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Social Media Marketing
Das Marketing-Potenzial von Erklärvideos
© Joey Huang - Unsplash

Das Marketing-Potenzial von Erklärvideos

Ein Gastbeitrag von Natalie Ediger | 25.06.20

Erfahre, warum Erklärvideos so effektive Marketing Tools sind, dass sie auch millionenschwere Umsätze generieren können und lerne, welche Elemente ein solches Video unbedingt benötigt.

Erklärvideos sind ein Trend im Content Marketing. Große, renommierte Unternehmen investieren in diese kurzen Powerclips sogar fünfstellige Beträge. Aber was genau verbirgt sich hinter der Zauberkraft von Erklärvideos? Ist der Hype gerechtfertigt? Und was kennzeichnet einen guten Erklärer? In diesem Artikel erfährst du, warum Erklärvideos solch effektive Marketingtools sind und welche Elemente ein Erklärvideo benötigt, um seine magische Wirkung zu entfalten.

Was sind Erklärvideos?

Falls du denkst, Erklärvideos sind schlichtweg Videos, die etwas erklären, hast du … nun ja eigentlich auch richtig geraten (zugegeben, so viel Interpretationsfähigkeit verlangt das gar nicht). Erklärvideos sind in der Tat Videos, die etwas Bestimmtes erklären. Aber lass mich das ein wenig genauer konkretisieren:

Ziel eines Erklärvideos ist es, Informationen über eine Marke, ein Produkt oder eine Dienstleistung auf unterhaltsame Art und Weise und in kurzer Zeit zusammenzufassen. So können selbst komplexe, trockene und langwierige Sachverhalte in Form einer spannenden Geschichte an die Zielgruppe vermittelt werden. Erklärvideos sind also eine Art moderner Pitch, um das Publikum von einem Produkt oder einer Dienstleistung in etwa 60 bis 120 Sekunden zu überzeugen, ohne aber als aufdringliche Werbung wahrgenommen zu werden. Warum haben sich jedoch ausgerechnet Erklärvideos zu einem so wirkungsvollen Instrument in der Unternehmenskommunikation entwickelt?

Warum sind Erklärvideos so wirksam?

Dropbox konnte mit einem Erklärvideo über 24 Millionen Dollar an Umsatz generieren und fünf Millionen Neukunden gewinnen. CrazyEgg wiederum hat dank eines Erklärvideos die Conversion Rate um 64 Prozent gesteigert. Kein Wunder also, dass Erklärvideos als die Geheimwaffe im Content Marketing gelten. Schließlich sind das Zahlen, von denen wir alle nur träumen können. Doch was genau differenziert ein Erklärvideo von anderem Content?

Überleg einmal, wie vielen Inhalten bist du auf unterschiedlichen Distributionskanälen in den letzten sieben Tagen begegnet? Was ist davon hängen geblieben? Kannst du dich denn überhaupt an den ganzen Content erinnern? Im Internet scrollen wir meistens einige Sekunden hoch und runter, im Fernsehen schalten wir wie wild durch die Kanäle, auf Instagram schmieren wir einmal kurz über das Smartphone Display bis der Algorithmus unseren News-Feed aktualisiert.

Wir leben im Zeitalter der Reizüberflutung. Unsere Aufmerksamkeitsspanne beträgt heute lediglich acht Sekunden. Von allen Seiten werden wir mit Werbung und Content übersät. Inhalte, die nicht innerhalb von kürzester Zeit unsere Aufmerksamkeit wecken konnten, werden schlichtweg ignoriert. Warum sind aber gerade Videos zu wirkungsvoll?

Vereinfacht dargestellt, besteht ein Erklärvideo aus einer Geschichte und beweglichen Bildern. 50 Prozent unseres Gehirns sind an der Verwertung visueller Inhalte beteiligt, wobei sich 70 Prozent der Sinnesrezeptoren im Auge befinden. Aus diesem Grund verarbeitet das menschliche Gehirn Bilder 60.000 Mal schneller als textbasierte Informationen und speichert diese besser im Gedächtnis ab.

Storytelling wiederum aktiviert ganz andere Teile des Gehirns als analytische Fakten. Dadurch ermöglicht es nicht nur einen langanhaltenden Lerneffekt, sondern baut auch eine emotionale Bindung zum Publikum auf. Daher können wir uns mit einer Geschichte besser identifizieren, sie leichter verstehen und sie uns wiederum besser merken.

Ein bekanntes Beispiel liefert Panaroma9 mit dem IT-Man und beweist, dass selbst ein technisches und eher trockenes IT-Thema mit Hilfe von Pixel Art Animation in eine unterhaltsame Geschichte verpackt werden kann:

Durch die Kraft des Storytellings, der visuellen Elemente, der Erzählstimme und Musik aktivieren Erklärvideos mehrere Sinne beim Zuschauer, wecken innerhalb kürzester Zeit die Aufmerksamkeit und schaffen eine stärkere Bindung zwischen dem Publikum und der Marke beziehungsweise dem Produkt. So viel zur wissenschaftlichen Begründung, warum Erklärvideos so viel Potenzial im Marketingbereich haben. Es gibt aber auch eine Reihe weiterer Gründe.

