Technologie

Facebook launcht Portal in schwierigen Zeiten – Will man wirklich keine Daten?

Das Smart Home-Gerät mit dem Namen Portal ermöglicht neue Erfahrungen bei Videoanrufen und hat Alexa eingebaut. Datenschützer dürfen aber besorgt sein.

Facebooks Portal könnte die digitale Kommunikation ein Stück weit verändern, © Facebook

Es scheint ein denkbar unpassender Zeitpunkt. Gerade noch wurden per Hack 50 Millionen Userdaten bei Facebook gekapert, nun launcht das Unternehmen mit Portal Smart Home-Geräte, die das Soziale Netzwerk direkt ins Wohnzimmer einladen. Die Funktionen der Geräte wirken verlockend und das Unternehmen beteuert, dass hier keine Daten gespeichert werden und Werbung auch kein Thema ist. Aber wie sicher sind die Daten wirklich und möchte Facebook tatsächlich nur die Hardware vertreiben?

Portal: Wie ein digitales Tor zu anderen Orten

Der Launch von Facebooks Portal, einer Reihe von Geräten vornehmlich zur Videoverbindung, aber ebenso mit integrierter KI in Form von Alexa, kommt für Facebook zu einer Zeit, die zeigen mag, wo die Plattform steht. Zwar konnten die Skandale um Cambridge Analytica und den jüngsten Datenhack dem Unternehmen in Sachen Userzahlen noch nicht allzu viel anhaben. Doch sind die Bedenken der User und erst recht Datenschützer immens; werden sie doch immer mal wieder bestätigt. Nun bringt Facebook also die Geräte mit dem Namen Portal. Dieser soll Programm sein, denn sie erlauben eine neue Erfahrung von Videointeraktion mit Freunden, Verwandten usw.

 

Die Geräte haben eine Reihe spannender Funktionen in petto. Nicht nur die Videointeraktion – übrigens auch mit Usern, die kein Portal-Gerät besitzen – ist möglich, sondern auch das Anzeigen von Videos oder Fotos auf Facebook, das Teilen von Content oder das Rezipieren von News, Musik und mehr von Partnern wie Spotify, Newsy oder Facebook Watch. Zusätzlich ist Alexa in die Geräte integriert, sodass auf Fragen an Portal auch unmittelbar Antworten ausgespielt werden, visuell. Timer lassen sich dank der KI setzen, Einkaufslisten erstellen und Vieles mehr.

 

Auch in der geschäftlichen Kommunikation könnte man mit Portal im Kontext der Workspaces Erfolg haben.

Beyond the office use case, telecommuting or working from home is obviously huge as well. We think there’s a lot of opportunity there for Workplace to exist as an app [for Portal] so you have your personal experience as well, but you can also jump into the business experience,

sagte Portals Marketing Lead Dave Kaufman gegenüber Mashable.

Damit bieten die beiden Geräte, Portal und Portal+, die in den USA für 200 beziehungsweise 350 US-Dollar vorbestellt und gekauft werden können, einige Features, die in der digitalen Kommunikation zeitgemäß wirken und in Sachen Voice den aktuellen Entwicklungsstand widerspiegeln. Aber wird Facebook in Zeiten der Probleme ihrer Software nun ihre Hardware verkauft bekommen?

Datenschützer schlagen Alarm

Facebook weiß als Unternehmen natürlich um die prekäre Situation ihrer Datensicherheit. Deshalb heißt es zu Portal unter der Phrase Private by Design auch:

Portal was created with privacy, safety and security in mind. And it has clear and simple settings, so you stay in control.

Dazu wird erklärt, dass Kamera und Mikrofon jederzeit ausgeschaltet werden können, während die Smart Camera nicht auf den Facebook Servern, sondern auf lokalen von Portal selbst operiert; das soll mehr Sicherheit der Daten gewährleisten. Darüber hinaus kann die Voice History bei Portal gelöscht werden und, ganz zentral:

Facebook doesn’t listen to, view or keep the contents of your Portal video calls. Your Portal conversations stay between you and the people you’re calling.

Mit diesen Hinweisen möchte Facebook die User davon überzeugen, dass die Geräte für Smart Home nicht nur innovativ, sondern auch sicher sind. Außerdem gab ein Mitarbeiter des Sozialen Netzwerks an, dass nicht geplant sei, über die Bildschirme Werbung in die Wohnzimmer der Leute zu bringen.

Ein mulmiges Gefühl dürfte beim Kauf der Geräte allerdings doch bleiben. Denn einerseits scheint ein Hack auch der persönlichsten Konversationen über die Geräte keinesfalls ausgeschlossen. Facebook hat in den vergangenen Jahren nicht sicherstellen können, dass Daten uneingeschränkt abgesichert sind. Und es ist klar, dass langfristig eine so stark visuelle Kommunikation eine Verlockung zu Werbeunterbrechungen darstellen wird. Da stellt sich die Frage: will Facebook hier tatsächlich keine Daten generieren, zumal das über Alexa ohnehin passieren würde? Will man nur ein gutes Gerät verkaufen und mit der Hardware Geld verdienen? Noch mag das die vorrangige Intention sein. Spätestens aber, wenn das Werbeinventar auf Facebook, im Messenger und bei WhatsApp sowie auf Instagram ausgeschöpft ist, könnte Portal eben doch als Tor zu einer genauso von Werbung geprägten Welt der digitalen Kommunikation über Video und Voice werden.

Können sich die User der Nutzung von Portal als reine Kommunikationsgeräte sicher sein, mit der Kenntnis von Facebooks Geschäftsfeldern und dem Wissen um ihre Problematik? Das ist momentan unwahrscheinlich. Wer sich Portal für Zuhause kauft, braucht also eine Portion Gleichmut oder großes Vertrauen in das gebeutelte soziale Medium. Doch gerade Vertrauen ist die eine Währung, die Facebook derzeit nicht für sich beanspruchen kann. Deshalb wird es umso spannender sein zu sehen, wohin die Reise mit Portal geht.

Über Niklas Lewanczik

Niklas Lewanczik

Niklas hat an der Uni Hamburg Deutsche Sprache und Literatur sowie Medien- und Kommunikationswissenschaften studiert und schreibt als Redakteur über Social Media, SEO und innovative Themen im Kontext des digitalen Marketing. Wenn er sich nicht gerade dem Marketing zuwendet, dann womöglich den Entwicklungen im modernen Fußball oder dem einen oder anderen guten Buch.

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