Social Media Marketing

Neujahrsvorsatz 2020: Facebook löschen – Was spricht noch für die Plattform?

#DeleteFacebook wird immer lauter und es sprechen viele Argumente dafür, die Plattform zu verlassen. Doch trotz aller Kritik gibt es immer noch Hoffnung für Zuckerbergs Baby.

Facebook untersucht Rassimus

© Thought Catalog - Unsplash

Auf Facebook sein oder nicht sein, das ist hier die Frage. Eine Frage, die sich sowohl private User als auch Unternehmen stellen. Diverse andere Plattformen sind inzwischen empor gekommen und besitzen eine größere Anziehungskraft für viele User. Skandale, schlechtes Design und Co. führen dazu, dass Autor Matt Binder empfiehlt, Facebook 2020 endlich zu löschen – doch können seine Argumente überzeugen?

Wer nutzt Facebook noch?

Oft heißt es, Facebook würde aussterben. User bemerken, dass es in ihrem Bekanntenkreis weniger genutzt wird und Gen Z sieht es komplett als out an, wie wir vor kurzem berichteten. Doch offizielle Zahlen malen ein rosigeres Bild. Die Zahl der monatlich aktiven User beträgt 2,41 Milliarden User, 2,2 Milliarden davon nutzen die Plattform auch mobil. Und auch vom Alter her sind alle Gruppen vielzählig vertreten. Von allen Internet-Usern zwischen 18 und 29 Jahren nutzen 88 Prozent Facebook. Bei den 30 bis 49-Jährigen sind es 84 Prozent. Wieso fühlt es sich für uns dann trotzdem so an als würde Facebook aussterben? Das liegt am eigenen Alter, am Bekanntenkreis und am Herkunftsland. Tatsächlich ist das Land mit der größten Facebook-Population Indien mit 270 Millionen Usern. Zum Vergleich: In ganz Europa sind es nur 385 Millionen User.

Wieso sollten wir Facebook löschen?

Zunächst sollte klargestellt werden, dass Binder nicht komplett Anti-Facebook ist und die oben genannten Zahlen ebenfalls in Betracht zieht. Nichtsdestotrotz ergeben sich aus Facebooks Skandalen und Misserfolgen Argumente für ihn, weshalb wir darüber nachdenken sollten, die Plattform aus unserem Leben zu streichen:

1. Facebooks Layout überzeugt heute nicht mehr

Blau auf einem langweiligen, grauen Hintergrund – so kennen wir Facebook. Tatsächlich wirkt das Design der Plattform altbacken, gerade im direkten Vergleich mit Instagram und Co. Das Schlimmste jedoch, so Binder, sei die Unübersichtlichkeit. So gibt es auf Facebook unzählige Side Bars, die kaum ein User je benutzt. Im News Feed musst du förmlich nach Posts deiner Freunde suchen, da es mit Werbung und Beiträgen von Seiten und aus Gruppen überfüllt ist. Ein weiterer Kritikpunkt sind die zahlreichen Auswahlmöglichkeiten, die User bekommen, wenn sie einen Post verfassen. Im Grunde schön und gut, doch wie oft startet der Durchschnitts-User einen Livestream, fragt nach Empfehlungen oder unterstützt eine gemeinnützige Organisation?

2. Facebook ist nicht vertrauenswürdig

Zugegeben, so gut wie alle großen Social Media-Plattformen haben schon mit Datenschutzproblemen zu kämpfen gehabt, doch es scheint als würde Facebook sie alle übertreffen. Mit Cambridge Analytica startete eine Reihe nie endender Skandale, die einen dunklen Schatten über Facebooks Image werfen. Wer also Wert auf Datenschutz legt, sollte einen Bogen um Facebook machen, so Binders Rückschluss. Hinzu kommt Facebooks unaufhaltsames Monopol. Das Unternehmen hat sich mit dem Kauf von Instagram und WhatsApp einen solch hohen Status aufgebaut, dass zahlreiche Kritiker die Zerschlagung fordern.

3. Facebook als Gefahr für die Demokratie

Ein weiterer Kritikpunkt an der Plattform ist der Umgang mit politischen Lügen und Fake News. Beides lasse sich laut Binder zu einfach verbreiten. Zudem werde nicht genug dagegen unternommen. Im Gegenteil: Die neusten Richtlinien zu politischen Ads erlauben es den Parteien und Politikern zu lügen – alles unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit. Fakt bleibt jedoch, dass Fehlinformationen nichts mit Meinungsfreiheit zu tun haben, ebenso wie Fake News. Diese stellen immer noch ein großes Problem für Facebook dar, das sich durch ungefiltertes Teilen und Liken stetig vergrößert. Als Unternehmen dieser Größenordnung hätte Facebook längst mehr unternehmen und effektiver vorgehen müssen. Auch gegen die Personen, die Schuld an der Verbreitung solchen Contents sind.

