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Technologie-Trends 2018: Was wird wirklich relevant, was bleibt Zukunftsmusik?

Alle Jahre wieder werden die neuesten Technologie-Trends für das Folgejahr ausgerufen. Doch wie schnell werden diese überhaupt zu Faktoren für User und Co.?

© Jonas Leupe - Unsplash

Der Fortschritt der Technologie bietet ein Feld ungeahnter Möglichkeiten und immer wieder zeigen sich neue Trends. Diese werden nicht selten als Indikatoren für die künftige Entwicklung verstanden. Aber wann wird ein Hype massentauglich und alltäglich relevant? Wir haben einige Technologie-Trends für 2018 gefunden – und fühlen ihnen auf den Zahn.

Technologie-Trends: Schon wieder?

Es ist eine berechtigte Frage, ob es überhaupt jedes Jahr neue Trends im Technologiesektor geben kann. Immerhin sind – trotz der rasanten Entwicklung, die sich dort in den letzten 20 bis 30 Jahren vollzogen hat – technologische Neuerungen nicht ohne Anlaufzeit zu wichtigen Elementen für User, Unternehmen und Co. geworden. So gehört Netflix heute für viele zum Alltag, wobei das Unternehmen schon seit 20 Jahren existiert und es seit etwas mehr als zehn Jahren Video on Demand dort gibt. Dieser Trend und Hype um Online-Streamingdienste hat sich durchaus etabliert. Das hängt natürlich auch mit gesellschaftlichen Umbrüchen zusammen.

Wenn wir uns also fragen, was die Technologie-Trends für 2018 bereithalten, dann fragen wir uns gleichzeitig, ob und wann sie tatsächlich Einzug in unseren Alltag halten werden. Denn viele Trends scheinen dabei schon im Vorjahr nicht ganz neu gewesen zu sein. Vielleicht nehmen sie erst richtig Fahrt auf? Der Big Data-Experte Bernard Marr stellt bei Forbes neun Trends aus seiner Sicht vor. Wir werfen einen Blick darauf und schauen zugleich, wie „alt“ diese Trends sind. Hierbei stellen wir eine Verbindung zum Hype Cycle von Gartner her, der einen guten Überblick liefert, um die Trendentwicklung besser verorten zu können.

1. Unser Leben spielt sich in immer mehr Daten ab

Hier handelt es sich genau genommen weniger um einen Trend, zumindest nicht um einen wirklich neuen. Dass Daten mehr und mehr Einfluss auf alltägliche Abläufe haben, ist mit dem Internet als Zentrum des Geschehens unvermeidlich. Werbung im Netz wird beispielsweise immer besser auf die User zugeschnitten, weil diese stets mehr von sich preisgeben. Gerade bei Facebook, 2,1 Milliarden Nutzer lassen grüßen, werden Unmengen von Daten gesammelt.

Besitzer eines iPhone X hinterlassen per Face ID ebenso Spuren und es sind durchaus Bedenken über die Datensicherheit im Umlauf; einigen gibt Geoffrey A. Fowler bei der Washington Post Ausdruck. Auch wenn wir mit der Datenflut also keinen neuen Trend benennen können, ist doch klar: 2018 wird umso mehr mit der Preisgabe von Daten in Zusammenhang stehen.

2. Das Internet of Things nimmt Fahrt auf

Das Internet of Things ist schon lange Thema. Das zeigt ein Vergleich der Hype Cycles von Gartner für das Jahr 2016 und 2017. In beiden ist die IoT-Plattform im Bereich hoher Erwartungen zu finden; allerdings noch entfernt von den Sphären der allgemeinen Akzeptanz und Produktivität.

Gartner Hype Cycle 2016, © Gartner

Bis 2017 haben sich die IoT-Plattformen laut Trendbericht wenig entwickelt.

Gartner Hype Cycle 2017, © Gartner

Allerdings finden sich die digitalen Plattformen samt IoT-Plattformen auch in den großen Trends, die Gartner 2017 proklamiert hat.

Drei Technologie-Trends aus Gartners Sicht, © Gartner

Diese Plattformen könnten tatsächlich im kommenden Jahr von großer Relevanz sein, wenn das Internet der Dinge sich weiterentwickelt. Eine Prognose von IHS sagt voraus, dass sich die Zahl der Geräte, die zum IoT gerechnet werden können, bis 2020 auf über 30 Milliarden, bis 2025 auf knapp 75 Milliarden erhöhen wird.

IoT-Prognose von IHS, © IHS

Dazu kommt, dass einer Analyse von RS Components zufolge 2020 schon milliardenfach Geräte in öffentlichen Einrichtungen mit dem Internet verbunden sein werden, darunter medizinische Geräte im Krankenhaus usw. Das wird auch zu einem Umsatzplus in diesem Bereich führen.

