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Zwischen Waschmaschine und Webinar: Wie produktiv ist das Arbeiten im Home Office wirklich?

Zwischen Waschmaschine und Webinar: Wie produktiv ist das Arbeiten im Home Office wirklich?

Marié Detlefsen | 20.02.26

Waschmaschine an, Laptop auf – und trotzdem produktiver? Wir beleuchten eine aktuelle Untersuchung der TimO, die zeigt: Trotz Paketen, privaten Nachrichten und kleinen Haushaltspausen schätzen 75,9 Prozent der Arbeitnehmer:innen ihre Leistung im Home Office höher ein als im Büro.

Während im Hintergrund die Waschmaschine läuft und der Paketdienst an der Tür klingelt, sollen viele Beschäftigte im Home Office konzentrierter arbeiten als im Büro. Zumindest legt das eine aktuelle Untersuchung der TimO – Time Management Office GmbH in Kooperation mit Appinio nahe. Doch wie produktiv sind Arbeitnehmer:innen zu Hause wirklich? Wir schauen uns die Ergebnisse genauer an und ordnen ein, was hinter den Zahlen steckt.

Mini-Pausen statt Ablenkung: So organisieren Beschäftigte ihren Home Office-Alltag

Während im Büro kurze Gespräche in der Kaffeeküche zum Arbeitsalltag gehören, prägen im Home Office eher Paketlieferungen und Haushaltsgeräte die kleinen Unterbrechungen zwischendurch. Laut der Studie nehmen 58,8 Prozent der Befragten während ihrer Arbeitszeit Pakete an. 46,2 Prozent beantworten private Nachrichten, 42,8 Prozent starten nebenbei eine Waschmaschine und 30,9 Prozent räumen die Spülmaschine ein oder aus.

Was zunächst wie Ablenkung wirkt, wird von vielen Beschäftigten bewusst eingeplant. Rund ein Drittel beschreibt solche Tätigkeiten als kurze, strategische Pausen, um anschließend konzentrierter weiterzuarbeiten. Weitere 18 Prozent geben an, erst dann wirklich fokussiert arbeiten zu können, wenn zu Hause organisatorisch alles erledigt ist.

Entscheidend ist dabei die Dauer. 74 Prozent investieren weniger als 30 Minuten täglich in private Erledigungen. Von einem ausufernden Nebenbeialltag kann also kaum die Rede sein.

Home Office: Produktiver im Pyjama?

Die zentrale Frage, die viele Diskussionen rund um flexible Arbeit weiterhin prägt, lautet: Wo arbeiten Angestellte tatsächlich produktiver? Laut Studie schätzen 75,9 Prozent der Befragten ihre Produktivität im Home Office als höher oder deutlich höher ein als im Büro. Lediglich 0,6 Prozent bewerten ihre Leistung von zu Hause aus als klar schlechter.

Damit widersprechen die Ergebnisse einer häufig geäußerten Sorge vieler Arbeitgeber:innen, wonach mehr Flexibilität automatisch zu Leistungsabfall führt. Im Gegenteil: Die Mehrheit der Befragten sieht im heimischen Arbeitsplatz eher einen Effizienzfaktor als eine Komfortzone.

Gleichzeitig basiert die Einschätzung auf der Selbsteinschätzung der Beschäftigten. Auch wenn Arbeitnehmer:innen ihre eigene Leistung meist gut beurteilen können, bleibt ein möglicher Bias bestehen. Wer die Vorteile des Home Office schätzt, könnte die eigene Produktivität unbewusst positiver bewerten.

Wie unterschiedlich Bundesländer mit Home Office umgehen

Ein Blick auf die Bundesländer zeigt deutliche Unterschiede in der Akzeptanz privater Erledigungen während der Arbeitszeit. Besonders offen zeigt sich Berlin, wo 62,5 Prozent der Befragten die Vereinbarkeit privater Aufgaben im Home Office befürworten. Auch Sachsen-Anhalt gilt mit 61,5 Prozent Zustimmung als vergleichsweise entspannt.

Deutlich kritischer fällt die Haltung dagegen in Brandenburg aus. Dort halten lediglich 22,2 Prozent private Tätigkeiten während der Arbeitszeit für vollkommen akzeptabel. Mecklenburg-Vorpommern wiederum sticht durch eine besonders pragmatische Nutzung des Home Office hervor. 30,8 Prozent erledigen dort mehrmals täglich private Dinge und erreichen damit den Höchstwert im Bundesvergleich. Gleichzeitig geben nur 42,3 Prozent an, dabei ein schlechtes Gewissen zu haben – so selten wie in keinem anderen Bundesland.

Eine andere Herausforderung zeigt sich im Saarland. Hier berichten 25 Prozent der Befragten, regelmäßig zu vergessen, Überstunden außerhalb der Kernzeit zu dokumentieren. Das wirft weniger Fragen zur Produktivität auf, sondern eher zur Transparenz und zur strukturierten Arbeitsorganisation im Home Office.


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© Antoni Shkraba – Pexels


Doch wo Freiheiten wachsen, entstehen neue Grauzonen. So haben fast 40 Prozent der Befragten bereits beobachtet, dass Kolleg:innen Pausen unerlaubt ausdehnen. Und auch bei der eigenen Zeiterfassung zeigt sich die ein oder andere Schummelei. Unter anderem nennen 27,3 Prozent hohe Arbeitsbelastung als Hauptgrund, warum sie theoretisch bei der Zeiterfassung tricksen würden. 21,1 Prozent würden Falschangaben machen, um unbezahlte Mehrarbeit auszugleichen. Stress und fehlende Fairness scheinen hier größere Treiber:innen zu sein als Bequemlichkeit. Die Produktivität im Home Office hängt damit weniger von Kontrolle ab als von klaren Regeln und nachvollziehbaren Systemen.

Ist Home Office nun wirklich produktiver?

Trotz (oder gerade wegen) der Möglichkeit, private Aufgaben flexibel einzubauen, empfindet die Mehrheit der Arbeitnehmer:innen ihre Leistung im Home Office als gesteigert. Wenn drei Viertel eine höhere Produktivität wahrnehmen und gleichzeitig der Großteil weniger als eine halbe Stunde täglich für Privates nutzt, kann das zumindest die Sorgen der Arbeitgeber:innen vor dem „Dauerablenkungsmodell“ senken.

Home Office ist damit kein Synonym für geringere Disziplin. Vielmehr scheint es für viele Beschäftigte ein Modell zu sein, das Autonomie, Alltag und Arbeitsleistung effizient miteinander verbindet. Doch nur eine konkrete Analyse der erbrachten Leistung in verschiedenen Arbeitsumfeldern, kann Licht ins Dunkel der Bauchgefühle und Selbsteinschätzungen bringen, wenn man es darauf anlegt, es zu wissen. Bleibt also die Frage: Ist das Büro wirklich der produktivere Ort – oder nur der traditionellere?


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© Andrea Piacquadio – Pexels © Anna Tarazevich – Pexels bearbeitet via Canva

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