Video Marketing

Transparenz bei YouTube: Darum wurden 8 Millionen Videos gelöscht

YouTube ist um mehr Transparenz bemüht. Ein Bericht klärt über das millionenfache Flagging und Löschen von Videos auf. Wird die Praxis den Anforderungen gerecht?

© Hello I'm Nik | Unsplash

Die Videoplattform YouTube ist die Website, die weltweit am zweithäufigsten besucht wird. Über eine Milliarde Nutzer gehen auf YouTube und schauen täglich eine Milliarde Stunden an Videos. Der Kritik, der die Plattform schon seit einiger Zeit ausgesetzt ist, und die sich auf intransparente Praktiken zur Videokuratierung bezieht, begegnet das Unternehmen jetzt mit ausführlichen Berichten zur Entfernung von gemeldeten Videos.

Über 8 Millionen gelöschte Videos in drei Monaten: Der Anfang effektiverer Regulierung?

Vor gut einem Jahr haben einige Unternehmen ihre Werbekampagnen bei YouTube ausgesetzt, um sich gegen Platzierungen von Anzeigen in unseriösen Umfeldern zu wehren. Auch Marketingriese Procter & Gamble stoppte seine Anzeigen bei der Plattform. Doch wie Mark Bergen bei Bloomberg berichtet, ist der größte Advertiser der USA bereit, wieder Werbung auf YouTube zu schalten. Grund dafür soll auch Googles Bestreben sein, mit einer optimierten Richtlinienpolitik bei der Videoplattform und mehr menschlichen Moderatoren für mehr Transparenz zu sorgen. Zudem soll laut Bloomberg Google versprochen haben, jede Werbeanzeige im Bereich Google Preferred manuell zu prüfen.

Eine manuelle und automatisierte Prüfung von gemeldeten Videos im letzten Quartal 2017 führte derweil zur Entfernung von über acht Millionen Videos problematischen Inhalts. Das geht aus dem jüngst veröffentlichten Transparency Report YouTubes hervor. Während die Zahl im Kontext von Milliarden Views pro Tag gering erscheint, bietet doch der Ansatz der Publikation zur Durchsetzung der eigenen Richtlinien einen willkommenen Schritt für Werbetreibende und Nutzer allgemein. Immerhin hatte YouTube schon 2016 erklärt: Why Flagging Matters.

Mit dem Transparency Report können die Nutzer nun nachvollziehen, wie und warum Videos von der Plattform entfernt werden. Dabei hilft auch das Video zu diesem Prozess.

75 Prozent der Videos wurden entfernt, bevor sie angesehen werden konnten

Der Erfolg des vierten Quartals 2017 mit seinen 8,3 Millionen entfernten Videos bei YouTube liegt eher in der Erkenntnis, dass diese Videos, die gegen die Richtlinien verstoßen, zum größten Teil gar nicht zu Views gekommen sind.

Anteil der Videos mit und ohne Views vor der Entfernung durch YouTube, © YouTube

Obwohl die entfernten Videos zum Großteil durch automatisiertes Flagging gemeldet worden sind, haben auch die Trusted Flagger und weitere Nutzer Einfluss auf das Löschen von unangemessenen Videos gehabt.

Die Zahl der entfernten Videos im vierten Quartal 2017 bei YouTube und die Quelle des Flaggings, © YouTube

Dennoch scheinen die automatisierten Meldungen mit Abstand am meisten für die Entfernung unangemessenen Contents zu tun. Und dank des Reports können Nutzer und Werbetreibende das nun auch nachvollziehen.

YouTube gibt Informationen: Wer meldet manuell und wo?

Im Bericht YouTubes finden sich weitere Angaben zum menschlichen Flagging. Im vierten Quartal 2017 wurden 9,3 Millionen Videos von Nutzern gemeldet. Dabei gehen gut 95 Prozent dieser Meldungen auf User zurück und nur etwa fünf Prozent auf Nutzer aus dem Trusted Flagger-Programm.

Außerdem offenbart der Bericht, in welchen Ländern am meisten Meldungen durchgeführt wurden. Hierbei führt Indien vor den USA und Brasilien. Deutschland belegt immerhin Platz fünf in Sachen Flagging.

