Social Media Marketing

Wildlife Selfie Trend: Instagram führt Alarm zum Schutz vor der Ausbeutung von Tier und Natur ein

Nach monatelangen Recherchen des National Geographic und der Tierschutzorganisation World Animal Protection zur Ausbeutung von Wildtieren interveniert die Plattform.

© David Bokuchava | Adobe Stock

Hier ein Selfie mit einem süßen Faultier, dort ein Ausritt auf Elefanten, Koalas sind ja auch ganz niedlich und mit Delphinen würde wohl jeder gern mal schwimmen. Dass die Tiere oftmals als Geldmaschine für ihre Fänger herhalten und unter schlimmsten Konditionen leben müssen, ist derweil den wenigsten Touristen bewusst. Traurig aber wahr: Aufgrund eines zunehmenden Missbrauchs an Tieren und der Gefährdung der Umwelt hat Instagram jetzt ein Alert Tool ausgerollt, um User des Sozialen Netzwerkes für diese Themen zu sensibilisieren – und zwar vor dem Posten.

“Is it just me?” – Touristen sehen oft nur die Tiere, nicht aber das Leid dahinter. © Instagram

Bündnis gegen den Missbrauch von Tieren und der Zerstörung der Umwelt

Die Inhalte für Soziale Netzwerke, insbesondere für die visuellen Plattformen, müssen immer exklusiver und besonderer werden. Schnappschüsse aus dem Urlaub bringen weit weniger Interaktionen als Selfies mit süßen Wildtieren. Fotos und Videos mit umwelt- als auch tierschutzrelevanten Inhalten nehmen daher auf den visuellen Plattformen immer weiter zu.

Die Konsequenzen solcher Jagden nach dem ganz besonderen Etwas sind dabei den Wenigsten bewusst: Die Tiere fristen allzu häufig ein jämmerliches Dasein, sie stehen im Dienste ihrer Fänger und werden als reine Geldquelle missbraucht.

Auf den ersten Blick scheint das Bild nicht weiter schlimm. Doch häufig werden die Tiere illegal gefangen, unter schlimmsten Konditionen gehalten und ihr Wille gebrochen, damit sie als Touristanattraktion Geld verdienen können. © Instagram

Nach der Einführung eines Alarms bei suizidalen Inhalten auf Facebook sowie bereits funktionierenden Popup-Warnungen bei vermutetem selbstzerstörerischen Content oder Essstörungen auf Instagram folgt nun also ein Tierquäler Alert, wie der National Geographic exklusiv berichtet. Sobald ein User nach Wildlife-verwandten Hashtags, wie etwa #SlothSelfie oder #ElephantRide sucht, öffnet sich demzufolge ein Pop-up, das ihn für tierquälerischen und umweltgefährdenden Content sensibilisieren soll:

Sucht ein User nach Hashtags, die in Verbindung mit Tierquälerei und umweltschutzrelevanten Inhalten stehen, erscheint jetzt dieses Pop-up.

Klicht der User auf “Mehr dazu”, wird er zur Seite über die Ausbeutung von Wildtieren auf Instagram.com weitergeleitet, auf der er weiterführende Informationen erhält.

Instagram-Sprecherin Emily Cain gab gegenüber National Geographic an, damit bei Usern ein besseres Bewusstsein gegenüber Tieren und der Natur schaffen zu wollen.

We care about our community, including the animals and the wildlife that are an important part of the platform. I think it’s important for the community right now to be more aware. We’re trying to do our part to educate them.

Doch die Einsicht, dass man als reichweitenstarke Plattform mit über 800 Millionen Mitgliedern Verantwortung trägt, kam nicht ganz von allein: Instagram entschied sich für den Warnhinweis, nachdem der National Geographic und die Tierschutzorganisation World Animal Protection monatelang zur problematischen und wachsenden Industrie des Wildlife Tourismus im Amazonasgebiet recherchiert haben. Bedrohte Tierarten werden illegal im Regenwald gefangen und in kleine Käfige verfrachtet, aus denen sie lediglich für Touristenselfies herausgeholt werden.

#Slothselfie: Häufig sei das Besorgniserregendste nicht einmal das Foto selbst, sondern das, was auf dem Bild nicht zu sehen ist, so Cassandra Koenen, Head of Wildlife Campaigns bei World Animal Protection © Instagram

Wildlife Selfies sind auf Instagram ein Riesen-Trend

Instagram hat derweil mithilfe des WWF und TRAFFIC (einer Partnerorganisation von World Animal Protection, die den illegalen Handel mit geschützten Wildtieren bekämpft) Hunderte von Hashtags mit der obigen Warnung versehen, die häufig zu umweltgefährdenden oder tierquälerischen Inhalten führen. Dabei beschränkt sich die Plattform nicht nur auf englischsprachige Tags, sondern spielt diesen Hinweis ebenfalls etwa bei Hashtags in thailändischer oder indonesischer Sprache aus – Länder, in denen derartige Praktiken an der Tagesordnung sind. Eine Liste der betroffenen Hashtags will Instagram aber nicht veröffentlichen, da User selbst drüberstolpern sollen. Zudem besteht die Gefahr, dass sonst einfach andere Tags gewählt werden.

