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Home Office statt Herzschmerz? Wie Trennungen die Arbeitszeit-Debatte anheizen

Home Office statt Herzschmerz? Wie Trennungen die Arbeitszeit-Debatte anheizen

Marié Detlefsen | 11.02.26

Trennungsschmerz endet nicht an der Bürotür: Viele Arbeitnehmer:innen melden sich nach einem Liebes-Aus krank oder nehmen spontan Urlaub. Erfahre, wie stark Herzschmerz die Arbeitswelt beeinflusst und warum das die Debatte um flexible Arbeitszeiten neu befeuert.

Valentinstag: Für die einen gibt’s Blumen, Pralinen und Candle Light Dinner. Für andere endet der Tag eher mit Taschentuch, Playlist im Loop und dem dringenden Wunsch, sich unter der Bettdecke zu verkriechen. Was dabei oft übersehen wird: Liebeskummer bleibt nicht vor der Bürotür stehen. Er sitzt mit am Schreibtisch – und beeinflusst, wie, wie viel und ob überhaupt gearbeitet wird. Eine neue Studie von Zety zeigt: Trennungen schlagen sich messbar in Krankmeldungen, Urlaubstagen und Produktivität nieder. Und genau das bringt eine alte Diskussion wieder in Fahrt – wie flexibel muss Arbeit heute eigentlich sein?

Herzschmerz kostet Konzentration und Leistung

Die Studie befragte 1.020 Arbeitnehmer:innen und zeigt, dass rund jede dritte Person (33 Prozent) sich nach einer Trennung bereits krankgemeldet oder Urlaub genommen hat, um emotional wieder auf die Beine zu kommen. Herzschmerz wird also längst „abgebaut“, nur bisher meist still, individuell und ohne offizielle Regelung. Dass Trennungen belasten, überrascht niemanden. Wie stark sie den Arbeitsalltag treffen, allerdings schon:

  • 43 Prozent der Beschäftigten gaben an, dass ihre Produktivität oder Konzentration nach einer Trennung spürbar leidet.
  • 38 Prozent, erleben einen deutlichen Motivationsknick.
  • 25 Prozent geben an, dass sogar Pünktlichkeit und Anwesenheit darunter fallen.
  • 23 Prozent sehen Einbußen bei Entscheidungsfähigkeit und Problemlösung.
  • 17 Prozent bemerken Spannungen im Verhältnis zu Kolleg:innen oder Führungskräften.

Herzschmerz ist also kein Randphänomen, sondern ein echter Leistungsfaktor. Wer emotional im Ausnahmezustand ist, arbeitet unter anderem oft langsamer, unkonzentrierter und fehleranfälliger.

Wer nach der Trennung eher zu Hause bleibt

Dennoch reagieren nicht alle Arbeitnehmer:innen nach einer Trennung gleich. Die Studiendaten zeigen deutliche Unterschiede zwischen Geschlechtern und Generationen. Männer greifen nach einem Liebes-Aus häufiger zu Krankmeldung oder Urlaub als Frauen: 36 Prozent der Männer nehmen sich nach einer Trennung frei, bei Frauen sind es 28 Prozent. Noch klarer wird das Gefälle beim Blick auf die Altersgruppen. Vor allem jüngere Arbeitnehmer:innen gönnen sich eher eine Auszeit fürs angeknackste Herz. In der Gen Z nehmen sich 47 Prozent nach einer Trennung frei, bei den Millennials sind es 45 Prozent. Danach fällt die Kurve deutlich ab: Gen X liegt bei 31 Prozent und die Baby Boomern nur noch bei elf Prozent.

36 Prozent der Männer nehmen sich nach einer Trennung frei, © Zety

Aber brauchen wir offiziellen Herzschmerz-Urlaub? Was ein wenig flapsig klingt, wird inzwischen durchaus ernsthaft diskutiert. Das Konzept sogenannter „Herzschmerz-Tage“ – also formell geregelte freie Tage nach einer Trennung – findet überraschend viel Zustimmung. Laut Studie hält jede:r dritte Befragte (33 Prozent) ein solches Angebot für sinnvoll. Insgesamt 43 Prozent würden diese Tage wahrscheinlich tatsächlich nutzen, wenn Arbeitgeber:innen sie bereitstellen würden.

Gleichzeitig zeigt sich aber ein Spannungsfeld zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Denn trotz grundsätzlicher Zustimmung bleibt die Hemmung groß: 65 Prozent der Arbeitnehmer:innen geben an, sie würden sich unwohl fühlen, solche freien Tage zu beantragen – aus Angst vor Bewertung oder negativen Karrierefolgen. Das Thema trifft also einen Wunsch vieler Beschäftigter, kollidiert aber noch mit klassischen Leistungsvorstellungen im Job.


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Wie viel Zeit braucht ein gebrochenes Herz?

Doch wie viele Tage wären angemessen, um nach einer Trennung wieder arbeitsfähig zu sein? Die Mehrheit (33 Prozent) spricht sich für einen freien Tag aus, knapp ein Drittel (27 Prozent) für zwei Tage und 22 Prozent der Beschäftigten wünschen sich mindestens drei Tage Urlaub. Die Mehrheit sieht also schon mit wenigen Tagen Abstand eine spürbare Wirkung. Es geht weniger um wochenlange Auszeiten als um eine kurze, gezielte Atempause. Ein emotionaler Reset statt Langzeit-Sabbatical.

Dennoch sind zusätzliche freie Tage gar nicht für alle die beste Lösung. Viele wünschen sich stattdessen beweglichere Arbeitsbedingungen direkt nach der Trennung. Als hilfreichste Maßnahmen nennen Arbeitnehmer:innen:

  • Home-Office-Tage: 31 Prozent
  • Flexible Arbeitszeiten: 31 Prozent
  • Weniger Meetings und Check-ins: 26 Prozent
  • Angepasste Deadlines oder geringere Arbeitslast: 23 Prozent
  • Zusätzliche freie Tage: 30 Prozent

Neue Herzschmerz-Modelle

Was hat das alles mit der großen Arbeitszeit-Debatte zu tun? Eine Menge. Denn die Zahlen zeigen: Emotionale Ereignisse wirken direkt auf Arbeitsleistung und Anwesenheiten. Außerdem lassen sie sich nicht sauber vom Job trennen. Unternehmen, die weiterhin nur in Stundenkonten und Anwesenheit denken, ignorieren einen entscheidenden Produktivitätsfaktor. Herzschmerz ist nicht planbar, aber der Umgang damit schon.

Flexible Modelle, kurzfristige Anpassungen, offene Gesprächskultur – all das könnte helfen, Ausfälle zu reduzieren und die Mitarbeiter:innenbindung zu stärken. Statt stiller Krankmeldungen gäbe es transparente Lösungen. Statt schlechtem Gewissen echte Unterstützung.


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