Länder, in denen am meisten YouTube Videos gemeldet werden (mit einem Klick aufs Bild gelangt ihr zur größeren Ansicht), © YouTube

Die häufigsten Gründe für das Melden eines Videos sind die Kategorien Sexuelles (30,1 Prozent) und Spam oder Irreführung (26,4 Prozent). Hass oder Beleidigung wird auch zu 15,6 Prozent gemeldet, während die Attribute gewaltsam oder anstößig mit 13,5 Prozent ähnlich häufig Grund zum Flagging bieten. Andere Kategorien zeigen Gefährliche Aktionen (7,6 Prozent), Kindsmissbrauch (5,6 Prozent) oder die Propaganda für Terror (1,6 Prozent).

Gründe für das Flagging von YouTube Videos, © YouTube

Um auch transparent zu machen, wie mit spezifischen gemeldeten Videos umgegangen wird, zeigt YouTube im Transparency Report Beispiele des Prozesses der Überprüfung an. Wenn dabei ein Video auftaucht, das zum Mord an schwulen oder lesbischen Menschen aufruft, dann wird es natürlich entfernt. Der Bericht zeigt weitere ähnliche Fälle.

Beispiele für gemeldete und entfernte Videos bei YouTube (mit einem Klick aufs Bild gelangt ihr zur größeren Ansicht), © YouTube

Trotzdem gibt es auch Beispiele, bei denen Nutzer Videos melden, wobei sich herausstellt, dass diese letztlich nicht gegen die YouTube-Richtlinien verstoßen.

Beispiel für ein gemeldetes Video, das letztlich von YouTube nicht entfernt wird (mit einem Klick aufs Bild gelangt ihr zur größeren Ansicht), © YouTube

Hier kann es oft zu falschen Meldungen kommen, wie das Exempel zeigt.

Der Bericht steht für mehr als die Millionen gelöschten Videos

Angesichts der schier unerhörten Menge an Videos bei YouTube erscheinen selbst gute acht Millionen Entfernungen von der Plattform innerhalb von drei Monaten wie ein bloß kleiner Beitrag. Doch der Bericht zum Community Guidelines Enforcement steht für mehr als die bloßen Zahlen. Obwohl gerade diese in ihrer umfassenden Präsentation für die neue Transparenz vonseiten YouTubes einstehen.

Nun soll regelmäßig ein datenbasierter Bericht zur Einhaltung der YouTube-Richtlinien veröffentlicht werden. Damit könnten Nutzer wie Werbetreibende konkret nachvollziehen, was die Plattform gegen unangemessene Inhalte tut und wie das vonstatten geht. Dabei sprechen die Zahlen für eine Mut machende Tendenz. Denn laut Bericht konnten 2017 bereits 70 Prozent extremistischer Inhalte innerhalb von acht Stunden nach dem Upload entfernt werden. Die Hälfte dieser Inhalte sogar innerhalb von nur zwei Stunden. Und dafür zeichnen Machine Learning-Systeme verantwortlich, die künftig nurmehr effektiver zu werden versprechen.

Dennoch braucht es am Ende zumeist noch den Menschen, der die Angemessenheit von Videos bewerten und qualifizieren kann. Mit dieser Balance, die YouTube mit seinem Bericht andeutet, könnte Kritik am Unternehmen entkräftet werden. Was für die Videoplattform aber umso wichtiger ist: Werbekunden könnten dank dieser Maßnahme wieder mehr Vertrauen in Kampagnen dort setzen. Der transparente Umgang mit den Schritten zur Durchsetzung von Richtlinien bei Videos ist jedenfalls ein wichtiger Weg – auch im Hinblick auf die Verantwortung, die mit einer Nutzerzahl von über einer Milliarde Menschen einhergeht.

Über Niklas Lewanczik

Niklas Lewanczik

Niklas hat an der Uni Hamburg Deutsche Sprache und Literatur sowie Medien- und Kommunikationswissenschaften studiert und schreibt als Redakteur über Social Media, SEO und innovative Themen im Kontext des digitalen Marketing. Wenn er sich nicht gerade dem Marketing zuwendet, dann womöglich den Entwicklungen im modernen Fußball oder dem einen oder anderen guten Buch.

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