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Kaffee mit dem Auto bestellen – So monetarisiert General Motors die Fahrt zur Arbeit
Screenshot YouTube, © GM

Kaffee mit dem Auto bestellen – So monetarisiert General Motors die Fahrt zur Arbeit

Niklas Lewanczik | 07.12.17

General Motors stellt mit Marketplace eine Plattform vor, die es möglich macht, schon morgens im und mit dem Auto Bestellungen und Reservierungen abzuwickeln.

Jeden Tag fahren Millionen Menschen mit dem Auto. Zur Arbeit, die Kinder von A nach B, Zum Sport usw. Dabei geht einiges an Zeit verloren – Zeit, die Retailer und Co. gerne nutzen würden, um Verkäufe abzuwickeln. Und viele Autofahrer würden sicher gern schon im Auto das morgendliche Frühstück bestellen. General Motors macht’s möglich: mit Marketplace kannst du künftig mit deinem Wagen bestellen und reservieren.

General Motors betritt Neuland: Ein Knopfdruck zum Kaffee

In einer Pressemitteilung gab General Motors bekannt, dass mit Marketplace die erste Commerce-Plattform für On Demand-Reservierungen etc. im Bereich Automotive eingeführt wird. Konkret heißt das: mit einem simplen Klick auf das dafür vorgesehene Feld kann schon im morgendlichen Verkehr das Frühstück beim favorisierten Bäcker bestellt und bezahlt werden.

Doch damit nicht genug. Auch die gerade günstigste und nächstgelegene Tankstelle lässt sich finden und Tische in beliebten Restaurants können reserviert werden. Das klingt nach einer willkommenen Option für Pendler oder Autofahrer, die ohnehin viel Zeit in ihrem Wagen verbringen, vor allem wenn sie den ein oder anderen Stau durchzustehen haben.

Produktiv und sicher die Wirtschaft vom Auto aus ankurbeln

GM erklärt, dass Marketplace eine nicht nur produktive, sondern auch sichere Option bietet. Damit müssen Autofahrer nicht mehr per Handy Bestellungen oder Reservierungen beim Fahren vornehmen, sofern sie das tun. Und tun sie das bislang noch nicht, wird ihnen die Zeit beim Autofahren nun dafür zur Verfügung gestellt. Immerhin verbringen die Amerikaner im Schnitt laut der American Mobile Association 46 Minuten por Tag im Auto. Für Deutschland ermittelte eine Studie von CosmosDirekt, dass knapp ein Drittel der Menschen mindestens eine Stunde täglich im Auto verbringt. Diese Zeit wollen ebenso die Retailer nutzen.

Doch wie funktioniert das? Fahrer von mit Marketplace ausgerüsteten Wagen von Chevrolet, Buick, GMC und Cadillac können mit einem Touchscreen in der Wagenkonsole interagieren.

GM Marketplace: per Touch mit Marken interagieren, Screenshot YouTube, © GM

Dabei können sie mit Marken in Kontakt treten, die für folgende Bereiche zur Verfügung stehen:

  • Einzelhandel
  • Lebensmittel
  • Bewirtung
  • Hotels
  • Transport und Reisen

Bei der Interaktion sollen die Fahrer (wenn es die Beifahrer sind, ist das natürlich weniger relevant) auf ein Minimum an manuellen Aktivitäten angewiesen sein. Hier dürfte die Entwicklung von Voice Search etc. künftig zum Tragen kommen. So können die Fahrer also sicher und umsichtig fahren, sodass die Richtlinien der Industrie und des Unternehmens zur Fahrsicherheit eingehalten werden. Gleichzeitig sollen dann aber Angebote wahrgenommen werden können.

Spezifische Angebote, auf die Fahrer zugeschnitten

Santiago Chamorro, Vizepräsident bei GM für die globale Customer Experience, meint:

For most retailers and consumer brands the daily commute is the only time not accessible in a consumers’ day. Marketplace gives merchants the ability to more safely engage with drivers and passengers in a meaningful way that provides true value for our customers.

