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YouTube verabschiedet sich vom öffentlichen Dislike Count

YouTube verabschiedet sich vom öffentlichen Dislike Count

Nadine von Piechowski | 11.11.21

User, denen ein YouTube-Video nicht gefällt, können für dieses ein Dislike vergeben und auch sehen, wie viele Menschen dies ebenfalls gemacht haben. Jetzt entfernt die Videoplattform den Count – und das aus gutem Grund.

UPDATE

Einer der Co-Gründer von YouTube hat eines seiner alten Videos dazu genutzt, seine Meinung zu YouTubes Abschaffung der Dislikes mitzuteilen. Er änderte die Beschreibung des allerersten Videos, das je auf YouTube gepostet wurde. In dem Video „Me at the zoo“ ist Jawed Karim zu sehen, wie er vor dem Elefantengehege im Zoo steht. Er hatte das Unternehmen 2005 mit zwei Kollegen gegründet, es jedoch schon bald verlassen und lediglich Anteile behalten. Diese wurden nach dem Aufkauf durch Google in Google-Anteile eingetauscht. Nun nutzt er das berühmte Video, um seine Meinung über YouTubes aktuellste Änderung kundzutun:

Why would YouTube make this universally disliked change? There is a reason, but it’s not a good one, and not one that will be publicly disclosed. Instead, there will be references to various studies. Studies that apparently contradict the common sense of every YouTuber.

Er ist nicht begeistert von der Entscheidung. Er sagt, der „wisdom of the crowds“ sei wichtig für eine UGC-Plattform wie YouTube, um gute und nicht so gute Inhalte voneinander zu trennen.

[Das Update stammt vom 18.11.2021.]




Liken oder Disliken – das ist auf YouTube die Frage. Jetzt kündigt die Videoplattform für dieses Feature eine signifikante Veränderung an: Der Dislike Count verschwindet. Ab sofort kann die Anzahl an Dislikes nur noch über den Account eingesehen werden, von dem aus ein Clip hochgeladen wurde. Das hat einen erschreckenden Grund. YouTubes Head of Creator Liaison Matt Koval erklärt in einem Video:

Groups of viewers are targeting a video’s dislike button to drive up the count, turning it into something like a game with a visible scoreboard, and it’s usually just because they don’t like the creator or what they stand for. That’s a big problem when half of YouTube’s mission is to give everyone a voice.

Deswegen hat Googles Videoplattform bereits Anfang des Jahres ein Experiment gestartet, bei dem die „Gefällt mir nicht“-Angaben nicht öffentlich sichtbar waren. Die Tests zeigten tatsächlich eine Auswirkung auf den Gebrauch des Dislike Buttons auf YouTube. Die Videoplattform schreibt:

[…] because the count was not visible to them, we found that they were less likely to target a video’s dislike button to drive up the count. In short, our experiment data showed a reduction in dislike attacking behavior.


Gegen Cyber-Attacken: YouTube entfernt den Dislike Count

Dass sich auf YouTube Menschen einen Spaß daraus machen, Creator gezielt durch die exzessive Vergabe von Dislikes zu schaden, mag für viele User erschreckend sein. Um die Creator zu schützen, verabschiedet sich die Videoplattform von dem Count Feature. YouTube erklärt, was sich künftig für Creator ändern wird:

Creators will still be able to find their exact dislike counts in YouTube Studio, along with other existing metrics, if they would like to understand how their content is performing.

Das heißt, User können weiterhin Dislikes vergeben, sehen aber nicht die Anzahl der „Gefällt mir nicht“-Angaben. Die Organisation von Cyber-Attacken ist so deutlich schwieriger.

We want to create an inclusive and respectful environment where creators have the opportunity to succeed and feel safe to express themselves. This is just one of many steps we are taking to continue to protect creators from harassment,

schreibt YouTube weiter.

User fordern Dislikes auch auf anderen Plattformen

Trotz der Problematik mit dem Bewertungs-Feature, ruft der Dislike Button bei Nutzer:innen ein großes Interesse hervor. Nach dem YouTube-Vorbild forderten die User auch einen Dislike Button auf Twitter und Facebook. Die Meta-Plattform experimentierte bereits mit der Option, Kommentare mittels Up- und Downvotes bewerten zu können. Die Vorlage für diese Funktionsweise lieferte Reddit, wo dieses Moderations-Feature zu einer zielgerichteteren Kommunikation der User führt.

Up- und Downvotes bei Facebook, © Screenshot/ Matt Navarra
Up- und Downvotes bei Facebook, © Screenshot/ Matt Navarra

Ob YouTube sich irgendwann gänzlich von dem Dislike Button verabschiedet und sich ebensfall den Up- und Downvotes zuwendet, bleibt abzuwarten. Zumal auch dieses Feature genutzt werden kann, um Creatorn gezielt zu schaden.

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Kommentare aus der Community

Sandra am 11.11.2021 um 19:13 Uhr

Totaler Quatsch! Die heile Welt soll auch bei den dümmsten Videos aufrecht erhalten bleiben. Und vor allem soll das „attraktive“ Werbeumfeld vergrößert werden. Wer hat schon Bock bei YouTubern zu werben, die in erster Linie Dislikes bekommen ;)

Antworten
Hans am 11.11.2021 um 11:54 Uhr

Die Zensur schlägt wieder zu. Unter dem Vorwand von „Cyber-Attacken“ :D wird die einzige Feedback-Möglichkeit gelöscht.

Wie primitiv und durchschaubar das ganze Vorgehen ist: Oh Wunder wir haben festgestellt, wenn der Dislike-Count nicht erscheint, wird der Dislike-Button weniger geklickt…. ja natürlich – warum soll ich ihn klicken, wenn ich keine Rückmeldung bekomme?

Was ist die Folge?

1. Man muss mehr Schrott-Videos anschauen, weil man anhand eines schlechten like-dislike-Verhältnisses keine Vorahnung bekommt.

2. Creator bekommen kein Feedback mehr

3. Der Youtube Algo kann dislikes nicht mehr einbeziehen, weil die Datenbasis fehlt.

4. Man wird häufig kurze Kommentare mit Dislike-Icon als Inhalt sehen, die dann durch Kommentar-Likes die Gesamt-Un-zufriedenheit ausdrücken… Ähnlich wie vorher, nur komplizierter.

YouTube-Chefin Susan Diane Wojcicki zeigt verstärkt ihre gewollte Intransparenz und Zensur-Denke.

Dislike!

Antworten
Heike am 11.11.2021 um 11:32 Uhr

„Um die Creator zu schützen“

Vor Dislikes?!? Die armen Creators!!!

Dann soll man aber auch die positiven Likes ausblenden, ansonstne verzerrt es ja komplett das Bild.

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