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Unsichtbares ChatGPT-Wasserzeichen kommt in die EU: Was es verrät – und was nicht

Unsichtbares ChatGPT-Wasserzeichen kommt in die EU: Was es verrät – und was nicht

Larissa Ceccio | 06.10.26

ChatGPT-Texte sollen in der EU künftig besser als KI-generierte Inhalte erkennbar sein. OpenAI führt dafür unsichtbare Wasserzeichen mit der Methode textGrain ein, die über die Wortwahl ein statistisches Signal erzeugt.

OpenAI führt in der Europäischen Union unsichtbare Wasserzeichen für Texte aus ChatGPT und Codex ein. Der Roll-out soll in den kommenden Wochen starten und alle Abostufen umfassen. Damit reagiert das Unternehmen auf die Transparenzvorgaben des EU AI Acts, wie OpenAI in einem Blog-Beitrag erklärt.

Seit dem 2. August müssen Anbieter:innen generativer KI entsprechende Inhalte so kennzeichnen, dass sie maschinenlesbar als solche erkennbar sind. Für Bilder und Audio nutzt OpenAI bereits Herkunftsnachweise und öffentlich zugängliche Verification Tools. Nun folgt Text, wie OpenAI auch in einem begleitenden Post verkündet.

Für ChatGPT und Codex bleibt das Watermarking zunächst auf die EU beschränkt. Entwickler:innen können es über die OpenAI API dagegen schon jetzt weltweit für ausgewählte Modelle aktivieren. Standardmäßig ist die Funktion dort ausgeschaltet. Zum Start soll das Watermarking auch außerhalb der API nicht weltweit standardmäßig aktiviert werden.

Für die Kennzeichnung setzt das Unternehmen auf die eigens entwickelte Methode textGrain. Sie fügt dem Text keine sichtbare Markierung hinzu, sondern erzeugt über die Wortwahl des Modells ein statistisches Signal. Ein Detektor kann anschließend prüfen, ob dieses Muster im Text enthalten ist. textGrain soll später außerdem als Open Source veröffentlicht werden.



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Hand mit grüner Karte, AI Labels zur KI-Kennzeichnung, Textzug, beigefarbener Hintergrund
© European Commission via Canva


Unsichtbare Wasserzeichen für ChatGPT: So funktioniert textGrain

Mit textGrain lässt sich prüfen, ob ein Text wahrscheinlich mit einem OpenAI-Modell erstellt oder bearbeitet wurde. Dabei werden weder sichtbare Zeichen noch zusätzliche Metadaten ergänzt. Stattdessen wird während der Generierung die Wortwahl des Modells statistisch beeinflusst. Über viele einzelne Wortentscheidungen hinweg entsteht so ein Muster, das für Leser:innen unsichtbar bleibt, von einem Detektor aber erkannt werden kann.

Wie diese Gewichtung technisch umgesetzt wird, beschreibt OpenAI in einem gemeinsam mit Forschenden der University of Pennsylvania und Yale veröffentlichten Bericht. Vereinfacht gesagt nutzt textGrain einen geheimen Schlüssel, um bestimmte mögliche Folgewörter leicht zu bevorzugen. Erst aus der Vielzahl dieser gewichteten Wortentscheidungen ergibt sich das Muster, nach dem der Detektor später sucht.

Der Eingriff in die Wortwahl soll die Qualität der Antworten dabei nicht merklich verändern. OpenAI zufolge zeigten sich in den bisherigen Tests keine relevanten Unterschiede bei der Modellleistung. Auch auf Geschwindigkeit und sprachliche Qualität soll das Watermarking keinen nennenswerten Einfluss haben.

Bei längeren ChatGPT-Texten steigt die Erkennungsrate

Wie zuverlässig der Detektor das Wasserzeichen erkennt, hängt von der Länge und vom Inhalt des Textes ab. Bei Passagen aus dem Bereich Psychologie stieg die Erkennungsrate in OpenAIs Tests von etwa 80 Prozent bei 200 Tokens auf rund 95 Prozent bei 400 Tokens. Zugleich war der Detektor so eingestellt, dass er bei nicht markierten Texten in einem Prozent der Fälle fälschlicherweise ein Wasserzeichen melden durfte.

OpenAI-Diagramm zur Wasserzeichenerkennung bei Mathematik- und Psychologietexten mit 200 bis 400 Tokens.
Längere Texte lassen sich zuverlässiger erkennen als kürzere, © OpenAI

Bei mathematischen Antworten fiel die Erkennung deutlich schlechter aus. Dort gibt es meist weniger Möglichkeiten, einen Inhalt unterschiedlich zu formulieren. Entsprechend weniger Spielraum hat textGrain, über die Wortwahl ein stabiles Muster einzubauen.

