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YouTube Advertising: Für wen lohnt es sich und was kostet es?

[Interview] Channel Manager Garvin Bösch über die Abrechnungsmodelle und welcher Art von Unternehmen YouTube eine adäquate Plattform für ihren Content bietet.

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Youtube ist die größte Plattform für Videomarketing: weltweit nutzen täglich über eine Milliarde Menschen den Videodienstleister, bei dem pro Minute 100 Stunden Content hochgeladen werden. Über die Monetarisierungsmodelle von Youtube aber weiß man landläufig nur wenig. Garvin Bösch, Youtube Channel Manager bei Believe Digital, einem der führenden Digitalvertriebe für Künstler und Labels in Europa, über Abrechnungsmodelle und die Vorteile, die Unternehmen aus einem eigenen Kanal schöpfen können.

Interview mit Garvin Bösch, YouTube Channel Manager bei Believe Digital

OnlineMarketing.de: Welche Abrechnungsmodelle finden bei YouTube Anwendung?

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Garvin Bösch: Die von Google ausgeschriebenen Werbeplatzierungen werden nach einem RTB-Verfahren an Advertiser vergeben. Der ausgeschüttete Betrag wird von YouTube anteilig mit dem Kanalbetreiber abgerechnet. Hier einen allgemeingültigen TKP zu fixieren ist nahezu unmöglich, da jedes Video und der einhergehende TKP von sehr vielen Parametern abhängt. Views, Reichweite, Watch Time, Content, Tagging, Art des Inhaltes, Metadaten und nicht zuletzt die Reputation eines Kanals spielen dabei tragende Rollen.

Kann dennoch eine Aussage zu etwaigen Abrechnungsmodellen getroffen werden? Gibt es eine Faustformel: 1000 Aufrufe gleich wieviel Euro?

Ein bis drei Euro auf 1.000 Views mit Ausschlägen in beide Richtungen. Auf ein einzelnes Produkt kann man den TKP sehr einfach ableiten, als generelle Frage allerdings ist das schwierig, da ein Hochrechnen – oder Kalkulieren á la: 100 Videos * 100.000 Views / 1.000 = 10.000 Euro? – so in der Realität nicht funktioniert. Der TKP unterliegt generell aber sehr divergierenden Schwankungen.

Dienen Musikdistributionen im Netz dem Verkauf von Merchandise und Tickets oder geht es um die Klicks in Bezug auf die zusätzlichen Einnahmen durch Werbung?

In erster Linie sollen Promoeffekte und Reichweite mit sehr geringem finanziellem Aufwand erzeugt werden. In Verbindung mit Facebook oder anderen sozialen Netzwerken ist selbstverständlich auch die Motivation verbunden, Verkaufszahlen und Merchandise anzukurbeln. Die Werbeeinahmen aus den YouTube-Erlösen sind wirklich nur bei Kanälen mit hohen fünfstelligen Abonnentenzahlen und mehr relevant.

Der Believe Digital-Channel auf YouTube

Der Believe Digital-Channel auf YouTube

Product Placement – Wie funktioniert der Markt? Kommen Unternehmen auf euch zu?

Die Akquise geschieht eigentlich von beiden Seiten: Künstler, Labels oder Plattenfirmen treten an uns heran und fragen nach Video Management-„Paketen“ und einem Leistungsangebot; andersherum haben wir auch Interesse an Künstlern, die zu uns passen oder in denen wir Potential sehen. In vielen Fällen geht es aber auch über Mundpropaganda oder persönliche Kontakte – so übertrieben groß ist der Vertriebskosmos nicht.

Welche Vorteile hat YouTube gegenüber anderen Videodienstleistern?

YouTube kann von jedem Nutzer beliefert werden und fordert lediglich die Exklusivität der hochgeladenen Inhalte. In diesem Zusammenhang ist das beste Beispiel das selbstgedrehte Smartphone-Video. Hier ist der „kleine“ Nutzer in der Lage, die Audiorechte (Tonspur), Bildrechte (Videospur) und Verlagsrechte (Urheber) in einem Produkt zu erstellen und auszuwerten. Fast alle Fremdportale beziehen sich ausschließlich auf Musik und haben hohe Zugangsbarrieren.

Facebook etabliert sich immer mehr als Videoplattform – brauchen wir YouTube irgendwann überhaupt noch?

Ich gehe aufgrund der überlegen Technik und den jahrelangen Erfahrungen bezüglich Rechteansprüchen felsenfest davon aus, kann aber als Nicht-Facebook-Nutzer keine Aussage über den Facebook-Player treffen.

Für welche (Art von) Unternehmen macht YouTube am ehesten Sinn, bzw. was muss ein Unternehmen mitbringen, um auf YouTube erfolgreich zu sein?

Meiner Meinung macht eine Videopräsenz eigentlich für jedes Unternehmen Sinn. Musik und Entertainment repräsentieren sicherlich den stärksten Anteil der Inhalte – aufgrund des Trittbrettfahrerverhaltens und dem Zwang des digitalen Auftritts stellt sich die Situation auf YouTube mittlerweile als sehr „bunt“ dar – jeder möchte sich im Bewegtbild zeigen.

Entscheidend ist, inhaltlich mit einer speziellen Idee ein Genre zu generieren oder zu etablieren. Ein Schuhhaus wird die Gestaltung von Videoinhalten nicht neu erfinden können – dem unabhängigen Nutzer am heimischen Rechner sind jedoch keine Grenzen gesetzt.

Vielen Dank für das Interview!


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Über Tina Bauer

Tina Bauer

Studierte Sozialwissenschaftlerin mit Hang zu Online und Marketing. Seit Ende 2014 als Redakteurin & Content Managerin bei OnlineMarketing.de.

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