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„Help, I can’t escape ChatGPT Ads“: Werbung im großen Stil ausgerollt

„Help, I can’t escape ChatGPT Ads“: Werbung im großen Stil ausgerollt

Niklas Lewanczik | 24.03.26

OpenAI bringt die ChatGPT Ads in den USA für alle. Erste User sehen Werbung bei jedem Prompt. Die Advertiser sind noch nicht zufrieden.

Im Februar sind die ChatGPT Ads in den USA gestartet. Nur einen Monat später können die ersten Advertiser nicht nachweisen, dass sie wirklich funktionieren, wie The Information berichtet. Trotzdem oder vielleicht gerade deswegen werden die Anzeigen jetzt für alle Free und ChatGPT Go User in den Vereinigten Staaten ausgerollt. Das soll die Performance für Advertiser optimieren, OpenAI mehr Einnahmen bescheren und neue Daten zum Werbegeschäft liefern. Gleichzeitig wird die User Experience für die betroffenen ChatGPT User beeinträchtigt. Erste Nutzer:innen berichten von Werbung bei beinahe jedem Prompt im AI Chat.


ChatGPT Ads brechen mit OpenAIs Versprechen

Smartphone Mockup mit Ad bei ChatGPT, Wolken im Hintergrund
© OpenAI via Canva


Umfassender US Roll-out der ChatGPT Ads: Werbemonetarisierung auf Teufel komm raus?

Erwachsene User ab 18 Jahren sahen zuletzt in den USA auf ChatGPT die ersten Werbeanzeigen. Das gilt aber nur für jene, die ChatGPT Free und Go (für acht US-Dollar im Monat) nutzen. Genau diese User, die nichts oder nur wenig pro Monat für die ChatGPT-Nutzung zahlen, möchte OpenAI mit der Werbung monetarisieren. Deshalb wurde kürzlich auch der Roll-out für all diese User in der Region bekanntgegeben, nicht nur für die Testgruppe. OpenAI erklärte in einem Statement gegenüber Reuters:

OpenAI will begin showing ​ads to all users of the free ‌and Go versions of ChatGPT in the United States in the coming weeks.

Tatsächlich erscheinen die Anzeigen schon vielfach bei den Nutzer:innen ohne Abonnement oder mit dem vergünstigten Go-Abonnement. Der SEO-Experte Glenn Gabe berichtet auf X davon, mit seinem Free Account bei jedem neuen Prompt Ads zu sehen.

In einer Antwort im Thread zu seinem eigenen Post gibt er sogar an, immerzu neue Werbung zu sehen, egal wonach er sucht:

Help, I can’t escape ChatGPT ads… literally no matter what I search for, ads show up.

Diese Art der Werbeausspielung läuft OpenAIs Angaben vor dem Start des Werbemodells zuwider. Darin beschwichtigte man die User noch: Die Konversation werde nicht beeinträchtigt, ohnehin sollten die Ads nur hilfreiche Ergänzungen bieten und deutlich von der Antwort getrennt werden. Doch schon erste Erfahrungen mit der Werbung waren anders. Emily Forlini berichtete für PC Mag von ersten Ads, die sie auf ChatGPT gesehen hat. Forlini kritisiert, dass OpenAI die Anzeigen durchaus nicht immer als „hilfreiche und unterhaltsame“ Ergänzungen einführt. Vielmehr seien sie zum Teil ablenkend und unpassend. Eine Anzeige habe auf ihrem Smartphone Screen fast den gesamten Bildbereich eingenommen, sodass sie die Konversation kaum noch nachvollziehen konnte. Eine weitere Ad tauchte bei ihr im Rahmen einer Diskussion von Designthemen auf. Die Werbung ist für Canva, doch Emily Forlini gibt an, weder einen Besuch bei Canva noch eigene Designpläne geteilt zu haben. So sei die Ad für sie kaum relevant gewesen.

Yikes this ChatGPT ad is huge!! First one I’ve seen. How has Sam Altman spent the last year talking about how they would blend in and then this is the final product?

[image or embed]

— emilyforlini.bsky.social (@emilyforlini.bsky.social) 15. Februar 2026 um 16:27

OpenAI verstärkt Werbebemühungen und muss einen Balanceakt vollführen

Bisher kann sich OpenAI in Sachen Werbemonetarisierung noch keiner allzu großen Erfolge erfreuen. Gegenüber The Information gaben Executives von Agenturen, die für Werbungtreibende auf ChatGPT arbeiten, an, dass sie keine nennenswerten „Business Outcomes“ infolge der Werbung auf ChatGPT nachweisen konnten. Zudem können die Advertiser noch nicht automatisiert Inventar kaufen und bislang auf kaum relevante Daten für die Einordnung des Werbeerfolgs zurückgreifen.

OpenAI aber möchte die Werbemonetarisierung als Einnahmequelle unbedingt voranbringen. Laut The Information plant das Unternehmen zum einen, Advertisern eine Push-Option zu bieten, um ihre Ads noch öfter auszuspielen. Das würde mit der vielfachen Ausspielung, wie sie Glenn Gabe schon erlebt hat und wie sie viele US User sehen könnten, korrelieren. Zum anderen soll das Werbemodell rasch optimiert werden. Der Ex-Meta-Marketer Dave Dugan – immerhin zuvor Vice President of Global Clients and Agencies bei Meta – soll jetzt beim Thema Ad Sales unterstützen. Auf LinkedIn schreibt er:

[…] We’ll be scaling this team quickly, and looking for passionate talent who are ready to roll up sleeves and be central players in this critical moment in the industry. We’ll build the culture and experience together. Let’s go!

Unsicherheiten bestehen bei den Advertisern aber, solange der Einkauf und die Messung der Ads noch in den Kinderschuhen stecken. Zudem fürchten manche Advertiser, dass OpenAIs Adult Mode, dessen Start kürzlich verzögert wurde, das Werbegeschäft beeinträchtigen könnte.


Adobe, Audible und Co.

– Advertiser verraten, warum sie auf ChatGPT werben

OpenAI Branding
© OpenAI


OpenAI muss also schnell Lösungen finden, um sowohl Advertiser als auch User davon zu überzeugen, dass sich die Werbeerfahrung in den kostenfreien und Go-Varianten von ChatGPT langfristig lohnt. Andernfalls droht dem Unternehmen die Abwanderung beider Gruppen. Werbetreibende könnten sich beispielsweise an Google wenden, wo Ads im AI Mode stetig ausgebaut und mit Googles jahrelanger Werbeexpertise gemanagt werden – sogar Ads in Gemini könnten bald verfügbar sein.

Die User wiederum könnten auf Dienste wie Perplexity und Claude ausweichen, wenn sie mit allzu viel Werbung konfrontiert werden. Denn diese sollen auf jeden Fall werbefrei bleiben. Gerade Claude hat in jüngster Zeit viel Zulauf erhalten, auch aufgrund der Boykottaufrufe gegenüber OpenAI, die mit einem strittigen Pentagon Deal zusammenhängen. Fortune zitiert Daten von Larridin, die einen Nutzungs-Shift untermauern: Bei den analysierten Usern wurden in der Woche im Schnitt 38 Sessions mit Claude verzeichnet, aber nur 18 mit ChatGPT. Vor Kurzem konnte Claude auch ChatGPT in den App Store Charts überholen. Den Wechsel zwischen den AI Tools vereinfachte Claude ebenfalls, mit dem Memory Import Feature, das User einfach Erinnerungen von ChatGPT und Co. integrieren lässt.


Google deutet auf Werbung in Gemini hin

Google Gemini, Smartphone Mockups und Gemini-Schriftzug
© Google

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