Social Media Marketing

YouTubes Super Chat promotet Hass und wird zur problematischen Werbeform

Bei Super Chat zahlen Nutzer für die Anzeige ihrer Kommentare im Live Stream. Das ruft aber oft Hate Speech auf den Plan, durch den Live-Charakter umso mehr.

YouTubes Super Chat, Screenshot YouTube, © Google Developers

Mit dem Feature Super Chat können YouTuber ihre Live Streams umfangreich monetarisieren. Das verschafft ihnen finanzielle Vorteile und kann auch weiteren Menschen zugute kommen, wenn etwa Spenden generiert werden. Allerdings wird diese Form der Promotion in Videos häufiger für die Verbreitung von Hate Speech instrumentalisiert; dieser Entwicklung sollte Einhalt geboten werden, damit Hass in diesem Format nicht weiter verbreitet werden kann.

Super Chat bietet Monetarisierungsoptionen und Live Gefahrenpotential

Als YouTube Super Chat im vergangenen Jahr eingeführt hat, ging es darum den Produzenten beim Videoportal mehr Möglichkeiten für die Monetarisierung ihrer Inhalte, insbesondere Live Streams, zu bieten. Aber auch Usern sollte insgesamt die Option gegeben werden stärker mit ihren favorisierten YouTubern zu interagieren. Super Chats, bei denen etwa bezahlte Kommentare hervorstechen, sind Bestandteil des Bestrebens. Die Super Chats können bis zu fünf Stunden am oberen Bereich eines Chats angepinnt bleiben, um für den User und seine Nachricht mehr Sichtbarkeit zu generieren; für diese hat er immerhin bezahlt.

Nun nutzen aber einige User dieses Feature ganz gezielt, damit über die Funktion bei Kanälen Hate Speech verbreitet wird. Davon hat Yoree Koh im Wall Street Journal berichtet. Auch CNET dokumentiert die Problematik. Demnach hatten Nutzer beim Kanal des rechten YouTubers Ethan Ralph im Nachgang des Anschlags auf die Tree of Life-Synagoge in Pittsburgh per Super Chat für die Promotion von Kommentaren bezahlt, die deutlich anti-semitische Äußerungen zum Inhalt hatten. So zahlte ein User fünf US-Dollar, um die tragische Tötung als ein Manöver (Falsche Flagge) darzustellen:

If you want to know if the Synagogue shooting was a false flag then check out the lucky Larry life insurance policies on those dead Jews.

Der Kanal, bei dem diese Fälle auftraten, Ralph Retort, wurde inzwischen von YouTube verbannt, weil auch seine Inhalte die Nutzungsbedingungen der Plattform verletzten. Während der Fall hier relativ klar liegt, sieht sich YouTube – ebenso wie die YouTuber – der Aufgabe gegenüber das Feature auf Kurs zu halten und die Monetarisierung nicht um jeden Preis zu akzeptieren.

Zwischen Profit und Integrität

Es ist nur logisch, dass die Produzenten bei YouTube mit Super Chat ihren Content noch weiter monetarisieren möchten. Auch YouTube selbst verdient kräftig mit. Laut Paul Richards von StreamGeeks und den Richtlinien zu Super Chat behält das Unternehmen 30 Prozent der Einnahmen ein. Dank dieser Option wird das Live Streaming über YouTube natürlich bereichert und das nicht nur finanziell. Immerhin werden Interaktionen und das Engagement überhaupt gefördert. Zudem kann in dem Super Chat for Good für gemeinnützige Organisationen gespendet werden.

Wenn aber gegen die Anzeigenrichtlinien bei YouTube verstoßen wird, kommt es zum Problem. Eine Sprecherin des Unternehmens gab gegenüber dem Wall Street Journal an:

Hate speech and content that promotes violence is prohibited on YouTube.

Daher spendet YouTube Einnahmen für Super Chats, die die Richtlinien verletzen, für wohltätige Zwecke. Die Sprecherin ergänzt:

We have also been working over the last several months to refine our policies on who has access to monetization features, and while this work is ongoing, we are dedicated to continuing to improve in the fight against hate online.

Bislang zählt zu den Voraussetzungen für Super Chat-Monetarisierung, dass der Kanal überhaupt monetarisiert wird, dass der eigene Kanal über 1.000 Follower hat und der Betreiber über 18 Jahre alt ist. YouTube muss jedoch die Regularien für die bezahlte Kommentarpromotion verschärfen, um zu verhindern, dass das Feature für die Verbreitung von Hate Speech genutzt wird, ja dass der Super Chat solche Kommentare also prominent darstellt und vermeintlich legitimiert. Trotz des Profitstrebens kann und darf eine solche Instrumentalisierung nicht zugelassen werden.

Es wird nun zur schwierigen Aufgabe die freie Meinungsexpression aufrechtzuerhalten und zugleich Hasskommentare zu identifizieren. Schließlich müssen sich YouTube, die Produzenten der Kanäle und im Idealfall auch die User bewusst sein, dass radikale, demokratiefeindliche oder einfach verantwortungslose User solche Optionen für die Verbreitung von Fake News, Hass oder Diskriminierung zu nutzen suchen. Hoffentlich gelingt es einer so populären und finanzstarken Plattform wie YouTube dem Einhalt zu gebieten und sich klar gegen derartige Formen der Nutzung zu stellen.

Über Niklas Lewanczik

Niklas Lewanczik

Niklas hat an der Uni Hamburg Deutsche Sprache und Literatur sowie Medien- und Kommunikationswissenschaften studiert und schreibt als Redakteur über Social Media, SEO und innovative Themen im Kontext des digitalen Marketing. Wenn er sich nicht gerade dem Marketing zuwendet, dann womöglich den Entwicklungen im modernen Fußball oder dem einen oder anderen guten Buch.

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