Politik

YouTube bringt Faktencheck Feature bei kontroversen Themen

Wenn Nutzer bei YouTube nach kontrovers diskutierten Themen suchen, sollen sie bald einen Faktencheck dazu geliefert bekommen. Ein Test in Indien läuft bereits.

© Christian Wiediger - Unsplash

Schon bald wird bei YouTube per Faktencheck an den Nutzer weitergegeben, was unabhängige Partner zu diskutablen Themen angeben. Entsprechende Boxen mit Richtigstellungen sollen auftauchen, wenn beispielsweise nach Viren in Paracetamol oder Impfstoffen gesucht wird. Das derzeit in Indien getestete Feature soll bald global ausgerollt werden und umfassende Fehlinformationen auf der Plattform verhindern.

YouTube wehrt sich gegen Fehlinformationen und Verschwörungen

Jedes soziale Medium hat mit Fehlinformationen zu kämpfen, die auf den Plattformen gestreut werden. Nicht zu belegende Theorien von Impfgegnern, Flat Earthern etc. sollen bei Facebook, YouTube und Co. zahlreiche Menschen überzeugen. Die Videoplattform aber wehrt sich zusehends gegen Informationen, die objektiv als falsch eingestuft werden können. Zu Beginn des Jahres wurden bereits Empfehlungen für Verschwörungsvideos ausgeschaltet. Sogenannter „Boderline Content“, Videos deren faktische Darstellungen fragwürdig sind, sollen nicht mehr an die User weiterempfohlen werden.

Demnächst sollen direkt in der Suche Boxen mit einem Faktencheck folgen, die dann in Erscheinung treten, wenn die Nutzer nach Inhalten suchen, die als kontrovers bezeichnet werden können, weil sie mitunter womöglich subjektive Faktenlagen aufweisen. Wie BuzzFeed News berichtet, werden die sogenannten „Information Panels“ von geprüften Partnern bereitgestellt, wenn Content gesucht wird, der für Fehlinformationen besonders anfällig ist. Dabei werden diese Panels nicht in einzelnen Videos, sondern auf der Seite mit den Suchresultaten erscheinen. Derzeit ist das Feature in Indien im Test und liefert Informationen bei Suchanfragen auf Englisch oder Hindi.

Sucht ein Nutzer also beispielsweise nach „Virus in Paracetamol“, wird ihm eine Infobox präsentiert, die zunächst mit „Hoax Alert“, also einem Alarm für Falschmeldungen markiert ist.

Infobox bei kontroversem Thema auf YouTube in der Suche, © YouTube

Die Box klärt unter Berufung auf Googles Partner The Quint darüber auf, dass die virale Warnung vor Paracetamol einer Grundlage entbehrt, weil tatsächlich kein Virus in den Tabletten ist.

Ausweitung des Features ist geplant

Während die Funktion bislang auf Indien begrenzt war, soll sie in den kommenden Monaten global ausgerollt werden. Gegenüber BuzzFeed News gab ein YouTube-Sprecher an:

As part of our ongoing efforts to build a better news experience on YouTube, we are expanding our information panels to bring fact checks from eligible publishers to YouTube.

Gerade bei politischen Auseinandersetzungen, wie zuletzt zwischen Indien und Pakistan, würden Social Media mit Fehlinformationen geflutet. Daher sei der Faktencheck, der von ausgewählten und geprüften Publishern zur Verfügung gestellt wird, ein wichtiges Feature für das Verständnis der User.

Die Infoboxen der Publisher werden von YouTube automatisiert aus den Inhalten auf deren Seiten erstellt. Demnach müssen die Faktenchecks nicht manuell für einzelne Themen erarbeitet werden. Genau an diesem Punkt lässt die Funktion womöglich aber Kritik zu, denn eine zwar kontextuelle, aber nicht unbedingt explizit entwickelte Einordnung kann womöglich als unzureichende Betrachtung erkannt werden. Und auch hier müssen die Nutzer der Objektivität und der Seriosität der jeweiligen Publisher vertrauen. Nichtsdestotrotz sind diese Panels – sie erinnern gewissermaßen auch an die Info-Buttons zu Publishern bei Facebook – ein wichtiges Moment. Sie irritieren, selbst wenn mancher Nutzer von der Erde als Scheibe oder schädlichen Impfstoffen überzeugt ist. Und das ist schon einmal wichtig.

YouTube setzt sich damit dafür ein, dass Fehlinformationen auf der Plattform langfristig deutlich weniger Beachtung geschenkt werden soll. Das ist für das Unternehmen auch deshalb so wichtig, weil Werbetreibende im Umfeld solcher Kontroversen keine Ads ausgespielt haben möchten. Darüber hinaus mussten YouTube und andere Social Media sich in der Vergangenheit des Öfteren Kritik aussetzen, die auf die Verbreitung von Falschmeldungen über deren Plattformen abzielte.

Die Nutzer können ihre Empfehlungen und Suchergebnisse bei YouTube übrigens auch selbst verwalten. Und bald bekommen sie mit dem Faktencheck Feature noch ein Mehr an fundierten Hintergrundinformationen zu den Themen in der Suche.

Über Niklas Lewanczik

Niklas Lewanczik

Niklas hat an der Uni Hamburg Deutsche Sprache und Literatur sowie Medien- und Kommunikationswissenschaften studiert und schreibt als Redakteur über Social Media, SEO und innovative Themen im Kontext des digitalen Marketing. Wenn er sich nicht gerade dem Marketing zuwendet, dann womöglich den Entwicklungen im modernen Fußball oder dem einen oder anderen guten Buch.

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