Display Advertising

Millionen für Kinox.to: Wie dubiose Vermarkter den illegalen Streaming-Dienst am Leben halten

Das bekannte Online-Portal bietet noch immer Streams an, obwohl nach den Betreibern gefahndet wird. Auch die Werbeeinnahmen in Millionenhöhe fließen weiter.

© Flickr / Ervins Strauhmanis, CC BY 2.0

Das Fortbestehen der bei Internetnutzern noch immer beliebten Seite Kinox.to steht in Zusammenhang mit den Werbeeinahmen, die das Portal weiterhin erzielt – allen Widrigkeiten zum Trotz. Als da wären: die Fahndung nach den Betreibern, die seit 2014 läuft (und nur zur Verhaftung eines Komplizen führte), der Vorwurf verschiedenster Straftaten, die über Urheberrechtsverletzung hinausgehen, und damit verbunden ein Leben im Untergrund für die Verantwortlichen.

Popularität als Werbemagnet

Dass der Streaming-Dienst bis heute weiter angeboten wird, ist seiner Popularität geschuldet. Denn gerade aufgrund dieser Beliebtheit – Kinox.to gehört zu den 100 beliebtesten Seiten im Netz – lässt sich trotz des illegalen Status der Seite dort gewinnbringend Werbung schalten. Sodass Kinox.to etwa 2,5 Millionen Euro an jährlichen Werbeeinnahmen generiert, wie Volker Rieck gegenüber der Welt einschätzt. Denn viel Traffic bedeutet auch viele Einnahmen mit Display Advertising. Dabei zeigt sich, dass weder User noch noch Werbetreibende vom Verfahren gegen das Portal gänzlich abgeschreckt werden. Während erstere also weiter Filme und Serien streamen, schalten die Advertiser mit Hilfe von Vermarktern auch weiterhin Anzeigen auf der Seite. Zu diesen zählen Vermarkter wie Matomy, denen das Verfahren in Deutschland bekannt ist, wie der Content-Schutz-Experte Rieck in einem Beitrag für die Wirtschaftskammer Österreich angibt.

Vor allem dubiose Vermarkter liefern Werbekunden

Der Vermarkter, desser Name allerdings in Zusammenhang mit Kinox.to und seinen immensen Werbeeinnahmen immer wieder auftaucht, ist PropellerAds. Die Firma zeigt nicht nur aufgrund nachgewiesener Beteiligungen auf Portalen wie Kinox.to, Movie4k.to und ähnlichen wenig Seriosität, sondern wirkt ebenso bezüglich ihres Vorgehens bei der Akquise von Werbekunden fragwürdig. So werden zum Beispiel Medienunternehmen von sogenannten Media Buyers oder Analysts bei Facebook mit der Bitte angeschrieben, einen Testlauf mit PropellerAds zu wagen und zu jeder beliebigen Tages- oder Nachtzeit anzurufen, um etwaige Details zu klären. Dabei wird mit der Zusammenarbeit mit den berüchtigten Streaming-Portalen geworben. Auf der Website des Vermarkters werden zudem die zwielichtigen Pop-Unders als lukrative Marketingstrategie beworben. PropellerAds redet diese nervige und doch wirksame Werbung als maximale Nutzerkonfrontation mit der Werbebotschaft schön.

Advertiser mimen die Unwissenden

Die Advertiser selbst kontaktieren demnach den Vermarkter, oder andersrum, und stehen somit nicht direkt in Kontakt mit Kinox.to. Da PropellerAds beispielsweise nur angibt, Zugriff auf mehr als 100.000 weltberühmte Premium-Publisher zu haben und täglich 650 Millionen Klicks auf digitale Anzeigen zu vermitteln, können auch ihre Kunden ein Mitwissen verneinen, wenn es um platzierte Werbung auf illegalen Seiten geht (sofern sie nicht bei Facebook, wie oben beschrieben, kontaktiert wurden). Selbst ein Vertreter von PropellerAds, der die Affiliate World Europe, eine Branchenkonferenz in Berlin, besuchte, verneinte ein Wissen von jeglicher Zusammenarbeit seines Unternehmens und Kinox.to. Volker Rieck, der für den File Defense Service arbeitet, bestätigt jedoch in dem Beitrag der WELT, dass diese Verbindung nachzuweisen sei. Diese Undurchsichtigkeit erlaubt es den Betreibern, auch aus dem Untergrund weiter Werbeeinnahmen von beträchtlicher Höhe einzustreichen. Dazu hat anfänglich auch der Usenet Provider Firstload beigetragen, der Kinox.to mit mindestens 150.000 Euro unterstützte, die für das Schalten von Werbung für die kostenpflichtigen Zugänge des Portals gedacht waren.

Werbeeinnahmen könnten weiter fließen

Da eine Domain wie Kinox.to mit .to keinen Who Is-Eintrag fordert, lassen sich die Domaininhaber nicht zweifelsfrei bestimmen, was ein Einstellen des Portals erschwert. Dazu kommt, dass die Werbungtreibenden, die auf diesem Portal aktiv sind, sich weiterhin auf ihr Unwissen berufen können – und als Dating-, Glücksspiel- oder Pornoseitenanbieter können sie auch das Image oft hintanstellen. Vermarkter wie PropellerAds, die den eigentlichen Kontakt zwischen der Streaming-Plattform und Werbenden herstellen, sind schwer zu fassen. Solange die Brüder Kastriot und Kreshnik Selimi, die als Kinox-Betreiber weiter auf der Flucht sind, nicht gefasst werden, scheint auch der stetige Fluss an Werbeeinkünften nicht zu stoppen.

Quelle: Die Welt 

Über Niklas Lewanczik

Niklas Lewanczik

Niklas hat an der Uni Hamburg Deutsche Sprache und Literatur sowie Medien- und Kommunikationswissenschaften studiert und schreibt als Redakteur über Social Media, SEO und innovative Themen im Kontext des digitalen Marketing. Wenn er sich nicht gerade dem Marketing zuwendet, dann womöglich den Entwicklungen im modernen Fußball oder dem einen oder anderen guten Buch.

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