Social Media Marketing

Rupert Murdoch möchte, dass Facebook für News zahlt – doch diese Rechnung geht nicht auf

Medienmogul Rupert Murdoch fordert von Facebook und Google eine Gebühr für Inhalte von Trusted Publishern. Ist das ein berechtigter Anspruch?

Rupert Murdoch im Interview mit dem Wall Street Journal, Screenshot YouTube, © WSJ

Rupert Murdoch ist eine Stimme der Medienlandschaft. Nun meldet er sich mit mit einer ganz besonderen Forderung zu Wort. Facebook und Google sollten doch bitte für qualitative Inhalte von Newsseiten zahlen. Gebühren, ähnlich denen die Kabelanbieter zu zahlen haben, könnten eine Dominanz von vertrauenswürdigen Publishern ermöglichen.

Was verspricht sich Rupert Murdoch von solchen Zahlungen – außer Einnahmen?

Das Medienkonglomerat News Corporated von Rupert Murdoch ist so umfassend wie einflussreich. Dazu gehören Gesellschaften, die für The Times und The Sun verantwortlich zeichnen. Darüber hinaus hält die Gesellschaft Beteiligungen an US-amerikanischen Meinungsmachern wie etwa dem Wall Street Journal und an Filmstudios wie 20th Century Fox. Damit wird deutlich, warum die Meinung Murdochs in den Medien Gehör findet. Diesen Umstand nutzte er, um bei News Corp ein offizielles Statement zur Forderung von Gebührenzahlungen an Trusted Publisher zu veröffentlichen. Darin heißt es konkret:

The time has come to consider a different route. If Facebook wants to recognize ‘trusted’ publishers then it should pay those publishers a carriage fee similar to the model adopted by cable companies. The publishers are obviously enhancing the value and integrity of Facebook through their news and content but are not being adequately rewarded for those services.

Nun kommt dem Leser womöglich die Vermutung zu Bewusstsein, dass Murdoch mit diesem Zug nur die Einnahmen für seine zahlreichen Medienunternehmen steigern möchte. Doch es steckt mehr hinter seiner Forderung. Denn Murdoch verweist in seiner Mitteilung auf die weiterhin ungelöste Frage nach der Trennung von vertrauenswürdigen journalistischen Inhalten und Fake News auf Portalen wie Facebook. Er nennt dazu die Gefahr von politischer Beeinflussung im Zuge intransparenter Newsdarstellungen bei so großen Playern, wie Google und Facebook es sind.

Demnach ist Rupert Murdochs Forderung simpel. Die beiden Unternehmen, die die meisten digitalen Werbeeinnahmen auf sich vereinen, sollen für Inhalte von Trusted Publishern im Gegenzug eine Gebühr entrichten. Das würde einerseits qualitativen Journalismus fördern. Andererseits wäre ein Unternehmen wie Facebook finanziell nicht stark belastet – und könnte seriöser werden. Was sich rational herleiten lässt, hat jedoch einen Haken.

Murdochs Analogie hinkt

Die Forderung Rupert Murdochs wirkt wie eine direkte Antwort an Mark Zuckerberg, den er im Post als „aufrichtige Person“ einstuft. Vor gut zwei Wochen hatte Zuckerberg selbst Änderungen beim Newsfeed angekündigt, die zum einen wieder mehr Fokus auf soziale Posts legen sollen. Zum anderen betonte Zuckerberg aber auch, dass der Community künftig eine Einschätzung über Trusted Publisher, also die Vertrauenswürdigkeit der Newsquellen zukommen soll.

We decided that having the community determine which sources are broadly trusted would be most objective.

Während Zuckerberg sich mehr Interaktion auf Facebook und mehr Seriosität der News verspricht, setzt Murdoch für letztere Hoffnung auf harte Fakten. Denn seiner Auffassung zufolge hätten seriöse Publisher einen großen Anteil an der Integrität und Popularität großer Plattformen. Um die Seriosität Facebooks gerade gegenüber Fake News zu wahren, sei eine Gebühr – nicht unähnlich jener, die Kabelanbieter Sendern zahlen, um qualitativen Content anbieten zu können – ein geeigneter Weg.

Nun hakt die Analogie. Denn die Gleichsetzung von Facebook oder Google und einem Kabelanbieter ist nicht haltbar. Beide Portale haben riesige, aber ungleich schwieriger einzuteilende Nutzer als die Kabelanbieter. Zudem zahlen die Nutzer letzterer Geld, um TV-Sendungen empfangen zu können. Aber für Facebook per se bezahlt kein User Geld. Dazu kommen Fragen der Reichweite. Wie soll Facebook ermessen, welche Summe sie für bestimmte Inhalte zahlen, wenn deren Publika und Reichweite nicht klar definiert sind? Und wie verhält es sich mit Content, der bereits kostenpflichtig beworben wird? Derlei Fragen stellt sich auch TechCrunchs Jordan Crook.

