Social Media Marketing
WhatsApp bringt Konten für Kinder: Eltern verwalten

WhatsApp bringt Konten für Kinder: Eltern verwalten

Niklas Lewanczik | 12.03.26

Verfrüht oder notwendig? Auf WhatsApp starten jetzt durch Eltern verwaltete Konten für Pre-Teens. Die Eltern entscheiden über Funktionen und Kontakte.

Eigentlich ist WhatsApp erst ab 13 Jahren erlaubt – wie viele andere Social-Media-Dienste auch. Doch diese Schwelle ist jetzt Geschichte. WhatsApp führt von Eltern verwaltete Konten ein, mit denen Kinder im Alter von zehn bis zwölf Jahren ebenso die App nutzen können. Allerdings wird diese Nutzung nur von Eltern oder Erziehungsberechtigten gestartet und kontrolliert. Damit kann WhatsApp User noch früher an sich binden; und das in Zeiten, in denen heiß über Social-Media-Verbote für Kinder diskutiert wird.


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Globaler Roll-out für Status Ads und Promoted Channels

Werbung im WhatsApp Status auf Smartphone vor grünem Hintergrund
© WhatsApp via Canva


So funktionieren die durch Eltern verwaltete Konten auf WhatsApp

Ab jetzt gibt es WhatsApp-Konten für Pre-Teens im Alter von zehn bis zwölf Jahren. WhatsApp argumentiert, dass die App mit immerhin über drei Milliarden monatlich aktiven Usern ohnehin zum Kommunikationsalltag vieler Familien gehört. Das Unternehmen schreibt:

WhatsApp gehört schon längst zum Familienalltag – sei es, um auch die entfernten Verwandten über besondere Momente zu informieren, Nachmittagsaktivitäten nach der Schule zu planen oder den Liebsten zu schreiben, dass man heil zu Hause angekommen ist. In den kommenden Monaten führen wir durch Eltern verwaltete Konten schrittweise ein und freuen uns auf dein Feedback. Damit können wir WhatsApp stetig weiterentwickeln und Familien die sicherste und privateste Möglichkeit bieten, miteinander in Kontakt zu bleiben.

Auf Threads ansehen

Damit sollen jetzt auch Kinder die App nutzen können, jedoch mit drastischen Einschränkungen. Denn nur Eltern oder Erziehungsberechtigte können diese neuen Konten erstellen. Dazu können sie auch eine Kontoverknüpfung erstellen, um Kontrolle auszuüben. Für die Verknüpfung können sie einfach ihre Geräte neben die der Kinder halten und den Prozess starten. Dabei müssen Erwachsene ihr Alter und ihre Identität mit einem Selfie verifizieren. Über die Elternkontrollen können sie dann zunächst eine Eltern-Pin einrichten, um den Zugriff auf die App zu verwalten.

Eltern-Pin auf WhatsApp, © WhatsApp
Eltern-Pin auf WhatsApp, © WhatsApp

In der Folge haben die Erwachsenen die volle Kontrolle. Sie können die WhatsApp-Nutzung auf Nachrichten und Anrufe beschränken. Und sie entscheiden, mit welchen Kontakten das Kinderkonto in den Austausch geht und welchen Gruppen es sich anschließt. Außerdem verwalten sie die Nachrichteneinstellungen und können bei neuen Kontaktanfragen einen Warnhinweise erhalten. Hinweise lassen sich ebenso bei der Aktivierung selbstlöschender Nachrichten, bei Kontoanpassungen – etwa am Profilbild – sowie anderen Kontaktaktivitäten der Kinder einstellen.

So können die durch Eltern verwalteten Konten in der Praxis aussehen, © WhatsApp
So können die durch Eltern verwalteten Konten in der Praxis aussehen, © WhatsApp

Alle Nachrichten der neuen Konten sind Ende-zu-Ende-verschlüsselt und damit nicht für Dritte, auch nicht WhatsApp, einsehbar. Wenn die Kinder einmal 13 Jahre alt sind, können die Eltern einen Übergang zu einem Standardkonto gewähren. WhatsApp gibt dazu eine Informationsmeldung. Dann können Eltern den Übergang aber noch einmal um zwölf Monate verschieben, falls gewünscht.

Noch mehr Informationen zu den Möglichkeiten und Beschränkungen der neuen Konten teilt das Unternehmen auf einer dedizierten FAQ-Seite zur Familiensicherheit.

Zwischen Teilhabe und Ausschluss: Diskussion um den Umgang mit Plattformen für Kinder

WhatsApp ermöglicht also jüngeren Usern unter 13 Jahren fortan zumindest einen ersten Einstieg in die WhatsApp Experience. Zwar wird die App als Messaging App verortet, kann aber aufgrund der Funktionen wie Status, der an Instagrams Stories erinnert, und Channels ebenso Anspruch auf die Bezeichnung Social Media App erheben. Diese Social-Media-Optionen sollen nun für Kinder erstmal nicht verfügbar sein.

Gleichzeitig könnten Kinder auch ohne die Elternkontrolle WhatsApp-Konten einrichten und nutzen. Das gilt ebenso für andere Dienste von Meta wie Facebook, Threads oder Instagram und Plattformen wie TikTok, Reddit, Twitch und Co. Auch wenn das Mindestalter zumeist mit 13 Jahren angegeben wird und es bei einigen Plattformen die Notwendigkeit zur Altersverifizierung gibt, ist eine Nutzung durch Jüngere nicht ausgeschlossen. Ob Jugendliche bis 16 Jahre überhaupt soziale Medien nutzen dürfen, steht weltweit zur Diskussion. Viele Staaten erwägen ein Verbot, um die jungen Menschen vor den Auswirkungen und Gefahren auf den Plattformen zu schützen, von Hate Speech über Social-Media-Sucht bis hin zu arglistigen Kontaktaufnahmen. In Australien gibt es bereits ein Verbot für Jugendliche unter 16 Jahren; Kritiker:innen sehen indes wenig Vorteile in diesem kategorischen Ausschluss und wünschen sich mehr Moderation und Kontrolle. Die müssten allerdings die Plattformbetreiber:innen liefern. Die Politik hingegen setzt oftmals mit der Verbotsstruktur an. Auch in Spanien wird ein solches Verbot eingeführt. Dort führt die Regierung neuerdings zudem ein KI-gestütztes Tracking Tool namens HODIO (Huella del Odio y la Polarización, in etwa: Spuren des Hasses und der Polarisierung) ein, um Hate Speech in den sozialen Medien zu ermitteln. Premierminister Pedro Sánchez möchte damit die Tech-Unternehmen zur Verantwortung ziehen und sagte:

If hate is already dangerous, social networks have turned it into a weapon of mass polarization that ends up seeping into everyday life. Today social networks are a failed state.


Social-Media-Verbote gewinnen Fahrt:

Auch Spanien möchte Zugriff unter 16 verbieten

Nach Australien: Social-Media-Verbot auch in Deutschland?
© Christopher Ott – Unsplash

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