Digitalpolitik
Wegen Nacktbild-Skandal: X könnte im UK verboten werden – Europa fordert Antworten

Wegen Nacktbild-Skandal: X könnte im UK verboten werden – Europa fordert Antworten

Niklas Lewanczik | 09.01.26

Die britische Regierung greift durch und könnte X aufgrund illegitimer sexualisierter Deepfakes von Grok sogar sperren. Die EU warnt X derweil davor, interne Dokumente schnell zu löschen, um sich aus der Affäre zu ziehen.

Selbst Nacktbild-Deepfakes von Frauen und Minderjährigen, die auf X zuhauf von Grok generiert und geteilt wurden, scheinen Plattformeigner Elon Musk nicht besonders zu stören. Auf eine Reihe hochproblematischer KI-Kreationen von Grok reagierte Musk zuletzt noch mit Lach-Emojis; auch eine klare Verurteilung der illegitimen Deepfakes blieb von offizieller Seite bisher aus. Nur eine halbherzige Entschuldigung der KI Grok selbst gab es. Während Grok trotz oder – schlimmer noch – womöglich gerade wegen der kaum regulierten Möglichkeiten mit Grok Imagine und Edit Images in den App Stores zahlreicher Länder Erfolge feiert, wehren sich nicht nur Betroffene, sondern auch Regierungsvertreter:innen. Der Premierminister des Vereinigten Königreichs Keir Starmer erklärte deutlich:

This is disgraceful. It’s disgusting. And it’s not to be tolerated… Ofcom has our full support to take action in relation to this.

X könnte nun vor großen politischen Hürden in Europa stehen. Ob das Musk aus der Reserve lockt?


Grok:

Nacktbild-Skandal und Top-Platzierung im App Store

Grok Imagine-Startseite
© Grok, xAI


„Anything you can imagine“ – Grok sorgt für Deepfake-Welle und Entrüstung, aber auch Interesse

Die Verbindung von Politik und Plattformhandlungen hat in den vergangenen Jahren im Digitalraum stetig zugenommen. Das zeigt sich nicht allein an EU-Gesetzesvorgaben wie dem Digital Markets Act und dem Digital Services Act, sondern in den USA beispielsweise auch am politisch erzwungenen Verkauf des US-Geschäfts von TikTok. Wo Plattformen selbst keine Grenzen ziehen, aber zugleich Gesetze zu verletzen drohen, schreitet die Politik ebenfalls oft ein.

Das trifft auch auf X zu. Die Plattform erlaubt seit geraumer Zeit Pornographieinhalte. Das stellt grundsätzlich kein Problem dar, hat aber einen faden Beigeschmack, wenn man bedenkt, dass X kaum noch Inhalte reguliert oder moderiert. Und so tauchen auf der Plattform losgelöst von der KI Grok ohnehin oft Inhalte auf, die illegal sind. Mit Grok und der generativen KI bei Grok Imagine ist aber ein ganz neues Problem entstanden. Das KI-Video- und Bildgenerierungsmodell Grok Imagine steht allen Grok Usern weltweit in der App kostenfrei zur Verfügung. Damit können User diverse Bildideen in Visuals umsetzen.

Es gibt sogar einen Spicy Mode, der auch in fiktiven Videos sexualisierte Inhalte ermöglicht. Doch zuletzt kam es gar dazu, dass die kürzlich überarbeitete Edit Images-Option Usern ermöglichte, eigene Bilder sowie Bilder von Dritten zu nutzen, um die Personen virtuell – zumindest teilweise – zu entkleiden. Dabei wurde sogar vor Minderjährigen nicht Halt gemacht. Sexualisierte Deepfakes von xAI wurden vielfach auf X geteilt.

Gleichzeitig gibt sich der offizielle Grok Account nicht entrüstet, obgleich sich angeblich um Aufklärung und Eindämmung der Probleme bemüht wird. Vielmehr bewirbt der Account die Fähigkeiten von Grok prominent: „Anything you can imagine.“

Unter diesem Motto aber erstellen Menschen eben auch Deepfakes von echten Personen. Die BBC berichtet von Frauen, die sich von Grok Imagine durch die Sexualisierung ohne ihre Zustimmung „entmenschlicht“ fühlen. Die Anti-Sexual-Violence-Organisation RAINN warnt:

Grok’s ‘Spicy’ AI Video Setting Will Lead to Sexual Abuse [.]

