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Übernahme von WhatsApp und Instagram: US-Sicherheitsbehörden erwägen Kartellrechtsklagen gegen Facebook
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Übernahme von WhatsApp und Instagram: US-Sicherheitsbehörden erwägen Kartellrechtsklagen gegen Facebook

Niklas Lewanczik | 20.11.20

Die Übernahmen von Instagram und WhatsApp haben Facebook laut bundesstaatlicher Ermittler der USA zu einem wettbewerbsfeindlichen Monopol gemacht.

Die Untersuchungen der US-Behörden im Hinblick auf mögliche Marktmachtmissbräuche von Facebook dauern an. Ermittler der US-Bundesstaaten und die Federal Trade Commission sollen aber laut einem Bericht der Washington Post bereits Kartellrechtsklagen gegen das größte soziale Netzwerk mit seinen 2,74 Milliarden monatlich aktiven Usern vorbereiten.

Wettbewerber werden aus dem Weg geräumt

Im Bericht nimmt der Publisher Bezug auf drei Quellen, die mit den Ermittlungen vertraut sind. Die möglichen Anklagen sind nach Angaben dieser Personen ein Bestandteil einer potentiell umfassenden rechtlichen Auseinandersetzung mit Facebook. Das Unternehmen könnte sich der bislang größten Herausforderung im Rahmen von Kartellrechtsverfahren gegenübersehen. Bereits vergangenen Monat hatte das US-amerikanische Subcommittee on Antitrust, Commercial and Administrative Law of the Committee on the Judiciary in einem ausführlichen Bericht die Zerschlagung von Tech-Riesen wie Amazon, Apple, Google und auch Facebook in den Raum gestellt, nachdem allen eine überbordende Marktmacht (und auch ein Missbrauch dieser) attestiert worden war. Bereits in diesem Bericht wurde herausgestellt, dass Facebook Konkurrenten wie Instagram und WhatsApp gekauft habe, um die eigene Marktmacht zu stärken und Wettbewerber zu eliminieren.

Nun sollen die Kartellrechtsklagen auf eben diesem Vorwurf aufgebaut werden. Facebooks Übernahme von WhatsApp und Instagram habe dem Unternehmen in wettbewerbsfeindlicher Manier zur Schaffung eines beinah alternativlosen Monopols verholfen, heißt es in der Washington Post. Außerdem wird der Einsatz von Facebooks großen Datensets untersucht. Das Unternehmen, so ein weiterer Vorwurf, könnte seine Datenhoheit eingesetzt haben, um aufstrebende Wettbewerber frühzeitig aus dem Weg zu räumen (ein Beispiel könnte die Sperrung des Zugangs zu Facebooks Friends API für die Kurzvideo-App Vine sein; Vine konnte sich nicht auf dem Markt etablieren).

Noch sind die Untersuchungen nicht abgeschlossen und die Ermittler könnten zu anderen Schlüssen kommen als jenen, die im Bericht der Washington Post dargestellt sind. Weder Facebook noch die Federal Trade Commission haben die Möglichkeit der Klagen kommentiert. Facebook übernahm Instagram 2012 für eine Milliarde US-Dollar, WhatsApp wurde 2014 für 19 Milliarden US-Dollar gekauft. Der Umsatz des Unternehmens lag allein im dritten Quartal 2020 bei 21,47 Milliarden US-Dollar.