chonk abzubilden. Dessen Kosten werden mit 1,36 US-Dollar pro Million Input Tokens und 4,18 US-Dollar pro Million Output Tokens veranschlagt. User und Developer können via Mistral Studio auf das Modell zugreifen. Mistral Large 4 ist inzwischen als Preview in der Preview API verfügbar, der umfassende Roll-out erfolgt im Laufe des Monats. Dann wird das Unternehmen weitere Benchmarks, mehr über die Post-Training-Methodologie und die Modellgewichte veröffentlichen.

Im Vergleich zu Open-Source-Modellen wie Kolibri von Aleph Alpha liefern Open-Weight-Modelle zwar Angaben zu den Modellgewichten, aber kaum oder keine Angaben zum Modell-Code und zu den konkreten Trainingsdaten. Die Open Source Initiative zeigt auf ihrer Seite auf, welche Informationen geteilt werden müssen, um Open-Source-Modelle bereitzustellen – die dann zum individuellen Nachbau einladen.

Mistral Large 4 soll unterdessen als Basis für eine Reihe neuer und spezialisierter Modelle des Unternehmens dienen, die dieses künftig bereitstellen möchte. Das neue ML4-Modell ist dabei ein Musterbeispiel für europäische KI-Modelle. Nicht nur, weil es in Europa und in europäischen Datenzentren entwickelt wurde. Auch die Tatsache, dass die Trainingsdaten über 160 Sprachen enthielten, darunter alle offiziellen Amtssprachen der EU, spricht dafür. Europas KI-Alternativen haben einen fetten Zugewinn erhalten.



Europäische KI im Browser:

Mistral zieht in Firefox ein

Das Logo von Mistral und Firefox
© Mistral


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