Social Media Marketing

Facebook könnte Daten von Portal doch für Werbung nutzen

Letzte Woche gab Facebook zu Portal an, es nicht zu Werbezwecken nutzen zu wollen. Jetzt rudert man zurück. Fürs Targeting seien die Daten doch einsetzbar.

Facebooks Portal liefert viele Daten, Screenshot YouTube, © Facebook

Mitten im Trubel um den jüngsten Datenhack hat Facebook vergangene Woche sein Smart Home-Gerät Portal prominent vorgestellt. Dabei war natürlich besonders Wert auf die Privatsphäre der Nutzer gelegt worden und man hatte versichert, dass die ermittelten Daten nicht für Werbung bei Facebook eingesetzt würden. Was letzte Woche schwer vorstellbar war, zeigt sich nun als Trugschluss. Denn Facebook bestätigt, dass Daten von Videoanrufen doch für das Targeting genutzt werden könnten.

Kehrtwende zu Portal stellt keine Überraschung dar

Vor gut einer Woche haben wir über den Launch von Facebooks Smart Home-Bildschirm Portal berichtet und uns gefragt, ob die Beteuerungen, dass man keine Daten für Werbezwecke verwenden möchte, im Kontext von Facebooks Geschäftsmodell völlig ernst zu nehmen sind. Auf der offiziellen Website hieß es:

Facebook doesn’t listen to, view or keep the contents of your Portal video calls. Your Portal conversations stay between you and the people you’re calling.

Darüber hinaus gab ein Facebook-Mitarbeiter im Gespräch mit Recode an:

No data collected through Portal — even call log data or app usage data, like the fact that you listened to Spotify — will be used to target users with ads on Facebook.

Diese Versicherungen stellen sich nun als so fadenscheinig heraus, wie sie zuvor gewirkt hatten. Denn Kurt Wagner berichtet nun bei Recode, dass Facebook seine Antwort ein Stück weit revidiert hat. Zwar seien für Portal selbst weiterhin keine Ads geplant, aber man könne die Daten, die bei der Nutzung von Apps über Portal oder bei Videoanrufen entstehen, doch für das Targeting bei anderen Plattformen im Facebook-Kosmos nutzen. Wagner zitiert einen Facebook-Sprecher wie folgt:

Portal voice calling is built on the Messenger infrastructure, so when you make a video call on Portal, we collect the same types of information (i.e. usage data such as length of calls, frequency of calls) that we collect on other Messenger-enabled devices. We may use this information to inform the ads we show you across our platforms. Other general usage data, such as aggregate usage of apps, etc., may also feed into the information that we use to serve ads.

Die vorsichtige Formulierung „may use“ sollte allerdings keinen Zweifel darüber aufkommen lassen, dass der Einsatz der Daten für Werbung bestimmt ist. Immerhin ist das Geschäftsmodell Facebooks darauf ausgelegt. Mit dem Verkauf der Geräte mag das Unternehmen zwar ebenso Einnahmen generieren. Doch es ist vor allem das konkrete Wissen um das Nutzerverhalten, das sich bestens monetarisieren lässt. Facebooks Vizepräsident des Produktmanagements, Rafa Camargo, erklärte Recode im Gespräch, man könne die Daten nutzen, er wisse jedoch nicht, ob das auch geschehen werde. Dass die Möglichkeit letztlich nicht genutzt wird, ist in etwa so wahrscheinlich wie das Szenario, in dem Google seine kritisierte Search App für China nur als Testballon entwickelt hat, um diesen dann doch nicht auf den Markt zu bringen.

Ein Smart Home-Gerät mit Videofokus und Mikrofonen, das in zahlreichen Wohnzimmern und anderen Räumen positioniert wird, ist eine hervorragende Möglichkeit, um persönliche Daten zu ermitteln und diese dann für spezifisches Targeting einzusetzen. Und immerhin hat sich Facebook nun von der unglaubwürdigen Haltung entfernt, dass dies keineswegs geplant sei. Man darf allerdings gespannt sein, wie viele Geräte sich im Zuge der doch heiklen Datenverluste der letzten Wochen und Monate schlussendlich verkaufen werden. Hier müssen die User eine Balance zwischen Entertainment und Privatsphäre finden; denn Facebook wird dafür nur bedingt Sorge tragen.

Über Niklas Lewanczik

Niklas Lewanczik

Niklas hat an der Uni Hamburg Deutsche Sprache und Literatur sowie Medien- und Kommunikationswissenschaften studiert und schreibt als Redakteur über Social Media, SEO und innovative Themen im Kontext des digitalen Marketing. Wenn er sich nicht gerade dem Marketing zuwendet, dann womöglich den Entwicklungen im modernen Fußball oder dem einen oder anderen guten Buch.

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