X droht sogar die Sperre

Dem möchte die Regierung im vereinigten Königreich ein Ende setzen. Die BBC berichtet ebenso wie The Telegraph, dass die Regierung der Regulierungsbehörde Ofcom die Freiheit gibt, gegen xAI und Grok jegliche Sanktionen zu verhängen, die angesichts der illegalen Deepfake-Verbreitung im sexualisierten Kontext angemessen sind. Unter den Deepfakes fanden sich auch Versionen von Personen aus dem Kabinett im UK, von der Princess of Wales und andere Berühmtheiten. So meint Keir Starmer:

X need to get their act together and get this material down – and we will take action on this because it’s simply not tolerable.

Das heißt, dass im Vereinigten Königreichs sogar eine Sperre von X unter dem Online Safety Act – von Musk bereits kritisiert – kommen könnte. Ofcom gibt an, bereits mit xAI Kontakt aufgenommen zu haben und die Ursachen und Entwicklungen zu evaluieren. X selbst erklärte jüngst in einem Statement:

Anyone using or prompting Grok to make illegal content will suffer the same consequences as if they upload illegal content.

EU fordert Antworten und denkt womöglich an Klagekontexte

Während das Vereinigte Königreich schon über konkrete Schritte gegen X nachdenkt, fordert die EU von xAI als Unternehmen zunächst, dass interne Dokument länger aufbewahrt werden. Reuters berichtet, dass die EU-Kommission eine Retention Order verlängert habe, bis Ende 2026, die die Speicherung interner Dokumente notwendig macht. Damit möchte man die Nachvollziehbarkeit der Beteiligung von xAI an Entwicklungen gewährleisten, die User und EU-Bürger:innen gegebenenfalls beeinträchtigen. Das trifft im Fall der illegitimen Deepfakes durchaus zu.

This is saying to a platform, keep your internal documents, don’t get rid of them, because we have doubts about your compliance … and we need to be able to have access to them if we request it explicitly,

erklärte Sprecher Thomas Regnier. Noch hat die EU-Kommission keine Schritte gegen X eingeleitet. Dass es aber zu Klagen gegen die Plattform und das Unternehmen xAI kommen könnte, liegt auf der Hand. Schon 2023 leitete die EU-Kommission ein Verfahren gegen X ein, weil auf der Plattform illegale Inhalte und Falschmeldungen verbreitet wurden. Zudem könnten diverse Privatpersonen juristisch gegen xAI als Unternehmen hinter Grok und X vorgehen, wenn sie Opfer illegaler sexualisierter Deepfakes geworden sind.

Die Entwicklung sorgt für großes Unbehagen in der Digitalwelt, wird von zahlreichen Personen verurteilt, darunter auch der schwedische Premierminister Ulf Kristersson:

It’s distasteful, unacceptable, offensive.

Kritiker:innen raten derweil Spitzenpolitiker:innen und anderen Personen, ihre X Accounts zu löschen, um nicht parallel scharfe Kritik an einer Plattform zu üben, die sie selbst mit ihrem Auftreten dort fördern. Schon vor Jahren verließen viele Organisationen, Unternehmen und Personen X aufgrund der mangelnden Regulierung, die zu vielen Fake News, zu Diskriminierung und nicht zuletzt zu illegalem Content auf der Plattform führte. Dennoch bleibt X eine solide Größe unter den Social-Media-Plattformen. Die Gefahr von Grok könnte das Bild in Europa jedoch drastisch verändern. Immerhin dürfte diese Deepfake-Welle nur ein Beispiel kommender Probleme sein, die durch die scheinbar grenzenlosen Möglichkeiten der KI-Generierung ohne umfassende Regulierung vorstellbar sind. Man mag kaum darüber nachdenken, aber man sollte.


Grok 4.1 ist da:

Das kann die Konkurrenz für OpenAI und Google

weiße Eule neben hellen Lichtern, die Tempo andeuten, Grok 4.1-Schriftzug, grau-schwarzer Hintergrund
© xAI via Canva

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