E-Commerce
Shopping-Streit um Metas Erfolgs-Agent Muse: Ausgesperrt auf Amazon, willkommen bei Shopify

Shopping-Streit um Metas Erfolgs-Agent Muse: Ausgesperrt auf Amazon, willkommen bei Shopify

Niklas Lewanczik | 22.09.26

Amazon verbietet Metas Muse das agentische Shoppen auf der Plattform; so etwas kam schon mal vor. Shopify wiederum arbeitet für den agentischen Check-out mit Muse zusammen. Währenddessen erobert der Agent die App Charts und soll bald auch bei Ads, Instagram Content und Co. eingreifen.

Mit Muse hat Meta jüngst einen AI Agent vorgestellt, der Usern zahlreiche Aufgaben abnehmen soll. Diese KI-Assistenz soll nicht nur mit dir chatten, sondern mithilfe eines integrierten Computers und eigenen Browsers vielfältige Aufgaben eigenständig für dich übernehmen können. User können Muse quasi mit einem Avatar verknüpfen, den sie selbst hinsichtlich Design und Kommunikationsmodus anpassen. Und sie können diesem einen Namen geben. Darüber hinaus soll Muse sich Chat-Kontexte und Interaktionen merken, sogar arbeiten, wenn User nicht in der App sind, und dank der Verknüpfung mit viel genutzten Apps wie Gmail oder Instagram diverse To-dos auf sich nehmen.

Inzwischen ist Muse auch für den Mac angekommen. Und in den App Store Charts der USA toppt die Standalone App für den Agent derzeit AI Tools wie ChatGPT und Google Gemini; auf iOS und Android. Binnen sechs Tagen wurde Muse über 900.000 Mal heruntergeladen. Die besonders persönliche AI-Assistenz soll Metas AI-Produktreihe um die Muse-Modelle erweitern und im Meta-Kosmos und darüber hinaus für unterschiedliche agentische Szenarien dienen. Sogar zum Shopping lässt sich Muse einsetzen. Allerdings nicht auf Amazon, dafür jedoch mit Shopify Merchants.



Meta Muse ist da:
Persönlicher AI Agent mit Avatar und WhatsApp-Nutzung

blauer Hintergrund, AI Modified-Logo, Smartphone Mockup mit Muse Agent und Einkaufs-interface, Interface mit Tipps von Muse
© Meta via Canva


Amazon verwehrt Muse den Einkauf: Intransparenter Zugriff als Grund

Bevor Muse – oder die Agent-Version mit deinem gewählten Namen – etwas Kritisches für dich macht, etwa Einkäufe tätigt, musst du im Review-Prozess deine Bestätigung geben. Das gilt zum Beispiel, wenn Muse auf E-Commerce-Plattformen für dich recherchiert und dein Shopping betreibt. Auf Amazon kann Muse vorerst aber nicht mehr stöbern. Denn der Konzern hat Metas Agent ausgeschlossen. Als Grund gab Amazon gegenüber Adweek an, dass Meta den E-Commerce-Konzern vorab nicht über den Zugriff des Agents informiert habe. Dementsprechend konnte Amazon den Zugriff nicht gewähren. Wer aktuell via Muse auf Amazons Plattform zugreift, erhält ein Pop-up, in dem es heißt:

Continued access by an unauthorized AI agent violates Amazon’s Conditions of Use, to which our customers have agreed.

Amazon hat schon einmal ein AI Tool von der eigenen Plattform ausgeschlossen: Perplexitys agentischen AI Browser Comet. Auch in jenem Fall ging es Amazon um mangelnde Transparenz, auch zu jener Zeit reagierte der Konzern mit dem Statement:

We think it’s fairly straightforward that third-party applications that offer to make purchases on behalf of customers from other businesses should operate openly and respect service provider decisions whether or not to participate […].

Für Nikesh Arora von Palo Alto Networks ist die Auseinandersetzung zwischen Amazon und Meta nur ein Startschuss für weitere Zugriffsreibungspunkte. Agents von Google, Apple oder Amazon könnten ebenfalls auf Drittplattformen zugreifen wollen – und diese müssen Entscheidungen bezüglich der Zugriffsberechtigung treffen. In seinem Post auf X formuliert er implizit ein mögliches Problem:

[…] I know I don’t want an agent for each app. I would like my agent to be able to do tasks I require. We can already see consumers getting trained on that behavior by the frontier labs […].

Shopify ermöglicht Check-out mit Muse bei Shopify Stores

Der E-Commerce-Konzern Shopify arbeitet derweil eng mit Meta zusammen und fördert das Shopping via Muse. CEO Tobias Lütke hat auf X die Kooperation bekanntgegeben. Damit haben User die Möglichkeit, mithilfe von Shop Pay bei allen Shopify Stores agentisch einzukaufen. Der agentische Check-out bei zahlreichen Shop Touchpoints wird damit erleichtert.

Shopify ist ohnehin daran interessiert, den KI-gestützten Shopping-Prozess zu unterstützen. Der Konzern hat zum Beispiel in Kooperation mit Google, Etsy, Wayfair und Walmart das Universal Commerce Protocol (UCP) entwickelt, das Shopping mit Agents überall möglich und zu einem neuen Standard macht. Zudem lässt Shopify alle Seller über KI-Umgebungen wie ChatGPT, AI Mode und Co. verkaufen.

Künftig soll Metas Muse aber noch viel mehr für die User leisten können, über das Shopping hinaus. Die Reverse-Engineering-Expertin Jane Manchun Wong hat Hinweise zur Verbindung mit Meta Business entdeckt. Damit könnten User Insights aus Meta Ads und Instagram Accounts mit Muse analysieren und personenbezogene Handlungsempfehlungen erhalten. Die Verknüpfung scheint für erste User in der Betaversion verfügbar zu sein, ist aber noch nicht offiziell ausgerollt.



Kampf um AI Agents beim Shopping:

Amazon will Perplexity Comet nicht auf der Plattform

Windows App von Perplexity
© Perplexity via Canva


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