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Ironie des Schicksals: Google spielt Fake News Ads bei Faktencheck Websites aus

Fake News Ads tauchen immer wieder auf. Nun hat Google AdWords allerdings solche Anzeigen ausgerechnet auf Faktencheckseiten platziert.

© The Climate Reality Project - Unsplash

Aufsehenerregende Schlagzeilen wurden zuletzt bei Faktencheck Websites wie PolitiFact beworben. Das Problem: sie waren nicht wahr und führten zu dubiosen Seiten, die sich als Mainstream Newsseiten tarnten. Google AdWords brachte die Fake News Ads auf die Seiten, die gerade solche unwahren Beiträge entlarven sollen.

Fake News Ad trifft Faktencheck: Die Ambivalenz des Web auf einen Schlag

Die Websites PolitiFact und Snopes sind dazu da, um Fakten im Internet zu prüfen. Dank Seiten wie diesen soll die ausufernde Verbreitung von Fake News eingedämmt oder zumindest ihre Falschheit dargestellt werden.

Doch nun sind ausgerechnet auf diesen Seiten Fake News Ads aufgetaucht, die großspurig Schlagzeilen darboten. Darunter: „Why Melania Isn‘t Staying At The White House. First Lady Tells All About Being In New York“. Klickte ein User auf diese unwahrscheinlichen „News“, gelangte er zu Seiten, die sich als rechtschaffene Medien wie etwa Vogue oder People getarnt hatten. Dabei wurden gar deren Logos oder Designs übernommen. Davon berichten die New York Times-Journalisten 

Anzeige und Fake News bei Adwords, © New York Times

Googles System AdWords wurde von den Fake Publishern missbraucht, um diese Werbeanzeigen unter die User zu bringen. Nach Angaben der NYT ist unklar, ob man gezielt auf die Faktecheckseiten als Ziel aus war. Das Ausnutzen des einflussreichen Werbesystems zeigt, wie nah Nachrichten und Fehlinformationen in unserem heutigen World Wide Web zusammenliegen. Wenn diese Fehlinformationen dann noch effektiv für Werbezwecke eingesetzt werden, fördert das natürlich den Unmut sowohl genervter User als auch der vom Schwindel betroffenen Personen oder Publisher.

AdWords ist nicht fehlerfrei, doch Google reagiert

Wie konnte es dazu kommen, dass derartige Fake News auf Websites landen, die dafür da sind, um genau diese zu widerlegen? Bei Google AdWords kann im Rahmen der Richtlinien für AdWords Werbung geschaltet werden, die dann auch sofort im Netz auftauchen kann, wo sie, wie in diesem Fall, selbst unabhängig von ihrem fragwürdigen Inhalt besonders präker ist. Womöglich haben die Fake News Ads, die bei Snopes und PolitiFact auftauchten, oberflächlich nicht den Bestand der „Unangemessenen Inhalte“ bei AdWords erfüllt.

Doch Google reagierte nach der Berichterstattung schnell. Zunächst wurden die Accounts der betreffenden Werbetreibenden bei AdWords entfernt. Dazu äußerte die Google Sprecherin Chi Hea Cho gegenüber der NYT:

As always, when we find deceptive ad practices on our platforms we move swiftly to take action, including suspending the advertiser account if appropriate. In addition, we give publishers controls so they can block specific types of ads and advertisers.

So versucht Google, unseriöse Ads zu minimieren. Manches Mal stellt man sich auch konsequent gegen Werbeanzeigen, wie ein Beispiel für eine von der AfD veröffentlichten Ad für eine Anti-Merkel-Website zeigte. Jedoch wurde eine solche Anzeige später trotzdem bei Google gefunden, obwohl sich als fraglich erwies, ob die überarbeitete Version nicht auch unangemessene Inhalte enthielt.

Die Faktencheck Websites arbeiten gegen die Fake News Ads an

Inzwischen sind die betroffenen Websites, die sich mit Faktenchecks beschäftigen, dabei die Ads mit den falschen Informationen in Kooperation mit Google von der Seite zu entfernen. Insgesamt sei es gar nicht so leicht, Fake News Ads im Vorwege herauszufiltern, meint Vinny Green, der Mitbesitzer von Snopes. Denn allein im letzten Monat seien laut Angaben im NYT-Artikel 150 Millionen Ads auf der Seite ausgespielt worden.

Der Ansatz der Macher dieser Fake News Ads war letztlich darauf ausgelegt, eine oberflächliche Prüfung zu überstehen, da man sich mit der Autorität echter seriöser Newsseiten ummantelte. Google nennt den Ansatz Tabloid Cloaking, also eine Verhüllung durch Boulervard Medien. Das Unternehmen hat im Kampf gegen diese Aktionen neuerdings weitere Maßnahmen zum Schutz für Publisher veröffentlicht.

Dieser fast schon ironische Vorfall zeigt, dass Fake News und Fake News Ads noch immer grassieren. Snopes und PolitiFact sind dabei sogar Partner Facebooks im Bestreben, die falschen News von der Plattform zu verbannen. Sowohl die Social Media Plattformen als auch Google geben immer wieder Features bekannt, die Fake News eindämmen sollen. Darunter Googles Share the Facts oder Facebooks Button für den Artikelkontext.

Artikelkontext per Button bei Facebook einsehen, © Facebook

Dennoch werden immer wieder Stimmen laut, die meinen, dass die großen und herrschenden Player im Online-Werbebusiness Facebook und Google nicht genug Kontrollen für die ausgespielten Ads aufweisen. Hierbei sind zwei Aspekte zu bedenken. Natürlich bedeutet jede abglehnte Anzeige auch einen Verlust im Werbebudget. Dabei dürften kleinere Ausfälle die Online-Giganten wenig stören. Würden aber reihenweise Ads von bestimmten Advertisern abgelehnt, dann müssten sich die Entscheider das womöglich zweimal überlegen; immerhin könnte ein Konkurrent die Ads dennoch annehmen. Trotzdem würden weniger Fälle von Fake News Ads, die dann auch noch publik werden, dem Image der Unternehmen einen wiederum positiven Impuls geben. Allerdings sind bei Abermilliarden von Anzeigen, die Google täglich ausspielt, vereinzelte Fälle von Fake News Ads fast nicht auszuschließen.

Gibt es zu wenig Reflexion vonseiten Googles oder auch Facebooks, wenn es um dubiose Advertiser geht? Diesen Fragen müssen sich Werbesysteme immer wieder stellen. Vor allem in Zeiten der immer noch massiven Verbreitung von Clickbait und Fake News. Gut also, dass es Faktencheckseiten wie Snopes und PolitiFact gibt. Doch der Kampf um die Werbedollar wird wohl auch künftig nicht völlig ohne Falschmeldungen auskommen.

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