Diesen Mehrwert erfahren die Fahrer/Kunden dank eigens für sie ausgesuchter Angebote. Diese enstehen aus Machine Learning-basierten Echtzeitdaten in Zusammenhang mit Location, der Tageszeit oder digitalen Hinweisen auf Präferenzen des Fahrers. So findet sich im Marketplace eine Sektion, die sich „Shops“ nennt. Hier sind spezifische Rabatte etwa beim Ölwechsel angezeigt oder Angebote, die beispielsweise mit Teilen für den Wagen von General Motors zusammenhängen.

Angebote für den Chevrolet-Fahrer über Marketplace, Screenshot YouTube, © GM

Aber auch andere relevante Angebote werden angezeigt. Wenn du etwa jeden Morgen bei Starbucks deinen Kaffee bestellst, dürftest du von diesem Unternehmen bald lukrative Deals vorgeschlagen bekommen. GM zeigt in einer Liste, welche Marken bislang mit der neuen Plattform kooperieren:

  • GM selbst bietet Datenpakete an, die für das Auto gelten (ähnlich Datenverträgen für mobile Endgeräte)
  • ab 2018 bietet Starbucks den Nutzern von Marketplace Vorteile
  • Dunkin Donuts erlaubt Bestellung und Zahlung per Auto; das Abholen kann im Pick-up-Store nach Wahl geschehen
  • bei Wingstop lässt sich ebenfalls bestellen – und die Warteschlange kann dann umgangen werden
  • bei Applebees’s kannst du dein Lieblingsgericht vom letzten Mal schon vorbestellen
  • ExxonMobil zeigt dir seine nächsten Tankstellen und leitet dich hin und schnell wieder auf die Straße zurück

Zudem finden sich in der Pressemitteilung GMs weitere Partner. Interessierte Unternehmen können sich beim Hersteller melden. Für Marketplace kooperiert General Motors mit den Plattformen Xevo, Conversable und Sionic Mobile.

Wann und für wen ist Marketplace eine Option? 

Basierend auf 4G LTE-Verbindungen wird Marketplace bei 2017er und 2018er Modellen von Autos, Trucks und Crossover-Modellen integriert, deren Infotainmentsystem mit der Technologie kompatibel ist. Bei neuen Modellen soll der Marketplace, sofern diese Kompatibilität besteht, weiter integriert werden. Chamorro erklärt:

Marketplace is the first of a suite of new personalization features that we will roll out over the next 12 to 18 months to nearly four million U.S. drivers.

Das heißt, dass das Feature bislang einigen US-Amerikanern vorbehalten bleibt. Allerdings scheinen ähnliche Systeme sich künftig auch global anzubieten. GM plant derweil schon weitere Personalisierungsmaßnahmen.

Von Interesse wird zum einen sein, ob und wann andere große Hersteller nachziehen. Zum anderen aber ebenso, ob derlei Systeme künftig gleichfalls für das Marketing erschlossen werden. Immerhin bieten diese Screens noch ungeahnte und ungenutzte Potentiale, wenn es um Display Advertising etc. geht. Und der Weg vom spezifischen Targeting per Ad zur tatsächlichen Bestellung über den Marketplace wäre ja ein kurzer.

Allerdings hängt mit der Ausweitung dieser Commerce-Plattformen und ihrer Nutzung wohl ein Hindernis zusammen: können die Fahrer tatsächlich sicher und schnell in ihrem Auto bestellen, wenn sie noch die verschiedenen Angebote und Optionen prüfen? Wird der Verkehr nicht gar ein wenig mehr gefährdet? Diese Fragen würden sich natürlich spätestens mit den selbstfahrenden Wagen in Wohlgefallen auflösen. Und sicherlich hat General Motors auch beim Start von Marketplace schon ein Auge auf diese Entwicklung gehabt.

Dennoch könnte diese Plattform im Wagen ein Fingerzeig für die Zukunft der Autofahrer sein. Erleichterungen bietet das System sicherlich. Doch damit fällt gleichzeitig eine der letzten Bastionen der Zeit, die eigentlich einer einzelnen Aufgabe vorbehalten war: dem Autofahren. Wohl oder übel.

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