Technologie
GPT-5.4 ist da: ChatGPT zeigt den Denkweg und bedient Software

GPT-5.4 ist da: ChatGPT zeigt den Denkweg und bedient Software

Larissa Ceccio | 06.03.26

ChatGPT wird transparenter und aktiver: Mit GPT-5.4 zeigt die KI ihren Lösungsplan, lässt sich während der Antwort steuern und kann erstmals Software wie Excel bedienen. OpenAI verspricht weniger Halluzinationen und bessere Ergebnisse bei komplexen Arbeitsaufgaben.

Mit GPT-5.4 treibt OpenAI die Entwicklung hin zu autonomen KI-Agents weiter voran. Im Alltag dürften Nutzer:innen die Änderungen schnell bemerken: Bei komplexeren Anfragen zeigt ChatGPT künftig zuerst den geplanten Lösungsweg. Während der Antwort lässt sich eingreifen und die Richtung anpassen, ohne den Prompt neu zu schreiben. Darüber hinaus bringt GPT-5.4 noch weitere größere Neuerungen mit. Dazu zählen ein deutlich größeres Kontextfenster, weniger Halluzinationen und erstmals native Fähigkeiten zur Computersteuerung. OpenAI positioniert das Modell vor allem für professionelle Aufgaben wie Tabellenkalkulationen, Präsentationen oder Dokumente. Passend dazu startet auch ein ChatGPT Add-in für Excel, mit dem sich Tabellen per natürlicher Sprache erstellen, analysieren und aktualisieren lassen. Parallel startet eine Codex App für Windows. Auf LinkedIn kommentierte der offizielle OpenAI Account den Release mit Blick auf die Benchmarks und die Funktionsbreite des Modells.

Das Update wird jetzt in ChatGPT, der API und in Codex ausgerollt. In ChatGPT läuft das Modell als GPT-5.4 Thinking, dazu kommt GPT-5.4 Pro für besonders komplexe Aufgaben. Laut OpenAI handelt es sich um das bislang leistungsfähigste und effizienteste Frontier-Modell für professionelle Arbeit.

Erst kürzlich hat OpenAI mit GPT-5.3 Instant dafür gesorgt, dass Antworten direkter formuliert werden und weniger häufig mit langen Warnhinweisen oder Einordnungen beginnen. Die Anpassung kam allerdings nicht ohne Kritik aus – einige Beobachter:innen sehen darin auch Risiken bei sensiblen Themen.



Zu viele Disclaimer?
OpenAI will ChatGPT mit GPT-5.3 Instant direkter machen

Grafik mit der Aufschrift „GPT-5.3 Instant“ vor einem farbigen Hintergrund, der das neue Update des ChatGPT-Modells von OpenAI symbolisiert.
© OpenAI


ChatGPT zeigt künftig den Lösungsweg und du kannst eingreifen

Bislang funktionierte ChatGPT für viele Nutzer:innen wie eine Blackbox. Man stellte eine Frage und erhielt eine fertige Antwort, ohne zu sehen, wie das Modell zu diesem Ergebnis kommt. Genau hier setzt GPT-5.4 an.

Screenshot der ChatGPT-Startoberfläche mit aktiviertem Modell „GPT-5.4 Thinking“ und Eingabefeld für neue Anfragen.
Die ChatGPT-Oberfläche mit GPT-5.4 Thinking zeigt das neue Reasoning-Modell, das bei komplexen Aufgaben zuerst einen Lösungsplan erstellt, © OpenAI

Bei komplexen Aufgaben zeigt GPT-5.4 Thinking zunächst den geplanten Lösungsweg. Nutzer:innen können eingreifen, bevor die Antwort vollständig generiert ist, und den Prozess anpassen. Gerade bei längeren Recherchen, Konzepten oder Analysen dürfte das den Workflow deutlich erleichtern. OpenAI erklärt außerdem, dass GPT-5.4 besser mit langen Gesprächen umgehen kann und Informationen aus der Web-Suche präziser zusammenführt. Auch bei der Zuverlässigkeit soll sich etwas getan haben. Laut dem Unternehmen sind einzelne Aussagen im Vergleich zu GPT-5.2 um 33 Prozent seltener falsch, komplette Antworten enthalten 18 Prozent weniger Fehler. Besonders stark positioniert OpenAI das Modell für professionelle Wissensarbeit. Beim GDPval-Benchmark, der Aufgaben aus 44 Berufen abbildet, erreicht oder übertrifft GPT-5.4 laut dem Unternehmen in 83 Prozent der Fälle Branchenexpert:innen. Auch bei Tabellenkalkulationen zeigt sich ein deutlicher Sprung: In internen Tests kommt GPT-5.4 auf 87,3 Prozent, während GPT-5.2 bei 68,4 Prozent lag.

Der Roll-out startet ab sofort. In ChatGPT ersetzt GPT-5.4 Thinking das bisherige GPT-5.2 Thinking für Plus-, Team- und Pro-Nutzer:innen. GPT-5.2 bleibt noch bis zum 5. Juni 2026 als Legacy-Modell auswählbar. GPT-5.4 Pro steht bei Pro- und Enterprise-Tarifen zur Verfügung.

