Social Media Marketing

Starke Quartalszahlen: Der seltsame Fall des Sozialen Netzwerks

Facebook übertrifft die Erwartungen für die Zahlen im 4. Quartal und steigert Einkünfte wie Nutzerzahlen weiter. Das geschwächte Image zeigt keinen Einfluss.

Gute Aussichten für Facebook, Screenshot YouTube, © Facebook

Our community and business continue to grow,

sagt Mark Zuckerberg zu den Zahlen aus dem vierten Quartal. Diese sind beachtlich, umso mehr, da Facebook aus Sicht der Öffentlichkeit ein rabenschwarzes Jahr hinter sich hat. Trotzdem sind etwa die monatlich aktiven Nutzer auf über 2,3 Milliarden angestiegen, das Einkommen wuchs um 30 Prozent und selbst das Wachstum bei täglich aktiven Nutzern übertraf die Erwartungen. Cambridge Analytica und Co. scheinen in Anbetracht der Zahlen weit in der Vergangenheit zu liegen.

Das Soziale Netzwerk zeigt kaum Schwäche

Die Facebook-Aktie machte nach Bekanntwerden der positiven Quartalszahlen einen Sprung nach oben und schloss bei knapp über 150 US-Dollar. Das liegt unter den Top-Werten von 2017 – doch in den zentralen Bereichen ist Facebook trotz der zahlreichen Hindernisse im vergangenen Jahr deutlich gewachsen. Sogar stärker, als zunächst erwartet worden war. Die jüngst veröffentlichten Quartalszahlen für die letzten drei Monate des Jahres 2018 verheißen für das Soziale Netzwerk gute Aussichten.

Die täglich aktiven Nutzer wuchsen auf 1,52 Milliarden an. Das bedeutet eine Wachstumsrate von zwei Prozent gegenüber dem vorigen Quartal, wo es 1,49 Milliarden waren; und in dem das Wachstum bei 1,36 Prozent gelegen hatte. Auch die Zahl der monatlich aktiven Nutzer stieg erneut. Bei einem Wachstum von 2,2 Prozent wurde die 2,3 Milliarden-Grenze geknackt. 2,32 Milliarden Nutzer im Monat stehen 2,27 Milliarden aus dem Vorquartal gegenüber. Im Jahresvergleich sind die Nutzerzahlen je um ganze neun Prozent gestiegen. Schon hier zeigt sich, dass die Kritik an Facebooks Praktiken zum Datensammeln über Dritte global betrachtet kurzfristig höchstens geringfügig Einfluss auf die Unternehmensentwicklung gehabt hat. Während in Deutschland das Bunderkartellamt gegen Facebook vorgeht und die Plattform in den USA zum  Politikum wird, dürften Nutzer andernorts eher am Service des Netzwerks interessiert sein, weniger an den datenschutzrechtlichen Konsequenzen. In Asien, im pazifischen Raum und im Rest der Welt haben die Nutzer deutlich zugenommen; doch selbst in den USA und Kanada sowie in Europa, wo die Zahlen zuvor leicht rückläufig waren, sind neue User hinzugekommen.

Grafik, Wachstumszahlen Facebook DAUs

Das Wachstum der DAUs bei Facebook im 4. Quartal 2018, © TechCrunch

Noch mehr positive Zahlen: Mobile Advertising weiter grundlegend

Insbesondere die Einkünfte sind bei Facebook extrem stark. 16,9 Milliarden US-Dollar stehen zu Buche, das bedeutet im Vergleich zum Vorjahr ein Wachstum von satten 30 Prozent. Auch der Gewinn pro Aktie lag mit 2,38 US-Dollar (GAAP) über den von der Wall Street erwarteten 2,18 US-Dollar, wie TechCrunch darstellt.

Die größte Einkommensquelle Facebooks bleibt die Werbung. Und nach 89 Prozent im Vorjahr sind inzwischen 93 Prozent aller Werbeeinkünfte auf Mobile Advertising zurückzuführen. Das krasse Wachstum des längst etablierten und weiter florierenden Unternehmens lässt sich einerseits auch an der Zahl der Mitarbeiter ablesen. 35.587 waren es Ende Dezember, was einem Year-over-Year-Zuwachs von 41,2 Prozent entspricht. Doch viele Mitarbeiter braucht das Unternehmen; immerhin geht Facebook davon aus, dass nun 2,7 Milliarden die eigenen Dienste – den Messenger, Instagram, WhatsApp oder Facebook selbst – nutzen. Zwei Milliarden davon greifen täglich auf mindestens einen Dienst zurück.

