Social Media Marketing
Hier hat Threads X überholt: Daten zeigen Power Shift

Hier hat Threads X überholt: Daten zeigen Power Shift

Larissa Ceccio | 19.01.26

Während X regelmäßig durch Kontroversen auffällt, profitieren andere Plattformen. Threads liegt auf dem Smartphone inzwischen vor X – nicht wegen einzelner Ereignisse, sondern als Teil eines längerfristigen Nutzungstrends. Auch Bluesky gewinnt an Nutzer:innen.

Threads überholt X – zumindest mobil. Schon im September 2025 lag Metas konversationsorientierte Social-Media-Plattform erstmals vor dem früheren Vorbild. Die Nutzungsdaten deuten auf einen längerfristigen Trend hin, nicht auf eine kurzfristige Reaktion auf aktuelle Kontroversen. Dennoch rücken im Rahmen der Debatten rund um X alternative Plattformen stärker in den Fokus. Auch Bluesky verzeichnete zuletzt steigende Download-Zahlen, der Ex-US-Präsident Barack Obama ist bereits seit März 2025 auf der progressiven Plattform zu finden. Die Plattform zählt mittlerweile knapp 42 Millionen registrierte Nutzer:innen. Im August 2025 lagen die registrierten Nutzerzahlen bei rund 38,7 Millionen.

Nach Auswertungen des Marktforschungsunternehmens Similarweb, auf die sich TechCrunch beruft, kam Threads Anfang Januar im Schnitt auf 141,5 Millionen täglich aktive Nutzer:innen auf iOS und Android. X lag im selben Zeitraum bei etwa 125 Millionen. Zum Wachstum von Threads dürften vor allem fortlaufende Feature-Erweiterungen beigetragen haben. Wer über K-Pop oder NBA diskutiert, findet bei Threads jetzt beispielsweise die passende Community: Die Plattform erweitert die Themenräume um über 100 neue und testet mit einem Label und Abzeichen zusätzlich Engagement Booster – ganz nach Reddit-Vorbild.



Threads wird zur Community-Plattform:
Über 200 Topic Spaces, Labels und Abzeichen

Screenshot der Threads App mit Suchergebnis „NBA Threads“, angezeigt werden Community-Name, Mitgliederzahl und aktuelle Beiträge
© Meta via Canva


Mobil vorn, im Web unangefochten

Auf Smartphones wächst Threads seit Monaten, während X dort stagniert oder leicht verliert. Bereits im September 2025 verzeichnet Threads erstmals mehr App User als X.

Liniendiagramm zeigt tägliche aktive mobile Nutzer:innen von X und Threads weltweit von Dezember 2024 bis Januar 2026. Threads steigt kontinuierlich von unter 100 Millionen auf knapp 150 Millionen, während X von rund 145 Millionen auf etwa 125 Millionen fällt.
Tägliche aktive Nutzer:innen von X und Threads auf iOS und Android weltweit, © Similarweb

Im Browser bleibt X hingegen führend. Similarweb misst für X.com rund 150 Millionen tägliche Web-Besuche weltweit, während Threads.com im einstelligen Millionenbereich liegt. Diese Diskrepanz erklärt, warum X trotz schwächerer mobiler Nutzung gesellschaftlich relevant bleibt. Politische Debatten, journalistische Diskurse und Breaking News entstehen weiterhin dort, wo Medien und Entscheidungsträger:innen aktiv sind.

Liniendiagramm zeigt tägliche Web-Besuche von X.com und Threads.com weltweit von Juli 2025 bis Januar 2026. X liegt konstant bei rund 140 bis 150 Millionen Besuchen pro Tag, Threads bewegt sich unter 10 Millionen.
Tägliche Web-Besuche von X.com und Threads.com weltweit, © Similarweb

Viel Engagement, verdichtete Aufmerksamkeit

X verweist entsprechend auf stabile, teils wachsende Aktivität. Produktchef Nikita Bier erklärte jüngst, der Start ins Jahr 2026 sei der engagement-stärkste Jahresbeginn in der Geschichte der Plattform gewesen. Gemeint sind vor allem Interaktionen wie Likes, Reposts und Kommentare.

