Social Media Marketing

Geheimdienst eingeschaltet: Google, Facebook und Twitter sollen vorm US-Kongress zur Wahl aussagen

Facebook, Google und Twitter sollen im November dem US-Kongress ihre Rolle bei der Wahl 2016 im Zusammenhang mit Russland-gesteuerten Ads erklären.

© Flickr / Ron Cogswell, CC BY 2.0

Die Präsidentschaftswahl 2016 in den USA steht noch immer unter dem Verdacht, durch Einwirkungen aus Russland beeinflusst worden zu sein. Dabei sollen auch aus Russland geschaltete Ads bei US-Plattformen eine Rolle gespielt haben. Der US-Kongress bittet nun Facebook und Co. zur Anhörung.

US-Kongress will Google, Twitter und Facebook verhören – auch der Geheimdienst setzt eine Anhörung an

Die Internetriesen Google, Facebook und Twitter sind von Anwälten des Senats dafür auserkoren, am ersten November vor dem US-Kongress zu erscheinen. Dabei soll die Präsidentschaftswahl 2016 Thema sein. Tony Romm von Recode berichtet, dass es bei dieser Anhörung zu unbequemen Fragen für die Unternehmen kommen kann. Diese könnten zum Beispiel darauf abzielen zu erörtern, welchen Einfluss etwa Ads bei Facebook auf die Wahl gehabt haben, die unter dem Verdacht stehen, von Russland-basierten Gruppen geschaltet worden zu sein.

Diese Ads sollen gezielt Provokationen und Missgunst in der Bevölkerung gesät haben. Auch das House Intelligence Committee, ein Geheimdienstausschuss der USA, setzt im Oktober eine Anhörung an. Die Repräsentanten des Komitees, Mike Conaway und Adam Schiff, gaben an:

In the coming month, we will hold an open hearing with representatives from tech companies in order to better understand how Russia used online tools and platforms to sow discord in and influence our election.

Während bei letzterer Anhörung noch nicht klar ist, welche Unternehmen teilnehmen werden, wird doch davon ausgegangen, dass die genannten Größen erscheinen werden. Bislang hatte nur Facebook bestätigt, dass man vom Senat vorgeladen worden sei. Immerhin stehen 3.000 Ads auf Facebook im Fokus ersterer Untersuchung, die der Einflussnahme aus Russland verdächtigt werden.

Facebook bestätigt Anzeigenkauf „wahrscheinlich“ aus Russland und bietet Hilfe an

Am sechsten September gab Alex Stamos, Sicherheitsoffizier von Facebook, in einem Blogpost bekannt, dass in der Tat eine Reihe von Ads mit großer Wahrscheinlichkeit aus Russland auf der Plattform geschaltet worden war.

In reviewing the ads buys, we have found approximately $100,000 in ad spending from June of 2015 to May of 2017 — associated with roughly 3,000 ads — that was connected to about 470 inauthentic accounts and Pages in violation of our policies. Our analysis suggests these accounts and Pages were affiliated with one another and likely operated out of Russia.

Inzwischen sind die nicht authentischen Pages und Accounts deaktiviert worden. Obwohl die Inhalte der Werbung auch von Facebook als polarisierend eingestuft wurden, gab man auch an, dass die Mehrheit der Anzeigen keine spezifische Verbindung zur Wahl aufgewiesen hatte. Zwar hatte Mark Zuckerberg ausgesagt, dass Menschen eher aufgrund ihrer erlebten Erfahrungen wählen. Doch kann man den Einfluss einer Plattform wie Facebook mittlerweile nicht mehr negieren.

Auch deshalb hat der CEO Zuckerberg nun angekündigt, die fraglichen 3.000 Ads für den US-Kongress zur Verfügung zu stellen. Sam Levin vom Guardian erklärt, dass Facebook besonderen Wert auf integre Wahlen lege. Facebooks Colin Stretch  postete letzte Woche offiziell:

After an extensive legal and policy review, today we are announcing that we will also share these ads with congressional investigators. We believe it is vitally important that government authorities have the information they need to deliver to the public a full assessment of what happened in the 2016 election.

Auch wenn der Einfluss dieser Ads nicht übersteigert werden sollte, scheint doch das Interesse der US-Behörden seine Grundlage zu festigen. Der US-Präsident sieht das allerdings anders. Er spricht von einem Schwindel.

Der Einfluss aus Russland scheint auch aktuelle Debatten zu betreffen

Die Fragen zur US-Wahl des vergangen Jahres behandeln eine wichtige, und doch zurückliegende Angelegenheit. Aber nun zeigt sich, dass etwa bei Twitter reihenweise Accounts mit Verbindung nach Russland auch aktuelle Themen diskutieren. New York Times-Journalist Daisuke Wakabayashi zeigte gestern auf, dass von Menschen wie von Bots gesteuerte Accounts sich zur Debatte um die bei der Nationalhymne knienden amerikanischen Sportler per Tweet äußern.

Dabei werden unter den Hashtags #standforouranthem und #takeaknee beide Anschauungen vertreten. Allerdings wird von Wakabayashi die Frage aufgeworfen, ob das ohnehin Trump-freundliche Twitter nicht eine größere Rolle bei der Präsidentschaftswahl gespielt hatte.

Debatte um die Ehrbezeugung für die Nationahymne; viele Spieler der National Football League knien während der Hymne vor dem Spiel als Zeichen gegen Rassismus. Präsident Trump beschimpft sie und ruft zum Boykott auf. Wieder einmal wirkt das Land gespalten, Screenshot YouTube, © ABC News

Möglicherweise werden die Aussagen der Unternehmen vor dem US-Kongress und dem House Intelligence Committee zur Aufklärung beitragen. Klar scheint jedoch, dass, ob aus Russland oder nicht, Ads aber auch Kampagnen allgemein in Social Media einen großen Einfluss auf die politische Stimmung in einem Land haben können.

Abzuwarten bleibt, wie sehr die USA weiterhin durch wahnwitzige Politik gespalten werden und wie das Ganze bei Twitter und Co. seinen Ausdruck findet.

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