Wieso sollten wir Facebook doch nicht aufgeben?

Die oben zusammengefassten Gründe und vieles mehr sind plausible Argumente für User, die Plattform hinter sich zu lassen. Doch vielleicht sollten wir Facebook nicht zu schnell aufgeben. Fakt bleibt nämlich, dass die Plattform für viele Teil des Alltags ist. Denn auch wenn viele User nicht mehr so aktiv wie in ihrer Anfangszeit sind, gibt es immer noch genügend Unternehmen die ihre Mitarbeiter über Facebook-Gruppen organisieren und absprachen treffen. Allein das ist ein Grund, das alte Facebook-Profil noch zu erhalten. Und auch im Privatleben werden Gruppen häufig genutzt, sei es zum Verkauf, zum Austausch oder um Klassentreffen und Co. zu organisieren.

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Und auch Marketers sollten Facebook noch lange nicht aufgeben – sie müssen sich lediglich den Usern anpassen. Während die jüngere Generation eher über Plattformen wie Instagram angesprochen wird, kann Facebook immer noch die ältere Zielgruppe erfassen. So sind Senioren die am schnellsten wachsende User-Gruppe der Plattform. Doch auch die Boomer und die Millennials sind immer noch häufig genug vertreten. Und noch mehr gute News für Werbetreibende: Der Preis für Ads auf Facebook fiel 2019 um vier Prozent, während die Ad Impressions um 33 Prozent stiegen. Es lohnt sich also noch immer, an das Potential der Plattform zu glauben.

Unterm Strich muss jeder für sich selbst entscheiden, ob Facebook es wert ist oder nicht – egal ob Privatperson oder Unternehmen. Während das Kontaktaufrechterhalten in den Hintergrund gerutscht ist, können Gruppen durchaus noch nützlich sein. Dennoch sollte das auf Facebook gesehene immer mit Vorsicht betrachtet und hinterfragt werden. Nur so kannst du dich vor dem Einfluss von Fake News und Co. schützen. Zudem arbeitet Facebook momentan auch daran, eine sicherere Umgebung zu schaffen – was auch längst überfällig so ist. Außerdem soll auch das Design überarbeitet werden. Ein Sneak Peak darauf können User schon in der Beta-Version werfen. Die Änderungen könnten dafür sorgen, dass die Attraktivität von Facebook wieder wächst – auch wenn Gen Z wohl an andere Plattformen verloren ist.

Über Michelle Winner

Michelle Winner

Nachdem Michelle Winner Erfahrungen in einer Lokalzeitung und im Eventbereich gesammelt hat, unterstützt sie nun seit 2017 die Redaktion und schreibt für das OnlineMarketing.de Karrieremagazin über Themen rund um den Büroalltag.

4 Gedanken zu „Neujahrsvorsatz 2020: Facebook löschen – Was spricht noch für die Plattform?

  1. Fiffi

    Wer will das wissen? Wen interessiert das überhaupt? Langweilig wie Facebook selbst. Braucht kein Mensch und ist überflüssig wie eine Fliege in der Suppe

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  2. Thomas

    Das größte Problem von FB im Rahmen der privaten Nutzung lauert tatsächlich im Newsfeed: Im Text heißt es völlig richtig: „Im News Feed musst du förmlich nach Posts deiner Freunde suchen, da es mit Werbung und Beiträgen von Seiten und aus Gruppen überfüllt ist.“

    Das Verhältnis von Werbung, Beiträgen von Freuden und News von Seiten passt nicht mehr. Man hat teilweise nicht das Gefühl, in einem Sozialen Netzwerk, sondern eher in einer Newsgroup zu sein. Bekommen die Verantwortlichen dies wieder besser in den, Griff – das funktionierte vor einigen Jahren ja deutlich besser – und hält der Trend zu inhaltlich sinnvollen Interessengruppen an, dann wird die Plattform vermutlich noch lange den Ton angeben. Derzeit ist allerdings nicht absehbar, in welche Richtung die oftmals zu Recht kritisierte Entwicklung tendiert.

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  3. Ricki

    Oh mein Gott, in Europa sind es nur 385 Millionen User. Sorry, bei 742 Millionen Einwohner, sind das fast 50%. Indien mit 1,3 Milliarden Einwohner ist dann mit 240 Millionen doch noch ein Nachzügler (ca.18%).

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  4. Jan

    Facebook entwickelt sich zu einer Plattform für Interessengruppen. Egomanen, die Wert auf Selbstdarstellung legen, wandern zu Instagram ab. Das schadet niemandem und ist erst recht kein Grund, Facebook aufzugeben. Man muss nur wissen, wie man es am besten für sich nutzen kann.

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