Technologie

Publisher versus Adblocker: Jetzt formieren sich die Mediaagenturen

Der Kampf Adblocker versus Vermarkter geht weiter: Jetzt reden die Agenturen Tacheles und setzen sich für ungefiltertes Surfen ein.

FOMA-Vorsitzender und Plan.Net
Geschäftsführer Manfred Klaus
(Foto: bvdw.org)

Auch wenn Adblocker das Surfen nicht immer unbedingt leichter oder schneller machen – sie werden gerne eingesetzt. Publisher und Vermarkter wehren sich in regelmäßigen Abständen gegen die für sie lästigen Werbeblocker: Die einen rüsten mit Technologie auf, die Adblocker wirkungslos machen, die anderen holen sich Promis wie Stromberg-Schauspieler Christoph Maria Herbst ins Boot, um mit “AdUcate”-Kampagnen für ungefiltertes Webseiten-Surfen zu werben.

Umfassende Aufklärung zum Nutzen von Werbung gefordert

Jetzt formiert sich eine neue Front im Kampf Publisher/Vermarkter versus Adblocker: Der Fachkreis Online-Mediaagenturen (FOMA) im Bundesverband Digitale Wirtschaft hat sich in einer offiziellen Mitteilung für ein Vorgehen gegen die Nutzung von Tools wie Eyeo’s Adblock Plus ausgesprochen. “Das Gremium sieht eine massive Gefährdung von Werbung als zentraler Refinanzierungsquelle und Wachstumstreiber der Medienindustrie und warnt vor nachhaltigen Beeinträchtigungen für die werbetreibenden Unternehmen”, schreibt der Fachkreis in seiner Pressemitteilung.

Die Werbeindustrie baue “auf hochwertige Kontaktumfelder sowie deren Weiterentwicklung und Planungssicherheit”. Werbeblocker führten dazu, dass die “Refinanzierung über Werbung und damit die Kostenfreiheit und Angebotsvielfalt des Internets massiv eingeschränkt” werde, warnt der FOMA-Vorsitzende und Geschäftsführende Gesellschafter von Plan.Net, Manfred Klaus.

Als Vertreter einer der größten Full Service Agenturen sieht Klaus die umfassende “Aufklärung zum Nutzen von Werbung und zur Bedeutung von Werbung für eine freie Medienvielfalt sowie der Verbesserung der Akzeptanz digitaler Werbung” als wichtige Aufgabe für “Publisher und Vermarkter gleichermaßen wie Agenturen und Werbetreibende”. Dabei rät der FOMA-Vorsitzende durchaus zu drastischen Maßnahmen wie “Nutzungseinschränkungen von Inhalten und Services”, falls ein Adblocker im Einsatz ist.

“There is no free lunch”: Was die Nutzer denken

Die Initiative des FOMA kommt wenig überraschend und enthält im Wesentlichen bekannte Sorgen und Kampfansagen. Allerdings fällt erstaunlich selten der Blick auf die Userbedürfnisse. Zu unserem Artikel “AdBlocker ab heute wirkungslos: Publisher gehen in die Offensive” wurde damals zahlreich diskutiert. Hier ein paar Meinungen auf einen Blick:

DIDI M:

There is no free lunch! Jedem ist klar, das er fürs Kino bezahlen muss. Keiner regt sich über die Krombacher-Werbung nach der Tagesschau und vor dem Tatort auf, obwohl man dafür schon GEZ-Gebühr gelöhnt hat…
Aber wenn jemand mit seiner Webseite Geld verdienen will, vielleicht sogar einen Arbeitsplatz bezahlen muss, regt man sich auf. Keiner wird gezwungen diese Webseiten zu besuchen.

Dominik:

Wenn der User ein Angebot nutzen möchte, dann muss er meiner Meinung nach auch Werbung akzeptieren. Ein Online-Portal besteht aus Redakteuren, Controlling, Produktmanagement, Sales usw…die wollen alle bezahlt werden und arbeiten jeden Tag für mehr oder weniger hochwertigen Content. Wenn ich als Portal Reichweite für meine Branding-Kampagnen verliere, dann habe ich gewaltige Umsatzverluste und kann nicht weiter expandieren. […]

BROMBSOOD:

Es geht nicht um die Webung an sich, sondern um die Art der Werbung! Der Adblock blockt nicht, wenn man einfach bestimmte Bild- und/oder Textanzeigen auf seiner Seite platziert. So, wie jeder normale Mensch die Zeitung erstmal über dem Papierkorb ausschüttelt, filtern Adblocker den Müll aus irgendwelchen Werbenetzwerken raus.

 EMMI:

Der Besuch einer Website ist kein Kauf, genausowenig wie das Betreten eines Geschäftes. Wenn ich in dem Laden nix kaufe, kann ich sehr wohl wieder rausgehen, ohne was zu bezahlen. […] Streng genommen sind die Landingpages von Websites sogar nur Schaufenster von Geschäften, an denen ich vorbeikomme und wo ich mir überlege, ob ich ‘reingehe’ oder wieder weg.

KR:

Ich nutze AdBlocker seit vielen Jahren sehr sehr zurückhaltend und zu einem klar definierten Zweck: Ich will mir verschiedene Entartungen, die Online-Werbung in den letzten Jahren erfahren hat, vom Hals halten. Mit normalen Werbe-Bannern und vorsichtig eingearbeiteter Werbung im Content von Websites habe ich ebensowenig Probleme wie mit Werbe-Inseraten in Printmedien.

Nils-Peter Hey: 

Wäre es nicht sinnvoll und im Interesse aller, den Wunsch eines Konsumenten nicht beworben zu werden zu respektieren statt sie auf der technischen Ebene auszutricksen? Im Gegenzug köntte man AdBlockende User einfach von der Nutzung werbefinanzierter Plattformen ausschließen.

Auch auf Vermarkterseite werden kritische Stimmen laut, die an die Bedürfnisse der Nutzer erinnern. “Denkt an eure User, die in erster Linie Inhalte konsumieren wollen und findet die richtige Balance zwischen Content und Werbung. Wenn alle an einem Strang ziehen, wird das funktionieren”, empfahl Edmund Heider von der IDG Communications Media AG bereits Anfang diesen Jahres in seiner Nachlese zum d3con Adblocker Panel “Bekämpfen, Ignorieren oder überflüssig machen”.

Unser Interview mit Till Faida, dem Geschäftsführer von AdBlock Plus, zu diesem Thema, könnt ihr hier sehen.

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