3. Die Entwicklung des Computing steht vor dem nächsten Schritt

Die Power unserer Computer nimmt immer mehr zu. Allerdings droht sie schon in absehbarer Zeit hinter den Anforderungen hinterherzuhinken. Daher steht bereits die neueste Entwicklung vor der Tür: Quantum Computing. Das Phänomen lässt sich auch bei Gartners Hype Cycle für 2017 ausmachen. Jedoch befindet es sich dort noch eher im Bereich der Innovation und wird mit einer Entwicklungszeit von mehr als zehn Jahren, bis es sich etablieren kann, besetzt.

Beim Quantum Computing wird versucht, die physikalischen Grundsätze unserer Welt zu nutzen, um hochleistungsfähige Computer bereitstellen zu können. Ambivalente Zustände von Partikeln sollen genutzt werden, um Computer zu bauen, die deutlich komplexere Aufgaben noch schneller zu bearbeiten imstande sind. Einen Crashkurs zum Thema liefert IBM.

Das heißt, dass es sich hier noch nicht um einen wirklichen Trend für 2018 handelt, doch um einen solchen, der in den Folgejahren aufgrund der fortschreitenden Entwicklung immer wieder als neuer Trend ausgerufen werden wird.

4. Der Vormarsch von AI ist nicht zu stoppen

Auch für AI gilt, dass es schon vor wenigen Jahren als Trend gehandelt wurde. Allerdings ist der rasche Anstieg an Datenvolumen auch dafür verantwortlich, dass sich die Artificial Intelligence durch ihr künstliches Lernen deutlich rasanter entwickelt. Davon zeugen nicht nur Alexa, die nun auch beim Facebook Messenger aktiven Bots der Unternehmen oder AIs wie Mitsuku. Auch im Google Research Blog finden wir einen Indikator für die immense Innovation im Bereich AI. Eine Artificial Intelligence hat per Automatisierung ein System hervorgebracht, dass in Echtzeit eine Analyse von Bildern anstellen kann.

AI-gestützte Bildanalyse, © Google

Hierbei zeigen das Projekt AutoML und das System NASNet, wie auch künftig mit AI in spezifischen Bereichen operiert werden kann.

5. Automatisation: Einfluss auf den Alltag wird offenbar

Was einst in Science Fiction verarbeitet wurde, wird langsam Realität. Bots übernehmen Jobs, entweder neue Stellen oder solche, die zuvor von Menschen besetzt wurden. Im Gartner Hype Cycle befinden sich bereits die Smart Robots nahe dem Höhepunkt der Erwartungen.

Analyst Chris Gardner von Forrester hat bei Forbes angegeben, dass neun Prozent der US-Jobs 2018 der Automatisation zum Opfer fallen werden. Jedoch sollen auch zwei Prozent neue Jobs durch diese Industrie geschaffen werden. Er erklärt:

In 2018, automation will go from being a political hot topic to having a genuine and measurable impact on our day-to-day lives.

Offensichtlich wird dies, wenn man einen Blick nach Norwegen wirft. Dort soll 2018 das erste automatisierte Containerschiff, die Yara Birkeland, in Betrieb gehen. Davon berichtet Jonathan Webb, ebenfalls bei Forbes. Die Automatisation dürfte also einer dieser Trends sein, der schon lange auf sich aufmerksam macht, im kommenden Jahr allerdings ernsthafte Konsequenzen fordert.

6. 3D-Drucker: Fast schon überholt

Das Drucken mit 3D-Druckern scheint sich als Option besonders in Deutschland schon durchgesetzt zu haben. Nach einer Ernst & Young-Studie haben 2016 bereits 37 Prozent der befragten Unternehmen in Deutschland Erfahrungen damit gemacht, während weitere zwölf Prozent eine Verwendung beabsichtigten. Dazu kommt, dass vom globalen Umsatz von zehn Milliarden Euro eine Milliarde auf Deutschland entfiel.

3D-Druck und seine Nutzung (mit einem Klick aufs Bild gelangt ihr zur größeren Ansicht), © Ernst & Young

Für das Jahr 2022 wird ein globaler Umsatz von über 20 Milliarden Euro erwartet. Während der 3D-Druck also schon markttauglich scheint, entwickelt sich bereits der Nachfolger. Bei Gartner ist der 4D-Druck noch am Innovationsstart angesiedelt und es wird erst in mehr als zehn Jahren mit einer Produktivität gerechnet. Beim 4D-Druck handelt es sich meist um Objekte, die ihre Form selbst ändern können etc. Genaueres dazu findet ihr bei 3D-Grenzenlos.

Der Technologie-Trend 3D-Druck dürfte trotzdem für 2018 auch schon im Alltag relevant werden.

