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Immer mehr Meta AI Glasses – diese Apps sollen sie für dich aufspüren

Immer mehr Meta AI Glasses – diese Apps sollen sie für dich aufspüren

Larissa Ceccio | 24.08.26

Smart Glasses werden gerade vom Tech Gadget zum Massenprodukt – und damit wachsen auch die Privacy-Probleme. Apps wie Nearby Glasses, Antizuck und Zuckoff sollen Kamerabrillen in der Nähe aufspüren. Nearby Glasses wurde allein im Google Play Store bereits mehr als 100.000 Mal heruntergeladen. Doch die Apps haben einen ziemlich großen Haken.

Die Nachfrage nach Meta AI Glasses und anderen Smart Glasses wächst. 2025 wurden bereits mehr als sieben Millionen Meta-Brillen verkauft. Bis Ende 2026 könnte die jährliche Produktion laut Bloomberg auf mindestens 20 Millionen Stück steigen. Damit tauchen die Kamerabrillen immer häufiger im Alltag auf und mit ihnen ein ungelöstes Problem: Für Menschen in der Umgebung ist oft schwer zu erkennen, ob sie gerade gefilmt werden. Die kleine Aufnahme-LED bietet nur begrenzten Schutz, denn sie lässt sich verdecken oder manipulieren.

Die Electronic Frontier Foundation (EFF) warnt deshalb davor, dass die Technik ohne strengere Regeln noch invasiver werden könnte. Besonders heikel wären Funktionen wie Gesichtserkennung. Sie könnten nicht nur heimliche Aufnahmen erleichtern, sondern auch den Missbrauch für Deepfakes oder intime Inhalte ohne Einwilligung erleichtern.

Einige Schulen, Gerichte, Restaurants und Veranstaltungsorte ziehen bereits Konsequenzen und verbieten Smart Glasses. Selbst auf der Hacker-Konferenz DEF CON 2026 sollen die Brillen komplett untersagt worden sein. Das löst das Problem allerdings nur bedingt: Ein Verbot hilft wenig, wenn niemand bemerkt, dass überhaupt eine KI-Brille im Raum ist.

Genau dafür entstehen jetzt Apps. Nearby Glasses, Antizuck oder Zuckoff suchen nach Bluetooth-Signalen von Ray-Ban Meta, Oakley Meta oder Snap Spectacles und sollen warnen, wenn sich eine solche Brille in der Nähe befindet. Wie Ars Technica berichtet, können die Apps allerdings nur erkennen, dass eine Brille da ist – nicht, ob sie gerade filmt.

Wo ein Trend entsteht, lässt der Gegentrend meist nicht lange auf sich warten. DuckDuckGo kontert den Smart Glasses Hype mit den Normal F***ing Sunglasses, ohne Kamera, ohne KI. Und ja, genau die kannst du tatsächlich kaufen. Der erste Schwung war innerhalb weniger Tage ausverkauft.



Geschäft mit der KI-Skepsis:
DuckDuckGos Normal F***ing Sunglasses schon ausverkauft

Sonnbrille mit DuckDuckGo- und Knockaround-Logo, schwarz, dahinter Textzüge Schwarz auf Grau
© DuckDuckGo, Knockaround


So spüren Apps Meta-Brillen auf

Viele Smart Glasses lassen sich äußerlich kaum noch von gewöhnlichen Brillen unterscheiden. Apps sollen deshalb zumindest dabei helfen herauszufinden, ob sich eine mögliche Kamerabrille in der Nähe befindet. Apps wie Nearby Glasses, Antizuck Smart Glasses Scanner oder Zuckoff scannen dafür Bluetooth-Signale in der Umgebung. Smart Glasses senden solche Signale unter anderem aus, um sich mit einem Smartphone zu verbinden. Die Apps versuchen daraus abzuleiten, ob sich beispielsweise eine Ray-Ban Meta, Oakley Meta oder Snap Spectacles in der Nähe befindet.

Nearby Glasses ist inzwischen kostenlos und wurde allein im Google Play Store bereits mehr als 100.000 Mal heruntergeladen. Die Open Source App scannt die Umgebung nach Bluetooth-Kennungen von Smart Glasses und schickt eine Warnung, wenn sie ein passendes Gerät entdeckt. Sie sammelt laut Google Play keine Nutzer:innendaten und enthält keine Werbung.

Im Juli schaffte es auch der Antizuck Smart Glasses Scanner weit nach oben in die US iPhone App Charts. Eine Highschool-Lehrerin bezeichnete die App, als sie noch 2,99 US-Dollar kostete, in einer Bewertung sogar als die „besten drei Dollar“, die sie je ausgegeben habe. Sie begründete ihre Bewertung mit der Sorge, dass Schüler:innen AI Glasses für unerwünschte Aufnahmen im Unterricht nutzen könnten. Inzwischen kostet die App im US App Store 4,99 US-Dollar.

Die kostenlose iPhone App Zuckoff kann noch mehr. Sie gleicht Bluetooth-Signale mit bekannten Gerätekennungen ab, versucht so, das konkrete Smart-Glasses-Modell zu identifizieren, und schätzt anhand der Signalstärke sogar dessen Entfernung. Die App startete Anfang August, wurde laut Entwickler Pawel Szydlowski bereits mehrere Tausend Mal heruntergeladen und soll später auch für Android erscheinen. Zuckoff kommt dabei ohne Account, Server oder Analytics aus. Erkannte Geräte bleiben auf dem Smartphone gespeichert, solange Nutzer:innen die Daten nicht selbst exportieren.