SEO und Shares

Video Content und Google sind beste Freunde – zumindest könnte man fast davon ausgehen. Denn Unternehmensseiten mit eingebetteten Videos erscheinen mit einer 53 Mal höheren Wahrscheinlichkeit auf der ersten Google-Seite als Seiten mit reinem Textinhalt. Grund dafür ist die meist höhere Verweildauer der Nutzer auf Seiten mit Video Content. Dies suggeriert präferierten Content an Google und verschafft deiner Seite somit ein höheres Ranking in der Suchmaschine.

Folgendes Lehrvideo von Tech Insider informiert die Zuschauer über die Tiefe des Ozeans:

Jetzt stell dir vor, du hättest all diese Fakten lediglich als Text vorliegen. Würdest du diesen überhaupt lesen? Damit das Erklärvideo auch wirklich in Googles engere Kreise kommt, sollte es umfassend optimiert sein: Alt-Tags, Videobeschreibung, Titel und gegebenenfalls Links sollten nicht fehlen. Auch ein Call-to-Action etwa im Rahmen einer E-Mail-Subscribe-Liste oder eines Links zur Webpage oder dem Online Shop ist sinnvoll, um die Zuschauer zum weiteren Handeln zu animieren.

Mehr Conversions

91 Prozent der Verbraucher bestätigen, dass sie sich ein Erklärvideo anschauen, um mehr über ein bestimmtes Produkt zu erfahren und 96 Prozent aller Konsumenten behaupten, dass ein Video bei Kaufentscheidungen hilfreich sei. Landing Pages mit Video Content verzeichnen sogar um etwa 80 Prozent höhere Conversions! In einer E-Mail steigt die Klickrate um sagenhafte 200 bis 300 Prozent, wenn Video Content enthalten ist. Viele Zahlen, eine Aussage: Erklärvideos sind absolute Power Weapons im Marketing.

Ein gutes Beispiel lieferte Dollar Shave Club im Jahr 2012: Mit viel Ironie und Humor ging das Video viral und hat dem Unternehmen in den ersten zwei Tagen nach der Veröffentlichung des Videos bereits über 12.000 Neukunden generiert. Heute zählt das Video bereits 26 Millionen Aufrufe.

Vielseitige Einsatzbereiche

Ganz anders als die meisten vielleicht vermuten würden, geht der Einsatzbereich von Erklärvideos weit über die Webpage und die sozialen Netzwerke hinaus. Erklärvideos bieten unzählige Einsatzorte, darunter beispielsweise Einführungen neuer Produkte oder Dienstleistungen, Fortbildungen, Rekrutierungen, Onboarding von neuen Mitarbeitern, interne Schulungen, während einer Präsentation oder als Eyecatcher auf einer Messeveranstaltung. Einfach überall, wo wir eine Botschaft mit Hilfe von visuell ansprechenden Inhalten im Bewusstsein der Zielgruppe verankern möchten, kommen Erklärvideos in Frage.

Das folgende Video ist im Rahmen einer Messeveranstaltung entstanden und sollte den nachhaltigen Recyclingvorgang von TPL demonstrieren. Das Video wurde in einer Endlosschleife abgespielt und konnte so vorbeigehenden Besuchern komplizierte Prozesse leicht verständlich vermitteln.

Viele Stilrichtungen

Für ein Erklärvideo gibt es eine Vielzahl an unterschiedlichen Animationsrichtungen. Je nach Company Image, Zielgruppe, Komplexität des Themas und des zur Verfügung stehenden Budgets kannst du ein Erklärvideo an deine individuellen Bedürfnisse anpassen. Zu den bekanntesten Stilarten gehören unter anderem die 2D- und 3D-Animation, Stop Motion, die Typografie, der Realfilm und die klassische Whiteboard Animation.

Wie wirkungsvoll und beeindruckend beispielsweise eine 3D-Animation sein kann, beweist Tinder in einem innovativen Video durch die jahrhundertelangen Hürden bei der Suche nach der richtigen Partnerschaft.

Mit zunehmender Technisierung können wir uns mit Sicherheit in Zukunft auch auf spannende interaktive Formate wie zum Beispiel interaktive Videos im Bereich von Erklärvideos freuen.

Im folgenden Rekrutierungsvideo von Deloitte erhalten Bewerber eine Übersicht zu den wichtigsten Firmenwerten, indem sie sich selbst durch einige Fragen klicken müssen. Auch wenn es generell kein klassisches Erklärvideo ist, bietet es durchaus einen guten Einblick, wie die Zukunft der Erklärvideos aussehen könnte.