ChatGPT zieht direkt in Excel ein

Parallel zum Modell-Update erweitert OpenAI auch die Integration von ChatGPT in klassische Arbeits-Software. Mit einem neuen ChatGPT Add-in für Excel können Nutzer:innen Tabellen direkt per natürlicher Sprache erstellen, analysieren oder aktualisieren. Statt Formeln manuell aufzusetzen, lassen sich etwa komplette Tabellenblätter, Finanzmodelle oder Projekt-Tracker einfach beschreiben. ChatGPT erstellt daraus automatisch strukturierte Tabellen inklusive Formeln und Formatierung.

Darüber hinaus kann das Tool bestehende Arbeitsmappen analysieren. Nutzer:innen können Fragen zu Daten stellen, Trends über mehrere Tabellenblätter hinweg erkennen lassen oder sich Berechnungen erklären lassen. ChatGPT verknüpft Antworten dabei direkt mit den referenzierten Zellen und zeigt, auf welche Daten sich die Analyse bezieht. Fehler in Formeln, inkonsistente Beschriftungen oder doppelte Einträge lassen sich ebenfalls automatisch identifizieren und korrigieren.

Auch bei Änderungen bleibt der Prozess nachvollziehbar. Das System erklärt seine Schritte, erhält bestehende Formeln und Formatierungen und fragt vor größeren Anpassungen nach Bestätigung. So sollen Nutzer:innen nachvollziehen können, wie Ergebnisse entstehen und Änderungen bei Bedarf rückgängig machen.

Das Add-in ist derzeit als Beta für Plus-, Pro-, Business-, Enterprise- und Edu Accounts verfügbar und wird zunächst in den USA, Kanada und Australien ausgerollt. Die Integration fügt sich in OpenAIs Strategie ein, ChatGPT stärker als Werkzeug für reale und komplexe Arbeitsprozesse zu positionieren, etwa für Datenanalysen, Finanzmodelle oder Projektplanung direkt in bestehenden Office-Umgebungen.

Von Antworten zu Aktionen: GPT-5.4 steuert Programme und Tools

Der größere Sprung steckt allerdings hinter der ChatGPT-Oberfläche. GPT-5.4 ist laut OpenAI das erste Allzweckmodell des Unternehmens mit nativer Computernutzung. Agents können damit Software bedienen, Screenshots analysieren und mehrstufige Workflows über verschiedene Anwendungen hinweg ausführen. Auch Benchmarks zeigen laut OpenAI deutliche Fortschritte. Beim OSWorld-Test zur Computernutzung erreicht GPT-5.4 75 Prozent, während GPT-5.2 bei 47,3 Prozent lag.

Zusätzlich bringt das Modell eine Suche für große Tool-Ökosysteme. Agents können dadurch passende Werkzeuge effizienter auswählen, ohne jede Tool-Definition vollständig im Prompt zu laden. Unter der Haube integriert GPT-5.4 außerdem die Coding-Stärken von GPT-5.3-Codex. Laut OpenAI soll das Modell besonders bei komplexen Frontend-Aufgaben bessere Ergebnisse liefern. Auch die visuelle Verarbeitung wurde verbessert. GPT-5.4 kann hochauflösende Bilder mit bis zu 10,24 Megapixeln analysieren, etwa bei Dokumenten, Interfaces oder visuellen Inhalten.

Isometrische Freizeitpark-Simulation im Browser mit Karussell, Wegen und Parkstatistiken, erstellt mithilfe von GPT-5.4 aus einem einzigen Prompt.
Dieses Freizeitpark-Simulationsspiel entstand aus einer einzigen kurzen Vorgabe mit GPT-5.4. Das Modell generierte Code, Assets und Gameplay-Logik; Playwright wurde genutzt, um Browser-Tests und Gameplay-Abläufe automatisch zu prüfen, © OpenAI

Parallel baut OpenAI auch Codex weiter aus. Mit der neuen Windows App sollen Entwickler:innen mehrere Agents parallel einsetzen, Routineaufgaben automatisieren und Workflows direkt in ihrer Entwicklungsumgebung steuern können. OpenAI betonte in einer Mail an das Team von OnlineMarketing.de, dass sich die Zahl der wöchentlich aktiven Codex-Nutzer:innen inzwischen auf über 1,6 Millionen verdreifacht und die Nutzung mehr als verfünffacht hat. Die macOS App soll in der ersten Woche bereits mehr als eine Million Downloads erreicht haben. Für die Windows-Version haben sich außerdem schon mehr als 500.000 Entwickler:innen auf die Warteliste setzen lassen.

Screenshot der Codex-Oberfläche mit GPT-5.4, die ein neues Projekt („Let’s build recipe-app“) zeigt und Vorschläge für KI-gestützte Entwicklungsaufgaben anzeigt.
Die Codex-Oberfläche mit GPT-5.4 zeigt, wie Entwickler:innen Projekte direkt mit KI planen und umsetzen können, © OpenAI

Noch lässt sich schwer abschließend beurteilen, wie stabil GPT-5.4 in allen realen Arbeitsumgebungen performt. Viele Leistungsversprechen basieren auf Benchmarks und Tests von OpenAI selbst. Wenn sich die angekündigten Fähigkeiten in der Praxis bestätigen, könnte das Modell vor allem für Entwickler:innen, Teams und Wissensarbeit einen neuen Standard setzen.



Claude toppt App Store Charts und ChatGPT vor Boykott
– mitten im Kriegstaumel

schwarzer Mauszeiger, weißes Symbol mit Punkten an Strichen, rosafarbener Hintergrund
© Anthropic via Canva

Kommentare aus der Community

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*
*