Damit Zuckoff einzelne Smart-Glasses-Modelle erkennen kann, suchte Szydlowski auf Instagram und Reddit nach Besitzer:innen verschiedener Brillen und bat sie um die jeweilige Bluetooth-Gerätekennung. Die App gleicht diese Kennungen mit Signalen in der Umgebung ab und schätzt anhand der Signalstärke, wie weit eine Brille entfernt ist,[wobei sie eine Ray-Ban Meta im Test von Ars Technica korrekt erkannte und die Entfernung als „in Reichweite eines Arms“ einstuft. Für noch unbekannte Gerätekennungen kann Zuckoff zusätzlich nach den ausgesendeten Gerätenamen suchen, allerdings weniger zuverlässig. Für dauerhaftes Scannen im Hintergrund kostet Zuckoff Pro 9,99 US-Dollar pro Jahr, die erste Woche ist kostenlos. Unter iOS ist beim Scannen im Hintergrund die Erkennung allerdings auf eine begrenzte Zahl bekannter Bluetooth-Kennungen beschränkt.

Der große Haken: Die Apps wissen nicht, ob du gefilmt wirst

So nützlich die Apps wirken, das eigentliche Problem lösen sie nicht: Ob die Kamera gerade läuft, können sie nicht erkennen. Eine Warnung bedeutet nur, dass sich vermutlich eine eingeschaltete Smart-Brille in der Nähe befindet.

Auch darauf sollte man sich nicht blind verlassen. Wände, andere Personen oder unbekannte Gerätekennungen können die Bluetooth-Erkennung stören, Fehlalarme sind möglich. Ars Technica zufolge raten die Anbieter:innen der Detector Apps deshalb davon ab, jemanden allein wegen einer Warnung des Filmens zu beschuldigen.

Trotzdem ist die Nachfrage da. Schon die Möglichkeit, einen Raum nach Smart Glasses zu scannen, scheint vielen ein besseres Gefühl zu geben. Dass solche Anwendungen überhaupt gebraucht werden, zeigt zudem ziemlich gut, wo das Problem liegt: Im Zweifel müssen die Menschen vor der Kamera selbst herausfinden, ob überhaupt eine Kamerabrille in ihrer Nähe ist. Ob tatsächlich aufgenommen wird, können sie trotzdem nicht wissen.

Das eigentliche Problem ist die Kamera im Gesicht

Beim Smartphone ist Filmen meist ziemlich offensichtlich. Jemand holt das Handy heraus, richtet die Kamera auf dich und startet die Aufnahme. Bei Smart Glasses fällt dieser sichtbare Moment fast komplett weg. Wer die Brille trägt, muss im Zweifel nur in deine Richtung schauen.

Meta setzt deshalb auf eine kleine LED an der Vorderseite der Brille, die bei Foto- oder Videoaufnahmen leuchtet. Cooper Quintin von der Electronic Frontier Foundation hält diesen Schutz allerdings für kaum ausreichend und bezeichnete die Anzeige gegenüber Ars Technica als nahezu „nutzlos“.

Meta hat inzwischen Schutzmechanismen eingebaut, die die Kamera deaktivieren sollen, wenn die LED verdeckt wird. Künftig soll das auch funktionieren, wenn die Leuchte beschädigt oder bewusst zerstört wurde. Das Grundproblem bleibt trotzdem bestehen. Die Person mit der Brille entscheidet, wann aufgenommen wird. Alle anderen müssen erst einmal merken, dass überhaupt eine Kamera auf sie gerichtet sein könnte. Gerade bei Sonnenlicht oder immer unauffälligeren Brillendesigns kann die kleine LED leicht übersehen werden.

Noch heikler könnte es mit Metas geplantem „Super Sensing“ werden. Wie wir bereits berichtet haben, soll die Funktion Smart Glasses zu einem permanent mitlaufenden KI-Assistant machen, der mithilfe von Kameras, Mikrofonen und KI deutlich mehr aus dem Alltag der tragenden Person erfassen könnte. Meta erwägt intern offenbar sogar, die Aufnahme-LED bei solchen Funktionen nicht dauerhaft zu aktivieren. Ob und wann „Super Sensing“ tatsächlich kommt, ist bislang offen.

Am Ende bleibt damit ein ziemlich grundlegendes Problem. Je mehr Smart Glasses im Alltag auftauchen, desto weniger kann Datenschutz davon abhängen, ob Umstehende eine winzige LED sehen, ein Verbot durchsetzen oder selbst per App nach Kamerabrillen suchen. Die Verantwortung darf nicht bei den Menschen vor der Kamera landen. Gerade wenn Meta die Produktion auf zig Millionen Geräte hochfährt und Funktionen wie Gesichtserkennung oder Super Sensing denkbar werden, braucht es klar erkennbare Aufnahmen, wirksame technische Schutzmechanismen und strengere Regeln. Apps wie Zuckoff können warnen, lösen das Problem aber nicht.



Meta Smart Glasses:
„Super Sensing“ schürt Sorgen um die Privatsphäre und stellt Metas Datenschutzversprechen infrage

Meta Smart Glasses, dunkel, vor rosafarbenem Hintergrund
© Meta via Canva



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