© Deloitte, der Klick aufs Bild führt dich zum Video

Und wie entfalten Erklärvideos ihr volles Potenzial?

Damit das Erklärvideo aber auch wirklich zu einer Marketing-Wunderwaffe wird, muss es natürlich einige entscheidenden Kritikern erfüllen. Hier ist es unter anderem wichtig, genau zu analysieren, an wen sich das Erklärvideo richtet und welche konkrete Botschaft veranschaulicht werden soll. Einige Fragen, die du im Hinterkopf behalten kannst, sind Folgende:

  • Welches Ziel verfolge ich? Möchtest du einfach nur Brand Awareness schaffen, einen komplexen Prozess erläutern, oder mehr E-Mail Subscriber erhalten?
  • Wer ist die Zielgruppe? Damit das Video einen entscheidenden Mehrwert liefert, muss es auch den Pain Point des Kunden ansprechen. Heißt also, du musst genau wissen, wer die Zielgruppe ist, wie viel Hintergrundwissen bereitbesteht und welche Bedürfnisse sie hat.
  • Welches Problem soll das Produkt lösen und inwiefern kannst du es in eine anschauliche und emotionale Geschichte verpacken? Nur durch eine fesselnde Story mit geschlossenem Handlungsrahmen erfüllt ein Erklärvideo seinen Zweck.
  • Welche Stilart ist die richtige? Wie bereits erklärt, gibt es eine Vielzahl an Animationsrichtungen. Basierend auf den vorher festgelegten Zielen, dem Budget, der Zeit und Expertise solltest du sich für eine geeignete Stilrichtung entscheiden, die dein Thema bestmöglich inszeniert.

Natürlich reicht es nicht einfach auf einen Record Button zu drücken und auf ein atemberaubendes Endprodukt zu hoffen, welches die Conversions in die Höhe schießen lässt. Unabhängig davon, ob du mit einer Agentur kooperieren möchtest, oder dich lieber selbst an die Materie wagst, einige wichtige Elemente sollten in deinem Erklärer nicht fehlen:

  • Das Skript: Ein gut geschriebenes Skript ist die Grundvoraussetzung für ein erfolgreiches Erklärvideo und den weiteren Produktionsprozess. Innerhalb von etwa 90 Sekunden sollte es mit Hilfe von Storytelling die Pain Points der Kunden ansprechen und ihnen gleichzeitig die Lösung dafür, nämlich das Produkt oder die Leistung, präsentieren.
  • Charaktere: Charaktere schaffen eine emotionale Bindung zwischen dem Erzähler und dem Publikum. Je nach Art der Animation sind sie entweder per Hand gezeichnet oder computergeneriert (oder werden gespielt).
  • Voice Over: Eine Erzählstimme ermöglicht es, selbst komplexe Sachverhalte nachvollziehbar und zugänglich zu machen. Auf professionelle Sprecher, die die Artikulation und Tonalität genau beherrschen sowie zum Markenimage passen, sollte nicht verzichtet werden.
  • Sound Design: Musik und Sound aktivieren spezielle Neuronen im Gehirn, die sich auf unser Gefühlszentrum auswirken. Dadurch dienen musikalische Melodien als tragendes Element, um Emotionen zu erzeugen und bestimmte Botschaften zu betonen.

Fazit: Bereit für dein Erklärvideo?

Erklärvideos wecken Aufmerksamkeit, schaffen eine emotionale Bindung, ermöglichen es, deine Botschaft im Bewusstsein der Zielgruppe zu verankern und verleihen der Marke die notwendige Persönlichkeit – und das auch noch in vielerlei Bereichen und auf verschiedenen Distributionskanälen.

Damit ein Erklärvideo auch wirklich sein ganzes Marketing-Potenzial entfalten kann, sollte gerade das Marketing im Hintergrund stehen. Klingt verwirrend, gemeint ist aber, dass die Informationen in eine anschauliche und fesselnde Geschichte verpackt sein sollten und eben nicht als klassische Produktwerbung repräsentiert werden. Sonst verliert das Erklärvideo seine magische Wirkung.

Achte darauf, dass das Erklärvideo wirklich nur die relevantesten Produktinformationen in etwa 60 bis 120 Sekunden komprimiert und einen geschlossenen Handlungsrahmen aufweist. Definiere deine Ziele und Zielgruppe vorher genau und entscheide dich, je nach Komplexität des Themas, Produkts, Budgets und Company Images für eine passende Stilrichtung. Ein Erklärvideo mag ja ein aufwendiger Produktionsprozess sein – aber es lohnt sich. Video ist King – und das wird auch noch lange so bleiben.


Bibliographie:

Bellebaum, C., Thoma, P. and Daum, I., 2012. Neuropsychologie | Springerlink. Link.springer.com. [Accessed 18 June 2020] .

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