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Falsche Angaben zur Verschlüsselung bei Zoom: User bekommen keine Entschädigung
© visuals - Unsplash

Falsche Angaben zur Verschlüsselung bei Zoom: User bekommen keine Entschädigung

Caroline Immer | 10.11.20

Enttäuschung für Nutzende: Die US-Handelsaufsicht FTC hat trotz jahrelanger Falschangaben zur Verschlüsselung nun entschieden, Zoom von jeglichen Strafzahlungen oder Entschädigungen für User zu befreien.

Zoom hat seit mehreren Jahren mit einer stärkeren Verschlüsselung, als die Plattform für Videokonferenzen tatsächlich bieten konnte, geworben. Daraufhin musste sich Zoom gegenüber der US-amerikanischen Federal Trade Commission (FTC) verpflichten, seine Sicherheitsmaßnahmen zu verschärfen. Doch für User, welche auf eine Entschädigung gehofft hatten, gibt es schlechte Neuigkeiten: Zoom muss weder Strafzahlungen noch Kompensationszahlungen an Nutzende des Programms leisten, wie Heise Online berichtet.

Die FTC hat in einer Pressemitteilung ausgeführt, dass die seit 2016 von Zoom erklärte Angabe, die Plattform nutze 256-Bit-Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, fälschlich war. Darüber hinaus habe Zoom die Schlüssel selbst aufbewahrt und hatte dadurch die Möglichkeit, auf die Inhalte zuzugreifen. Trotz der folgenschweren Fehler entschieden sich die drei Republikaner, welche Teil der Kommission der FTC sind, gegen rechtliche Konsequenzen für Zoom – entgegen der Kritik der zwei Demokraten der Kommission. Zoom solle lediglich Schutzmaßnahmen entwickeln und Sicherheitsrisiken regelmäßig überprüfen.

Coronakrise verhilft Zoom trotz Sicherheitslücken zu großem Wachstum

Die Videokonferenz-Plattform ist trotz ihrer Sicherheitsmängel einer der großen Gewinner der Coronakrise und kann ein enormes Wachstum aufweisen. Die Nutzung der Plattform ist im Zuge der Pandemie immer weiter angestiegen – so erreichte Zoom schon Ende April die Marke von 300 Millionen täglichen Meeting-Teilnehmern. Durch diesen Anstieg wurden allerdings auch immer mehr IT-Experten auf die Sicherheitslücken der Plattform aufmerksam, woraufhin einige große Unternehmen wie Google die Nutzung von Zoom einstellten.

Vier Monate später, nämlich Ende Oktober, führte Zoom dann auch endlich die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für die Gratis-Version ein. Trotz dieser positiven Entwicklung ist es erstaunlich, dass die Plattform trotz der schwerwiegenden Verfehlungen ihren Nutzenden keinerlei Entschädigung bieten muss, und auch nicht anhand von Strafzahlungen zur Rechenschaft gezogen wird.

UPDATE

Wir haben am 11.11.2020 das folgende Statement von Zoom erhalten:

Die Sicherheit unserer Nutzer hat für Zoom oberste Priorität und wir haben uns mit den von der FTC festgestellten Problemen bereits befasst. Die heutige Einigung mit der FTC steht im Einklang mit unserem Bestreben zur Weiterentwicklung und Verbesserung unseres Produkts mit dem wir ein sicheres Videokommunikationserlebnis bieten. Das Vertrauen, das unsere Nutzer täglich in uns setzen, nehmen wir sehr ernst. Sie verlassen sich darauf, dass wir sie auch in dieser beispiellosen globalen Krise zuverlässig miteinander verbinden. Wir optimieren kontinuierlich unsere Sicherheits- und Datenschutzmaßnahmen und sind stolz auf die Fortschritte, die wir an unserer Plattform gemacht haben.