7. Neue Wege, um mit der Technologie in Kontakt zu treten

Auch hierbei handelt es sich weniger um einen konkreten Trend, sondern vielmehr um eine Beobachtung. Dennoch dürften sich im Jahr 2018 eine Menge User mit Smart Home und Co. beschäftigen, was den Zugang zur Information über Technologie variiert. Alexa, Siri, Google etc. sorgen zudem dafür, dass Voice Search immer zentraler wird. Während Forbes schon zu Beginn dieses Jahres ausrief, dass 2017 das Jahr von Voice Search wird (und nicht völlig falsch lag), sollte 2018 dem Trend weiter folgen.

Gartner geht gar davon aus, dass 2020 schon 30 Prozent aller Browsing Sessions ohne Screen vonstatten gehen werden. Das heißt für Marketer aber spätestens im kommenden Jahr, eher schon jetzt, dass man sich auf das veränderte Verhalten der User bei der Voice Search einstellen muss.

Dass zu diesem Punkt ebenso die Aspekte der Augmented und Virtual Reality hinzugezählt werden müssen, wird wiederum beim Blick auf den 2017er Hype Cycle deutlich. Hier sind diese Aspekte in der Entwicklung am weitesten fortgeschritten und auf dem absoluten Weg zur Produktivität; wo sie in Teilbereichen schon angekommen sind.

Gartner Hype Cycle 2017 (mit einem Klick aufs Bild gelangt ihr zur größeren Ansicht), © Gartner

AR und VR sind also Trends, die alltagstauglich auch 2018 für Furore sorgen werden.

8. Blockchains können viel verändern

Die Blockchains bieten eine sicherere Variante bei der Transaktion von Daten. Da die Blöcke als Datensätze in einer kontinuierlich erweiterbaren Kette von Datensätzen verankert sind und diese Verankerung verschlüsselt ist, kann dieses System mehr Sicherheit für Daten liefern. Denn es ist zudem ein dezentralisiertes System.

Auch Kryptowährungen wie Bitcoin basieren auf diesem Prinzip. Doch andere Datenübermittlungen können genauso per Blockchain erleichtert und optimiert werden. Richard Bradley versucht bei Deloitte, in 100 Wörtern zusammenzufassen, wie das Blockchain-Prinzip funktioniert. Wichtig ist jedoch: die Blockchains dürften schon sehr rasch relevant für die „digitale Buchführung“ werden. Bei Gartner befindet sich das System bereits im Bereich des Tiefs der Desillusionierung – auf die die Erhellung und Produktivität folgen sollen. Doch gegenüber dem Hype Cycle von 2016 hat es sich sehr schnell entwickelt.

Blockchain Infografik von PwC (mit einem Klick aufs Bild gelangt ihr zur größeren Ansicht), © PwC

Grund genug, Blockchains im Augen zu behalten. Hier könnte es sich 2018 um einen richtig guten alten Trend handeln.

9. Plattformen für Unternehmen

Plattformen wie Facebook und Twitter sind für Social Media zentral. Unternehmen wie Airbnb und Amazon basieren ebenfalls auf dem Plattform-Prinzip. Doch inzwischen suchen auch traditionellere Unternehmen, sich mit eigenen Plattformen einen besseren Zugang zu Usern zu verschaffen. Denn, wie Don Scheibenreif, Vizepräsident und Analyst von Gartner, beim Gartner Symposium/ITxpo in Barcelona schon Ende letzten Jahres sagte:

Not every organization should assume a leadership role in a business ecosystem; however, every organization needs a digital platform strategy. To engage and manage business ecosystems, organizations are creating and integrating with a digital business platform to share critical assets.

Diese Entwicklung ist also ein weiterer Trend, der sich 2018 noch deutlicher abzeichnen wird, wenngleich er nicht neu ist. Immerhin sind aber die digitalen Plattformen unter den Top Trends bei Gartner vorzufinden.

Was sind nun die Technologie-Trends, die wirklich nicht zu verpassen sind? Blockchain, AI und IoT-Plattformen sind sicherlich für das nächste Jahr sehr interessant, wobei AR und VR am ehesten ihre Alltagstauglichkeit unter Beweis stellen. Der Abgleich mit den Hype Cycles von Gartner zeigt, dass Trends mitunter auch über Jahre anhalten können, ehe sie wirklich relevant für eine breite Masse werden. Doch genau hierin liegt auch ein Potential. Wer Trends früh genug wahrnimmt, kann für die Zukunft bereits eine Reaktion darauf erarbeiten. Das heißt für 2018: die Technologie-Trends sind vor allem solche, die dich und dein Unternehmen in irgendeiner Weise betreffen. Außerdem hat man nicht selten die Erfahrung gemacht, dass gerade Abweichungen von Trends erfolgreich zu sein vermögen; und womöglich sogar eine neue Marschrichtung vorgeben. Trotzdem solltest du immer am Puls der Zeit bleiben und die eine oder andere Trendanalyse wahrnehmen.

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