Die Warnung soll User auf die Missstände aufmerksam machen und dazu bewegen, ihr eigenes Handeln zu reflektieren. Denn oftmals steht hinter den beliebten Touristenfotos ja keine böse Absicht, doch ändert das nichts daran, dass sie extrem problematisch sind und zu Lasten der Tiere gehen.

Warum es schlichtweg falsch ist, solche Fotos zu machen, erklärt sich ganz einfach:

  1. Die Tiere sind meist illegal gefangen und ihres Lebensraumes beraubt worden.
  2. Das unnatürliche Umherreichen zwischen dutzenden Touristen täglich ist purer Stress für die Tiere.
  3. Die Haltungsbedingungen sind allzu häufig unterirdisch und nicht artgerecht.

Laut Animal World Protection sind fragwürdige Wildlife Selfies auf Social Media seit 2014 um 292 Prozent angestiegen. Das größte Problem ist, dass der Großteil der Touristen kein Problem sieht und sich keine Gedanken darüber macht, unter welchen Umständen das Tier dorthin gekommen ist oder zu welchen Konditionen es gehalten wird. Denn die Tiere sehen für den Otto-Normal-Touristen gesund und munter aus, wehren sich nicht und scheinen den Kontakt zu suchen. Dass sie großem Stress ausgesetzt sind, bemerkt kaum jemand. Die Tiere leiden still.

Es sollte eigentlich jedem zu denken geben, wenn Wildtiere als Geldquelle missbraucht werden. © Instagram

Warnhinweis soll auch illegalen Handel eindämmen

Häufig ist das Besorgniserregendste nicht einmal das Foto selbst, sondern das, was auf dem Bild nicht zu sehen ist, so Cassandra Koenen, Head of Wildlife Campaigns bei World Animal Protection: “Even if the cruelty isn’t right in front of you, [there’s] cruelty that’s behind the scenes to get to that point”. So fungieren etwa die Elterntiere der niedlichen Tiger- und Löwenbabys als reine Gebärmaschinen. Die Babys werden bereits in Gefangenschaft gezeugt und viel zu früh vom Muttertier getrennt, um mit ihnen Geld zu verdienen. Das ebenfalls ziemlich populäre Schwimmen mit Delphinen oder ein Ausritt auf Elefanten basiert auf einem schmerzvollen Leidensweg, den die Tiere gehen müssen, bis sie gezämt – oder besser: gebrochen – sind.

Doch darüber hinaus soll die Warnung nicht nur Touristen gegenüber Wildlife Selfies sensibiliseren, sondern auch das wachsende Problem des illegalen Handels mit geschützten und bedrohten Arten auf Social Media Plattformen eindämmen. Denn anders als eBay und Co. erlauben Netzwerke wie Facebook oder Instagram den Händlern durch ihre Struktur sich untereinander zu verbinden und ihre Geschäfte dann auf Messengerplattformen oder ähnlichem weiterzuführen. Das Popup soll ihnen zeigen, dass sie unter Beobachtung stehen: “Maybe someone who’s been selling live animals on Instagram will get the popup and think, OK, this is going to get a lot harder for me”, so Giavanna Grein, Wildlife Crime Program Officer bei TRAFFIC, gegenüber National Geographic.

Der Tiger gehört in den Urwald, aber sicherlich nicht eingesperrt, um Touristenherzen höher schlagen zu lassen. © Instagram

Instagram hat die Veröffentlichung von Content, der Tiermissbrauch oder den illegalen Handel beinhaltet, bereits im Vorwege verboten. Die Hashtag Initiative stellt nur die erste Phase eines Prozesses dar, doch weitere Schritte seien noch nicht ausdifferenziert, so Cain.

Instagrams Beitrag zum Artenschutz ist ein guter Anfang

Mit Sicherheit wird die Warnung Instagrams Menschen für den Arten- und Naturschutz sensibilisieren. Es ist allerdings nicht davon auszugehen, dass damit diejenigen erreicht werden, die ganz genau wissen, was sie tun. Vielleicht schränkt die Warnung den illegalen Handel auf der Plattform mit bedrohten Arten ein, doch handelt es sich dabei zumeist um skrupellose Geschäftsmänner, die sich dann entsprechend andere Wege suchen. Dennoch ist dies ein guter und vor allem wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

Über Tina Bauer

Tina Bauer

Studierte Sozialwissenschaftlerin mit Hang zu Online und Marketing. Seit 2014 als Redakteurin & Content Managerin bei OnlineMarketing.de.

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