Facebooks demokratischer Ansatz wirkt der Dominanz „seriöser Medien“ entgegen

Die Problematik wird noch verdeutlicht, wenn man Facebooks Funktion betrachtet. Immerhin wird es als Plattform genutzt, die für die Verbreitung jedweder Inhalte instrumentalisiert wird. Und wenn Mark Zuckerberg der Community die Einschätzung der Seriosität von Newsseiten überlässt, entzieht er das Unternehmen in dieser Frage der Verantwortung. Damit ist die Grundlage für Murdochs Forderung ebenso hinfällig. Wenn Facebook seinen Newsfeed und die Viewability von vertrauenswürdigen News darin nach Einschätzungen der User ausrichtet, dann soll damit eine Verschiebung hin zu mehr glaubwürdigen News für die Nutzer erreicht werden. Diese Zielvorgabe von Mark Zuckerberg ist aller Ehren wert. Und obwohl womöglich einige wirklich unseriöse Seiten in weniger Newsfeeds landen dürften, lässt sich nicht leugnen, dass Seriosität gerade heutzutage in Bezug auf Medien sehr different wahrgenommen wird. Mitunter erhält Subjektivität Vorzug vor objektiver Berichterstattung.

Die Kluft wird vor allem in den USA deutlich, wo Präsident Trump Fake News Awards an renommierte Medienhäuser wie die New York Times vergibt und per Twitter die öffentliche Meinung zur medialen Berichterstattung manipuliert.

Auch in Deutschland drängt die unreflektierte Diffamierung „Lügenpresse“ häufig berechtigte und wichtige Medienkritik in den Hintergrund.

Wenn Rupert Murdoch nun um Zahlungen für die Inhalte seriöser Newsseiten bittet, dann ist die Frage, was seriös ist, noch immer nicht geklärt. Während sich bei einer Zeitung wie The Times das gros wohl einig sein dürfte, dass das Prädikat hier zutrifft, verhält es sich beim britischen Boulevardblatt The Sun sicherlich anders. Allerdings spielt Murdoch wohl eher auf die Bekanntheit von Marken wie diesen an, die zumindest eine Seriosität voraussetzen sollte.

Facebook funktioniert und wird daher kaum zahlen

Der wichtigste Grund, warum Murdoch wohl auf taube Ohren stoßen wird, ist, dass Facebook funktioniert; auch ohne Gebühr für Trusted Publisher. Obwohl das Unternehmen es sich ebenso wie Google leisten könnte, solche Gebühren zu entrichten, besteht einfach keine Notwendigkeit.

Allerdings sieht sich vor allem Facebook immer wieder mit Vorwürfen zu Fake News konfrontiert. Und die Besorgnis, bei dem Einfluss, den eine solche Plattform unbestritten hat, genauso unseriöser Meinungsmache ausgesetzt zu sein, wächst bei Nutzern wie Social Media-Experten zugleich.

Rupert Murdoch benennt mit der relativ aussichtslosen Forderung letztlich ein Problem, das künftig definitiv mehr Anspruch auf Lösung erheben kann. Denn die mediale Berichterstattung befindet sich noch immer in der Transformation und guter Journalismus kann nur mit den entsprechenden Mitteln gewährleistet werden. Die globale Reichweite und Relevanz von Google und Facebook bedeuten eine soziokulturelle Verantwortung. Dieser kann man langfristig nur gerecht werden, wenn Mittel und Wege gefunden werden, um eine ebenso differenzierte wie faktenbasierte Meinungsbildung zu fördern; auch wenn die Plattformen nicht für die Verbreitung der Inhalte verantwortlich sind. Immerhin findet die Meinungsbildung verstärkt über Facebook und Co. statt.

In Deutschland versucht man bereits vonseiten der Regierung der Misinformation beizukommen, indem das NetzDG am Anfang des Jahres inkrafttrat.

Facebooks Produktmanager Samidh Chakrabarti erkennt in einem selbskritischen Post an:

In 2016, we at Facebook were far too slow to recognize how bad actors were abusing our platform.

Seine Worte verhandeln die Bedeutung von Social Media für die Demokratie und beleuchten dabei differenzierte Beziehungen. Er verweist ebenso auf die Wirkmacht von Social Media:

In the end, that’s why I believe that a more connected world can be a more democratic one.

In diesem Kontext ist die Fokussierung auf News, die seriös und demokratisch sind, umso wichtiger. Und auch wenn Murdoch es etwas zu einfach gedacht hat: es darf und wird etwas kosten.

Über Niklas Lewanczik

Niklas Lewanczik

Niklas hat an der Uni Hamburg Deutsche Sprache und Literatur sowie Medien- und Kommunikationswissenschaften studiert und schreibt als Redakteur über Social Media, SEO und innovative Themen im Kontext des digitalen Marketing. Wenn er sich nicht gerade dem Marketing zuwendet, dann womöglich den Entwicklungen im modernen Fußball oder dem einen oder anderen guten Buch.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.