Microsoft-Mitarbeiter fordern geregelte Arbeitszeit für Tech-Unternehmen in China

Mitarbeiter Microsofts fordern für chinesische Kollegen eine Beschränkung der Arbeitszeit. Währenddessen werden Google Walkout-Organisatorinnen degradiert.

© Adi Constantin - Unsplash

In einem Brief, der bei der Entwicklerplattform Github veröffentlicht wurde, fordern Microsoft-Mitarbeiter, dass das sogenannte 996-Arbeitszeitsystem in China, das für Tech-Unternehmen gängig ist, aufgelöst wird. Dabei handelt es sich um ein Modell, bei dem von neun bis 21 Uhr gearbeitet wird, sechs Tage die Woche. Alibaba-Gründer Jack Ma ist ein starker Verfechter und Unterstützer des Systems. Die Mitarbeiter Microsofts fordern jedoch von den Tech-Unternehmen, dass diese ihren Mitarbeitern Arbeitszeiten gemäß des Arbeitsrechts einräumen, das heißt eine 40 Stunden-Woche und maximal 36 Überstunden im Monat. Laut der Website 996.icu müssten Arbeitnehmer im Falle der 996-Regelung das 2,275-Fache ihres Gehalts erhalten – was nicht der Fall ist.

Unternehmen wie Huawei oder Bytedance (TikToks Mutterunternehmen) haben dem Brief zufolge unannehmbare Arbeitsbedingungen vorzuweisen. Die globale Unterstützung für die Arbeitnehmer des Tech-Sektors in China resultiert auch aus der Argumentation, dass die Globalisierung einen Druck auf die arbeitende Gesellschaft ausübt, der die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes schürt.

History tells us that multinational companies will pit workers against each other in a race to the bottom as they outsource jobs and take advantage of weak labor standards in the pursuit of profit. We have to come together across national boundaries to ensure just working conditions for everyone around the globe.

Während sich die Microsoft-Mitarbeiter für bessere Arbeitsbedingungen in China einsetzen, sehen sich einige Organisatorinnen des Google Walkout, der im Zuge von Fällen sexueller Belästigung und fragwürdiger Prüfmechanismen für derlei Vorfälle organisiert worden war, mit beruflichen Einschränkungen konfrontiert. Der globale Protest der Googler hatte letzten Herbst für Aufmerksamkeit gesorgt. Wie WIRED nun berichtet, mussten zwei Organisatorinnen sogar Degradierungen hinnehmen. Ihnen wurden Rollen aberkannt und Arbeit entzogen, die Arbeitsatmosphäre ist zum Teil vergiftet, wie eine Organisatorin in einer Mail berichtete. Google gibt an, dass es sich hier keineswegs um eine Degradierung handele:

We prohibit retaliation in the workplace and investigate all allegations. Employees and teams are regularly and commonly given new assignments, or reorganized, to keep pace with evolving business needs. There has been no retaliation here.

Der Preis für den wichtigen Einsatz für einen Wandel in der Branche – auf verschiedenen Ebenen – kann hoch sein. Eine Reaktion, wie sie bei Google womöglich stattgefunden hat, ist nicht akzeptabel. Umso lobenswerter ist, dass sich die Arbeitnehmer weiter für bessere Arbeitsbedingungen einsetzen, weltweit.

Microsoft-Mitarbeiter fordern angemessene Arbeitszeiten in Chinas Tech-Szene

Über Niklas Lewanczik

Niklas Lewanczik

Niklas hat an der Uni Hamburg Deutsche Sprache und Literatur sowie Medien- und Kommunikationswissenschaften studiert und schreibt als Redakteur über Social Media, SEO und innovative Themen im Kontext des digitalen Marketing. Wenn er sich nicht gerade dem Marketing zuwendet, dann womöglich den Entwicklungen im modernen Fußball oder dem einen oder anderen guten Buch.

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