Transparency Report: TikTok entfernte 49 Millionen problematische Videos

TikTok veröffentlichte einen neuen Transparenzbericht. Obwohl eine deutliche Verbesserung der User-Sicherheit zu erkennen ist, wirft der Report noch einige Fragen auf.

© Kon Karampelas - Unsplash

TikTok steht immer wieder wegen erheblicher Datenschutzbedenken in der Kritik. Indien ging sogar so weit, die Kurzvideo-App und viele andere Anwendungen, die aus China stammen, zu verbieten. Um dem augenscheinlich wachsenden Misstrauen entgegenzuwirken, veröffentlichte TikTok nun einen neuen Transparency Report. Dieser beinhaltet beispielsweise detaillierte Informationen darüber, welche staatlichen Einrichtungen bei der App Daten angefragt haben oder wie viel Content von der Plattform entfernt wurde, weil dieser gegen die Richtlinien verstoßen hat. In dem Bericht wurden die Daten der letzten sechs Monate im Jahr 2019 offengelegt (1. Juli 2019 bis zum 31. Dezember 2019). Obwohl sich das Social-Media-Unternehmen um die größtmögliche Transparenz bemüht, bleiben doch einige Fragen offen.

Ein Großteil der gelöschten Videos stammt aus Indien

TikTok hat laut des Berichts 49.247.689 Clips entfernt, weil diese gegen die eigenen Richtlinien verstoßen haben. Dabei kommt der Großteil der gelöschten Videos aus Indien. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn neben China stammten die meisten TikTok User aus Indien. Aus dem Transparency Report lässt sich erschließen, dass die Kurzvideo-App circa 200 Millionen User in diesem Gebiet hatte – bevor sie vergangene Woche verbannt wurde.

TikTok transparency report

In Indien wurden mit Abstand am meisten Videos entfernt, Screenshot aus dem Transparency Report, © ByteDance

Dabei gibt TikTok an, dass eine Vielzahl der entfernten Clips nicht von Nutzenden gemeldet wurde, sondern von einem internen System:

Our systems proactively caught and removed 98.2% of those videos before a user reported them. And of the total videos removed, 89.4% were taken down before they received any views.

Es hat den Anschein, dass sich das Sicherheitssystem TikToks in den vergangenen Monaten stark verbesserte. Allerdings darf nicht vergessen werden, dass die Kurzvideo-App immer noch erhebliche Probleme mit dem Kinderschutz und dargestellter Ausbeutung von jungen Frauen hat.

Laut TikToks Transparency Report gab es keine Anfragen aus China

Ein weiterer interessanter Schwerpunkt in TikToks Transparency Report: Die Anfragen, die staatliche Behörden an die App gestellt haben, um zum Beispiel Content entfernen zu lassen, weil dieser dem örtlichen Gesetz widersprach. Viele Länder sind besorgt, dass die aus China stammende App von der dortigen Regierung genutzt werde, um andere Nationen auszuspionieren, sensible Daten zu sammeln oder Propaganda zu verbreiten. Auch der Vorwurf der Zensur steht im Raum. Überraschenderweise zeigt der Report, dass es keinerlei Anfragen aus China gegeben hat. Obwohl es diese demnach – gerade im Kontext der Zensur – massenweise gegeben haben müsste. Sind die Sorgen der anderen Länder also unbegründet?

TikTok Transparency Report

TikTok gab an, ausschließlich aus den aufgelisteten Ländern Anfragen erhalten zu haben, Screenshot Transparency Report, © ByteDance

TikTok beteuerte in dem Transparency Report, nur Anfragen aus den aufgelisteten Ländern bekommen zu haben:

TikTok did not receive any government requests to remove or restrict content from countries/markets other than those on the list above.

Ob das so stimmt, bleibt fraglich. Denn die App machte in den vergangenen sechs Monaten immer wieder Schlagzeilen, weil China-kritischer Content von der Plattform entfernt wurde. Ein Beispiel dafür ist die Sperrung eines User Accounts im vergangenen November, nachdem die Profil-Inhaberin offen die chinesische Regierung für ihren Umgang mit Muslimen kritisierte. 

Ist die Trennung von TikTok und Douyin der Grund für die fehlenden Anfragen? 

Ein möglicher Grund für die fehlenden Anfragen könnte die Trennung zwischen TikTok und der chinesischen Version der App Douyin sein. Diese basiert auf einem anderen System, das beispielsweise mehr User-Daten speichert und vielfältigere Möglichkeiten für den E-Commerce bietet. Douyin verfügt über Richtlinien, die eigens an die User Base in China angepasst wurden. Während bei Douyin systemkritische Clips gegen die Richtlinien verstoßen, soll dies bei TikTok nicht der Fall sein. China hätte also keine Grundlage, auf der eine Löschanfrage gestellt werden könnte.

ByteDance – das Unternehmen hinter TikTok – versucht die beiden Apps strikt zu trennen. Hierfür wurde bereits Ex-Disney-Streaming-Chef Kevin Mayer als internationaler CEO eingestellt und Mitarbeitenden in China der Zugriff auf Daten von Usern außerhalb des Landes entzogen. Ob diese Trennung wirklich der Grund für die fehlenden Anfragen aus China ist, bleibt fraglich.

Allerdings lässt TikToks neuer Report  hinsichtlich Transparenz und User-Sicherheit in den vergangenen sechs Monaten eine Verbesserung erkennen. Bleibt zu hoffen, dass diese Entwicklung in den kommenden Monaten weiterhin vorangetrieben wird.

TikTok veröffentlicht Transparency Report

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.