Politik

Kinderschutzmaßnahme: YouTube erwägt Entfernung aller Kindervideos von der Plattform

Nach zuletzt skandalträchtigen Aufdeckungen im Kontext von Kindervideos überlegt die Plattform derlei Clips in die YouTube Kids App zu verschieben. Für Advertiser und Creators könnte das Folgen haben.

© Leon Bublitz - unsplash

Das Wall Street Journal und weitere Medien berichten, dass YouTube in Erwägung zieht, jegliche Kindervideos von der Plattform in die Standalone App YouTube Kids zu verschieben. Nach den Angaben der Publisher, darunter auch The Verge, wird die Option von Google-Verantwortlichen geprüft. Zuletzt gab es viel Kritik, da massenhaft Kindervideos bei YouTube pädophile Kommentierung erfahren hatten. In der Folge löschte YouTube hunderte Kanäle und deaktivierte bei den meisten Kindervideos die Kommentarfunktion. Außerdem wird die Federal Trade Commission womöglich bei einer Untersuchung von Googles Praktiken auch diesen Aspekt bei YouTube unter die Lupe nehmen.

Ein gewagter Schritt steht im Raum

Wenn sich YouTube dazu entschließt, Kindervideos künftig nur noch bei YouTube Kids zu akzeptieren, könnte das für die Werbeeinkünfte einen mächtigen Dämpfer bedeuten. Denn die Popularität von Clips auch der jüngsten YouTuber ist groß, die Werbeplatzierungen, trotz des Aussetzens einiger Kampagnen während der letzten Skandale, sind wertvoll. Millionen von Werbe-Dollar könnten verloren gehen. Auf der anderen Seite gilt es, gerade die jüngsten YouTuber, aber auch Viewer zu schützen.

Doch allein der Aufwand, die zig Millionen Videos zu verschieben, wäre beträchtlich. Ein weiteres Problem ist die Frage der Sicherheit bei der App YouTube Kids selbst. Im frühen Stadium der App konnten unangemessene Videos auch dort lokalisiert werden, die graphische Darstellungen von Selbstmord, Pornographie etc. zeigten.

YouTube Kids soll Kiondern eine sichere Umgebung bieten

YouTube Kids soll Kindern eine sichere Umgebung bieten, © YouTube

Und selbst wenn eine Migration aller Kindervideos zu YouTube Kids gelingt und diese dort gut gesichert werden können, ist weiterhin fraglich, ob ihnen dann noch die erwarteten Views zuteil werden. Andernfalls könnte YouTube auch vonseiten der Creators Kritik erwarten.

Dass YouTube also tatsächlich den Schritt geht und die Kindervideos von der Hauptplattform entfernt, ist derzeit zwar eine Möglichkeit, es muss aber nicht so kommen. Gegenüber The Verge gab ein Sprecher an, man habe

lots of ideas for improving YouTube and some remain just that — ideas.

Schließlich muss die Videoplattform einen Weg finden, um die Kinder zu schützen; was angesichts der zahlreichen Gefahren auch für andere Social Media gilt. Und Richtlinien, die Hate Speech oder sexuell missbräuchliches Verhalten ablehnen, reichen allein nicht aus. Es wird sich zeigen, welches Moment für YouTube letztlich überwiegt. Ein regulatorischer Eingriff vonseiten der FTC ist ebenfalls denkbar. Immerhin muss über kurz oder lang für YouTube, aber auch Plattformen wie Facebook und Instagram eine Lösung gefunden werden, die für mehr Schutz der Nutzer und Creators sorgt; nicht nur für die Kinder, aber vor allem für diese.

Über Niklas Lewanczik

Niklas Lewanczik

Niklas hat an der Uni Hamburg Deutsche Sprache und Literatur sowie Medien- und Kommunikationswissenschaften studiert und schreibt als Redakteur über Social Media, SEO und innovative Themen im Kontext des digitalen Marketing. Wenn er sich nicht gerade dem Marketing zuwendet, dann womöglich den Entwicklungen im modernen Fußball oder dem einen oder anderen guten Buch.

2 Gedanken zu „Kinderschutzmaßnahme: YouTube erwägt Entfernung aller Kindervideos von der Plattform

  1. Torsten

    Wie wäre es denn mal, wenn YouTube darüber nachdenkt, IS-Videomaterial oder ähnliches Kriegsmaterial oder Propaganda von Gefährdern oder sonstigen Extremisten zu entfernen. Ich glaube, damit ist Kindern und jugendlichen deutlich mehr geholfen. Es ist krass zu sehen, wie extreme Videoinhalte ungefiltert veröffentlicht werden können. Selbst die Bestätigung 18 Jahre alt zu sein ist lächerlich. Solche Inhalte gehören einfach nicht rein, werden aber auch offensichtlich nicht geprüft. Wie schlimm muss es sein, wenn Angehörige immer wieder online sehen müssen, wie ihre Lieben getötet werden. Geht gar nicht!

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