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Trotz Sperrung von QAnon und Co. – Zuckerberg hält an Facebooks Ideal der Redefreiheit fest
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Trotz Sperrung von QAnon und Co. – Zuckerberg hält an Facebooks Ideal der Redefreiheit fest

Caroline Immer | 21.10.20

Kein Sinneswandel bei Facebook: Trotz der aktuellen Verbannung schädlicher Inhalte bleibt die Plattform bei der Auffassung, kontroverser Content sollte zugunsten der Redefreiheit bestehen bleiben dürfen.

Seit Beginn des Monats hat Facebook einige weitreichende Veränderungen eingeleitet, welche die Verbreitung von Hate Speech, Verschwörungstheorien und Fehlinformationen auf der Plattform eindämmen sollen. Dazu gehört etwa, dass alle Beiträge der Verschwörungsgruppe QAnon gelöscht wurden. Auch die lang geforderte Verbannung von Content, welcher den Holocaust leugnet, wurde endlich umgesetzt. Darüber hinaus sperrt Facebook nun Anzeigen, welche Menschen vom Impfen abhalten sollen oder könnten.

Viele User sowie Experten, welche sich schon länger Sorgen über die möglichen Auswirkungen, die jener Content auf Facebook in die Welt tragen kann, gemacht haben, dürften sich freuen. Doch die Hoffnung, dass Facebook seinen Umgang mit schädlichen Inhalten nun grundlegend ändern wird, bleibt unerfüllt. Wie Social Media Today berichtet, will Facebook an seinem ursprünglichen Ansatz, die Redefreiheit auf der Plattform weitestgehend zu bewahren, festhalten.

Der Grund für den kurzlebigen Wandel: Die US-Wahlen

Auf einem Meeting wurden Mitarbeitende darüber informiert, dass die aktuellen Änderungen nur aufgrund der baldigen US-Wahlen vollzogen wurden. Denn im Lichte dieser wird mit dem Potenzial für möglichen Schaden und Gewalt, welches durch Beiträge jener Art entstehen könnte, gerechnet. So erklärte Mark Zuckerberg:

This does not reflect a shift in our underlying philosophy or strong support of free expression. What it reflects is, in our view, an increased risk of violence and unrest, especially around the elections, and an increased risk of physical harm, especially around the time when we expect COVID vaccines to be approved over the coming months.

Der Wandel hätte nichts mit einer Erwartung vonseiten Facebooks, Joe Biden würde die Wahl gewinnen, zu tun, und einer damit verbundenen Anpassung der Richtlinien. Sobald die aktuellen Geschehnisse vorüber seien, würde Facebook keine weiteren Einschränkungen von Content auf der Plattform planen. Verschwörungstheorien und Desinformationen können also weiter verbreitet werden – solange sie nicht gegen die grundlegenden Regeln des Netzwerks verstoßen.

Facebook soll kein „Schiedsrichter der Wahrheit“ sein

Inwiefern Zuckerbergs – und damit Facebooks – wesentliche Einstellung zu schädlichen Inhalten auf der Plattform moralisch vertretbar ist, ist Ansichtssache. Das riesige soziale Netzwerk kann ein wahrer Nährboden für Fehlinformationen sein, welche auch außerhalb der Plattform Auswirkungen haben können. Insbesondere in Zeiten der Coronapandemie kann das gefährlich werden. So fand ein Bericht der gemeinnützigen Organisation Avaaz heraus, dass auf Facebook eine enorme Menge an Desinformationen zu gesundheitlichen Fragen verbreitet wird. Dennoch ist auch Zuckerbergs Perspektive, Facebook solle kein „Schiedsrichter der Wahrheit“ sein, nicht unbegründet. So sollen Facebooks User selbst frei bestimmen können, worüber sie sich auf der Plattform austauschen wollen. Solange ein Beitrag kein Risiko für unmittelbar drohenden Schaden darstelle, solle die Redefreiheit bewahrt werden.

Das hat sicherlich auch geschäftliche Gründe. Denn je mehr Beiträge Facebook zulässt, desto mehr Engagement wird verzeichnet. Darüber hinaus ist es bei dem Ausmaß der Plattform gar nicht möglich, den Überblick über alle Inhalte zu bewahren. Dennoch bleibt es fraglich, ob Facebooks Ansatz, nur Inhalte zu sperren, welche unmittelbar drohenden Schaden anrichten könnten, sinnvoll ist. Man denke etwa an Content, welcher den Klimawandel leugnet – der spätestens auf lange Sicht eine ernsthafte Gefahr darstellt. Auch Facebooks Sperrung von QAnon und Fehlinformationen zu Impfungen wirft Fragen auf. Womöglich hätte die Plattform viel Schaden bereits verhindern können, hätte sie jene Inhalte schon früher verbannt.

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