Die Wachstumstreiber inmitten der „Krise“

Von einer ernsthaften Krise kann bei Facebook im Lichte dieser Entwicklung eigentlich kaum gesprochen werden. Man stelle sich die Zahlen nur einmal vor, wären die Probleme mit der Datensicherheit nicht aufgetaucht. Allerdings wird es bei so großen und mächtigen Unternehmen mit einem derartigen Einfluss auf die Öffentlichkeit immer Ansatzpunkte zur Kritik geben. Die Bedenken hinsichtlich der Datensicherheit haben offenbar kein so großes Gewicht gehabt, wie aus Sicht des Sozialen Netzwerks zu befürchten stand. Denn Mark Zuckerberg zeigte sich auch von den guten Verkaufszahlen der eigenen Hardware, des Portal, überrascht. Dieses war aufgrund der potentiellen Aufzeichnung sensibler Daten für Marketingzwecke von vornherein kritisch betrachtet worden.

Facebooks Portal und zwei Nutzer

Facebooks Portal liefert viele Daten, Screenshot YouTube, © Facebook

Als positiv für das Image könnte das weitere Bemühen Facebooks sein, die eigene Plattform in der Öffentlichkeit als transparent und entwicklungsfähig darzustellen. So wurden gerade erst die Pläne für ein unabhängiges Gremium zur Content-Prüfung vorgestellt, das die Kritik an Entscheidungen über Inhaltsentfernungen ein Stück weit vom Unternehmen ablenken könnte.

Außerdem hat Facebook angegeben, dass nun Wissenschaftler und Forschungsgruppen auf CrowdTangle zugreifen können, um über Fehlinformationen und Trends auf der Plattform Einsichten generieren und Studien erstellen zu können. Damit soll mehr Transparenz gewährleistet werden; allerdings hat Facebook zugleich Updates am Code der Seite vorgenommen, um Adblocker auszusperren, aber auch andere Plug-ins, die Daten zu politischem Targeting erheben. Zuckerbergs Aussage:

We’ve fundamentally changed how we run our company to focus on the biggest social issues, and we’re investing more to build new and inspiring ways for people to connect,

ist zum Teil zuzustimmen. Das Soziale Netzwerk investiert in der Tat in gesellschaftlich relevante Aspekte. Zugleich ist das Streben nach Gewinn trotz alledem der Kern des Unternehmens, das beweisen die zahlreichen neuen Ad-Formate. Und diese liefern erfolgreich ab.

Instagram bleibt wichtig für Facebook; kommen kombinierte Statistiken?

Wie wichtig die Plattform Instagram für Facebook trotz der Stabilität der eigenen ist, zeigen neue Zahlen. 500 Millionen aktive Nutzer tummeln sich täglich in den Stories – wo sie auf Ads von zwei Millionen Advertisern treffen. Diese Werte allein zeigen Instagrams und somit Facebooks Macht im Social Media-Kosmos. Zwar ist gerade bei jüngeren Nutzern eine Verschiebung zu anderen Diensten abseits von Facebook zu erkennen, doch da WhatsApp und Instagram unter der Führung des Unternehmens stehen, wird das mittelfristig nur wenig Probleme mit sich bringen. Laut TechCrunch könnte Facebook sogar beginnen, keine gesonderten Statistiken mehr zu Facebook darzulegen, sondern einfach kombinierte Zahlen zur Facebook-Familie. Das würde kaschieren, wo viele Nutzer schwinden und ein noch positiveres Bild zeichnen.

Die geplante Zusammenführung von allen Messenger-Diensten Facebooks zeigt bereits Bestrebungen in eine Richtung der engeren Verzahnung der Plattformen und Dienste. Gegen diese ist nur wenig Konkurrenz zu erwarten. Vor allem, da Facebook und seine Tochtermedien immer wieder mit neuen oder gut adaptierten Features aufwarten. Für die Zukunft sind weitere Updates geplant. Zum einen sollen künftig mehr Dienste eine Verschlüsselung erhalten und auch kurzlebiger werden, sodass die Sicherheit gestärkt wird. Zum anderen werden Zahlungen bei WhatsApp in mehr Ländern ausgerollt, die Instagram Stories erhalten private Optionen zum Teilen, während bei Instagram auch neue Shopping und E-Commerce Features erscheinen sollen.

Facebook erwartet noch viele Entwicklungen. Und die aktuellen Zahlen lassen vermuten, dass das Unternehmen weiterhin viel Zeit hat, um diese Milliarden Nutzern zu unterbreiten. Das ist angesichts der Erkenntnisse der vergangenen Monate erstaunlich; zeugt aber davon, wie mächtig der Kosmos rund um Facebook bereits ist.

Der gesamte Bericht zum vierten Quartal bei Facebook ist hier nachzuvollziehen.

Über Niklas Lewanczik

Niklas Lewanczik

Niklas hat an der Uni Hamburg Deutsche Sprache und Literatur sowie Medien- und Kommunikationswissenschaften studiert und schreibt als Redakteur über Social Media, SEO und innovative Themen im Kontext des digitalen Marketing. Wenn er sich nicht gerade dem Marketing zuwendet, dann womöglich den Entwicklungen im modernen Fußball oder dem einen oder anderen guten Buch.

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