Schon zehn Prozent neue Wörter schwächen das Wasserzeichen

Besonders anfällig ist die Erkennung für nachträgliche Bearbeitungen. Bei Passagen mit 400 Tokens lag die Erkennungsrate zunächst bei etwa 92 Prozent. Nach dem Austausch von zehn Prozent der Wörter durch Synonyme sank sie auf 66 Prozent, bei 25 Prozent ersetzten Wörtern auf nur noch 17 Prozent.

OpenAI-Diagramm zur Erkennungsrate von Wasserzeichen bei unbearbeiteten und bearbeiteten Texten mit 200 bis 400 Tokens.
Schon kleinere Änderungen senken die Erkennungsrate deutlich, © OpenAI

Auch Übersetzungen können das Signal stark abschwächen oder vollständig entfernen. Ein fehlender Treffer ist deshalb kein Beleg dafür, dass ein Mensch den Text verfasst hat. Umgekehrt kann der Detektor auch fälschlicherweise ein Wasserzeichen melden.

Wegen dieser möglichen Fehler stellt OpenAI den Detektor zunächst nicht öffentlich bereit. Zugang erhalten vorerst nur ausgewählte Forschende und Fachorganisationen, die dabei helfen sollen, die Zuverlässigkeit und sinnvolle Einsatzmöglichkeiten zu untersuchen.

Was OpenAIs Wasserzeichen nicht verrät

Vor diesem Hintergrund ist entscheidend, welche Schlüsse sich aus einem Treffer überhaupt ziehen lassen. OpenAI selbst formuliert dazu:

[Watermarks] can indicate that an OpenAI system generated or processed part of a passage, but not how much human judgment, editing, or creativity went into it.

Daraus folgen mehrere Einschränkungen:

  • Menschlicher Anteil: Ein Treffer zeigt nicht, wie viel Menschen selbst geschrieben, überarbeitet oder entschieden haben.
  • Urheber:innenschaft und Verantwortung: Das Wasserzeichen sagt nicht, wem ein Text gehört, wer dafür verantwortlich ist oder ob seine Nutzung rechtmäßig war.
  • Identität: Es lassen sich keine Personen, Organisationen, Accounts, Chats oder Prompts damit verknüpfen.
  • Richtigkeit: Ein Treffer sagt nichts darüber aus, ob Aussagen korrekt, irreführend oder aus dem Zusammenhang gerissen sind.

Damit liefert das Wasserzeichen einen Hinweis auf die mögliche Beteiligung eines OpenAI-Modells – aber keinen vollständigen Herkunfts- oder Authentizitätsnachweis.

Nach Anthropic setzt auch OpenAI auf Text-Wasserzeichen

OpenAI ist mit dem Schritt nicht allein. Anthropic versieht Texte neuerer Claude-Modelle bereits seit August weltweit mit einem Wasserzeichen. Nach Angaben des Unternehmens gilt dies für Modelle, die nach dem 2. August veröffentlicht wurden; ältere Modelle sollen nach und nach folgen. Die Entscheidung stieß jedoch auch auf Kritik. Einige Claude User argumentierten laut TechCrunch, sie selbst hätten Anweisungen, Kontext und Entscheidungen geliefert, während Claude lediglich als Werkzeug gedient habe.

Auch OpenAI beschäftigt sich schon länger mit der Kennzeichnung von KI-Texten. Bereits vor über zwei Jahren arbeitete das Unternehmen an einem Detector für ChatGPT-Texte. Ein entsprechendes Wasserzeichen hatte OpenAI damals ebenfalls entwickelt, zunächst aber nicht veröffentlicht. Laut einem Bericht des Wall Street Journal aus dem Jahr 2024 spielte dabei unter anderem die Sorge eine Rolle, User könnten zu Wettbewerber:innen ohne vergleichbare Kennzeichnung wechseln.

Mit den Transparenzpflichten des EU AI Acts endet diese Zurückhaltung. OpenAI muss KI-generierte Inhalte künftig maschinenlesbar kennzeichnen, aber anders als Anthropic beschränkt das Unternehmen den Roll-out zunächst auf die EU. Neben OpenAI und Anthropic haben sich auch Google, Meta und Microsoft verpflichtet, den EU-Verhaltenskodex für KI-generierte Inhalte einzuhalten.



Claude markiert jeglichen KI-Content
– doch die Lösung hat einen Haken

Anthropic-Logo auf orangefarbenem Hintergrund als Titelbild zum Urheber:innenrechtsvergleich um das KI-Unternehmen.
© Anthropic


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