Die Zahlen zeigen, dass X besonders dann viele Reaktionen auslöst, wenn politische Debatten dominieren. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass die Plattform insgesamt von mehr Menschen genutzt wird. Vielmehr entsteht ein großer Teil der Interaktion durch vergleichsweise kleine, aber sehr aktive Nutzer:innengruppen, die intensiv diskutieren, kommentieren und weiterverbreiten. Threads wird anders genutzt. Die App wird eher zwischendurch geöffnet, mobil und im Alltag. Weniger für zugespitzte politische Debatten, mehr für laufende Gespräche und Austausch.

Vertrauen, Struktur und Metas Hebel

Der Aufstieg von Threads im Mobile-Bereich fällt zeitlich mit massiver Kritik an X und dem zugehörigen Chatbot Grok zusammen. Im Zentrum stehen Vorwürfe, dass Grok zur Erstellung und Verbreitung sexualisierter Deepfakes genutzt wird, auch von Minderjährigen. In mehreren Ländern, darunter Großbritannien, in der Europäischen Union und Indien, laufen Ermittlungen. Darüber hinaus geriet Grok wegen weiterer Inhalte unter Druck, darunter virtuelle Companions wie ein sexualisiertes Anime-Girl im Korsett, antisemitische Aussagen, offene Hitler-Verehrung sowie der eingeführte Spicy Mode. Medienberichte dokumentierten zudem, dass der Chatbot extremistische Narrative reproduzierte, Holocaust-Zahlen relativierte und selektiv mit Inhalten über Elon Musk und Donald Trump umging.

Dennoch führen die Analyst:innen den Threads-Zuwachs nicht primär auf diese Kontroversen zurück. Die Daten sprechen für strukturelle Gründe. Threads profitiert von seiner Einbettung in den mobilen Alltag und von Metas Plattformstrategie. Cross Promotion innerhalb von Instagram sorgt zusätzlich für Reichweite. Mit nativen Direktnachrichten wurde Threads 2025 zudem funktional eigenständiger.

Die Nutzungszahlen stützen diese Entwicklung. Meta gab im August an, dass Threads weltweit über 400 Millionen monatlich aktive Nutzer:innen erreicht habe. Rund 150 Millionen nutzen die Plattform täglich.



Threads bringt Gruppen-Chats und DMs für Deutschland

3 Smartphone Mockups mit Threads-Nachrichten vor schwarzem Hintergrund
© Meta


Wohltätigkeitsorganisationen ziehen Konsequenzen

Parallel dazu ziehen erste Institutionen Konsequenzen aus der Entwicklung bei X, berichtete der Mediendienst Civil Society. Mehrere große Wohltätigkeitsorganisationen stellten ihre Aktivitäten auf der Plattform ein und verwiesen auf Sicherheitsrisiken im Zusammenhang mit KI-generierten Inhalten.

Zu den bekanntesten Abgängen zählt die Royal Society for the Protection of Birds, die ihre Konten auf privat stellte und historische Inhalte entfernte. Die Hilfsorganisationen Women’s Aid und Refuge stellten ihre Aktivitäten auf X ebenfalls ein. Refuge begründete den Schritt öffentlich mit dem eigenen Schutzauftrag.

Weitere Organisationen folgten, darunter Sport England, die British Association of Social Workers und das Royal College of Surgeons of England. Auch kleinere Initiativen wie Southall Black Sisters, H&F Giving, Global Legal Action Network, Melanoma Focus UK, der NCHC Charitable Fund, the Jordan Legacy, the Rivers Trust und York Travellers stellten ihre Aktivitäten ein oder verließen die Plattform stillschweigend. Die Digitalberaterin Madeleine Sugden weist darauf hin, dass sich trotz der Abgänge bislang kein klarer langfristiger Wandel abzeichne. Sie erklärte:

When there are still politicians, media outlets and journalists – the people to be influenced – are still on it, that’s a good reason for everybody to stay and just carry on with their blinkers on.

Ein breiterer Umbruch im Sektor, so Sugden, würde vermutlich erst dann einsetzen, wenn eine Institution mit der Strahlkraft von Macmillan oder dem British Red Cross den Schritt vollziehe. Entscheidend sei jedoch, dass der aktuelle Rückzug erstmals nicht abstrakt begründet werde, sondern mit konkreten, sichtbaren Risiken, die die Plattform selbst ermögliche.

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